Das Modulsystem von Phonebloks, © phonebloks.com
Das Modulsystem von Phonebloks, © phonebloks.com

Der Traum eines jeden erwachsenen Jungen, der als Kind mit Lego gespielt hat und sich heute fragt, warum man am Smartphone maximal nur nen Akku umstecken kann. Gut, an Galaxy Notes kann man noch einen Stift rein stecken und insgesamt noch ein Clipcover drauf machen. Damit hat das Basterlherz aber dann auch die aktuellen SMartphones ausgereizt. Da muss man was gegen tun, hat sich der Niederländern Dave Hakkens gedacht und ein sehr cooles, aber vermutlich leider nicht umsetzbares Telefon-Konzept mit dem Namen Phonebloks erdacht. Gut, es geht ihm weniger um den männlichen Spieltrieb. Eigentlicher Anlass ist der Wunsch, ein Smartphone so mobil zu gestalten, dass jeder es sich nach seinem eigenen Anwendungsprofil (und Geldbörse)  zusammenstellen kann. Ändern sich die Anforderungen oder ist ein Teil veraltet muss man nicht gleich das ganze Smartphone austauschen sondern wechselt nur das Modul. Sehr gute Idee und schon die Umwelt. Montiert werden die einzelnen Module auf einer Trägerplatte. Eine Seite die Module, andere Seite das Display.

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Stellen wir uns zum Beispiel vor, der Benutzer braucht keine Kamera, hätte dafür aber lieber etwas mehr Akku. Ganz einfach: Kamera raus, weiterer Akku rein. Fertig. Anders Scenario: Handy fällt runter, Display kaputt. Was mach der iPhone-Kunde? Entweder viel Geld ausgeben (Ersatzteil und Reparatur) oder Chuck Norris als Hintergrundbild einsetzen. Mit den Phonebloks wechselt man selber schnell das Display aus. Schalter auf der falschen Seite weil man Linkshänder ist? Einfach umstecken. Ihr seht schon, das Konzept sieht nicht nur cool aus, sondern bietet auch ungeahnte Möglichkeiten.

Aber?

 Das Smartphone als Ganzes, © phonebloks.com
Das Smartphone als Ganzes, © phonebloks.com

Ja, wie es oft mit Konzepten so ist gibt es auch hier ein paar Haken an der Sache. Da wäre zum Beispiel das grundliegende Problem mit modularen Konzepten. Basiert das Produkt nur auf Modulen eines Herstellers ist man auf Gedeih und Verderben der Produktpolitik des Herstellers ausgeliefert. Baut er nicht die Module, die man möchte hat man Pech. Genau so gut (und sehr wahrscheinlich) kann der Hersteller an dem Konzept nach einem Jahr das Interesse verlieren und dann steckt man auch in einer Sackgasse. Modulsytseme, wie beispielsweise die Ricoh GXR Kameraserie sind auch nach mehreren Jahren eher bescheiden mit Modulen ausgestattet. Erst wenn mehrere Hersteller mit einem einheitlichen Standard arbeiten kommt eine Dynamik in Spiel, die das ganze spannend machen würde. Das hat der gute Dave natürlich auch erkannt. Aus diesem Grund ist das Konzept auch noch nicht bei Kickstarter zu finden. Einem Einzelkämpfer gibt er keine guten Chancen. Ob sich allerdings mehrere Unternehmen finden, die da mitmachen möchten? Wenn man sich anschaut, wie oft es bei der Findung von Formaten schon Probleme gab sollte man sich da keine großen Hoffnungen machen. Man denke nur an VHS/Beta/Video2000 oder Blueray/HD-DVD.

Es muss auseinander, was zusammen gehört

Das Organisatorische und Marktwirtschaftliche ist leider nur die eine Seite. Wenn man sich anschaut, wie heutzutage die Chips von Smartphones aufgebaut sein wird feststellen, dass dort fast alle Funktionen in einem oder wenige Chips integriert sind. Das Kosten-, Performance- Thermo- und Energieverbrauchsgründe. Will man das alles auseinander reißen darf man sich wohl komplett von den am Markt befindlichen System verabschieden und muss alles neu entwickeln. Das Risiko wird aber vermutlich keiner tragen wollen.

Unter dem Strich bleibt also eine tolle Idee, die aber wohl nur sehr geringe Chance auf Verwirklichung hat. Schade, denn medienwirksam ist sie allemal.

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