Die Chance auf eine schöne Smartwatch stehen gut - Swatch versteht sein Handwerk (Bild: © Swatch Ltd)
Die Chance auf eine schöne Smartwatch stehen gut – Swatch versteht sein Handwerk (Bild: © Swatch Ltd)

Ha, endlich ist Swatch aufgewacht. Wobei man wohl eher sagen sollte: Endlich haben sie vor einiger Zeit das Thema Smartwatch angefangen ernst zu nehmen und ihre Entwicklungsabteilungen loslaufen lassen.

So gibt Hayek, der Chef der Geschichte bei bloomberg dann auch offen zu, dass sie vor zwei Jahren nicht wirklich an das Thema geglaubt haben. Tja, vielleicht ist es auch manchmal besser, den Vortritt kleinen und schnell arbeitenden Startup zu lassen und sich anzuschauen, wohin sich das entwickelt.

Aktuell dürfte durchaus noch eine Menge Platz sein. So richtig gefestigt hat der Markt sich noch nicht. Pebble steht ja schon seit zwei Jahren mehr oder wenig auf der Stelle. Da wird auch eine überarbeitete Software so schnell nichts dran ändern. Beim Kunden zählt glaube ich am Ende dann doch, was in der Hardware drin steckt und wie die Uhr aussieht. Die sollten sich besser heute als morgen zu einem neuen Modell äussern.

Android Wear kämpft noch mit Usability Problemen, zu kurzer Akkulaufzeit und wartet aktuell noch gespannt auf die nächste Uhrengeneration, die sich dann hoffentlich zumindest einem Teil der Probleme der aktuellen Generation annimmt.

Apple wird noch ein paar Monate brauchen, bis die Apple Watch in den Regalen steht und auch hier kann man natürlich erst mal davon ausgehen, dass alle Leute sich über die Akkulaufzeit mokieren werden. Bezüglich Hardware und Software mache ich mir da eher weniger Gedanken, wobei der Mob bei Apple-Produkten ja immer etwas genauer hinschaut und auf einmal Dinge zum Skandal hochschaukelt, die bei anderen Herstellern noch nicht mal als Randnotiz zu Kenntnis genommen werden.

Wenn man sich diesen aktuellen Stand der Dinge so anschaut merkt man, dass es durchaus noch nicht zu spät ist, in den Markt einzusteigen, erst recht nicht, wenn man auf dem Sektor Armbanduhren ein echtes Schwergewicht ist.

Schauen wir uns also die beiden Hauptaussagen an, die heute durch die Presse geistern.

  1. Die Swatch Smartwatch soll in den nächsten zwei bis drei Monaten auf dem Markt kommen.

Das wäre der naheliegende Schritt um den Apple Watch-Hype mitzunehmen. Am besten ein paar Tage vor Startdatum die Swatch Smartwatch ankündigen. Würde ich als CEO genauso machen. Hoffen wir mal, dass durch diesen Termindruck nicht das eigentliche Produkt leiden wird. Wäre nicht das erste Mal, dass ein Produkt zu früh auf dem Markt kommt, weil man noch einen bestimmten Termin mitnehmen möchte. Ein riskantes Spiel.

Hier stellt sich auch die Frage, mit welchen Partnern Swatch die Uhr entwickelt. Bin mir jetzt nämlich nicht sicher, ob Swatch entsprechendes Know How bezüglich Software-Entwicklung und Smartphone-Anbindung überhaupt im Haus hat. Um mit den Hundertschaften an Programmierern bei Apple und Google mithalten zu können muss man sich schon anstrengen. Ich glaube nicht, dass Swatch sich ein Produkt leisten möchte, dass erst beim Kunden reift. Das wäre eher der Start Up-Style und würde dem Image eines Schweizer Uhrwerks bestimmt abträglich sein.

  1. Die Uhr muss nicht aufgeladen werden

Das klingt so auf dem Papier natürlich sexy. Allerdings sollte man diese Aussage vermutlich etwas differenzierter betrachten. An eine Smartwatch, die komplett mit einem Automatikwerk betrieben wird, glaube ich nicht. Dafür ist der Stromverbraucht zu hoch. So auf Anhieb fällt mir auch nur eine Uhr ein, die digitale Komponenten mit einem Automatikwerk betreibt, die Ventura Sparc. Automatikwerke als Stromlieferant sind also zumindest immerhin möglich. Wenn Swatch auf diese Technik doch setzen sollte befürchte ich allerdings, dass die Smartwatch dann kein wirkliches Display bekommen sondern maximal mit Dioden irgendetwas anzeigen wird, ähnlich wie die nevo.

Das wäre für viele Leute, die sich für Smartwatches interessieren vermutlich eher ein Grund, einen Bogen um die Swatch zu machen, da eine Smartwatch doch auch ansatzweise wie eine Smartwatch aussehen soll. Außerdem ist das Bedürfnis, die Betreffzeile der eingehenden Nachricht direkt an der Uhr lesen zu können glaube ich sehr hoch. Ganz egal, ob man das nun braucht. Hier gilt: Haben geht vor brauchen!

Ich glaube eher an eine geteilte Lösung. Swatch wird vermutlich zwei Stromquellen verbauen. Vielleicht ähnlich wie bei der Kairos könnte ein Zeigerwerk die normale Uhrzeit anzeigen. Die Smartwatchfunktionen werden dann über ein vom Zeigerwerk losgelösten LED-Layer auf dem Ziffernblatt oder im Uhrenglas eingeblendet. So könnte man die eigentliche Uhr mit einer Batterie oder Automatikwerk betreiben und würde somit der Aussage gerecht werden, dass die Uhr nicht geladen werden muss. Der eigentliche Smartwatchteil wird dann wie üblich per Akku befeuert und muss dann wieder regelmäßig an die Steckdose.

Ja bin ich mal gespannt, ob meine Vorhersage eintreffen wird. Ein paar Monate müssen wir uns ja noch gedulden. Aber ganz egal, welche Technik Swatch verwenden wird, kann man berechtigte Hoffnung haben, dass unter dem Strich etwas dabei heraus kommt, dass wie eine Uhr aussehen wird und nicht wie die üblichen Bauklötze, in denen momentan die meisten Vertreter der Gattung Smartwatch stecken.

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