Modulares Bedienkonzept - Palette (Bild: kickstarter/ © Calvin Chu )
Modulares Bedienkonzept – Palette
(Bild: kickstarter/ © Calvin Chu )

Touchscreens, Mäuse und Tastaturen sind ja tolle Erfindungen. Die variabelsten Eingabekonzepte, die der Mensch bis jetzt erfolgreich an den Markt gebracht hat. Aber Variabilität geht immer auch etwas auf Kosten der Nutzerfreundlichkeit. Je universeller etwas ist umso mehr Kompromisse muss man damit bei der Anwendung auf etwas Spezielles eingehen. Wer sich das mal genauer vor Augen führen möchte braucht nur mal die Maus zu nehmen und soll versuchen, seinen Namen mit einem Malprogramm auf den Monitor zu schreiben. Geht, sieht aber eher bescheiden aus. Oder ein etwas nerdiger Ansatz: Versucht mal auf einem C64 Emulator Decathlon mit einem Gamepad zu spielen. Spätestens dann wird man feststellen, dass es zwar geht, man sich aber beim 1500 Meter-Lauf seht schnell seinen digitalen Joystick mit Microschaltern zurückwünscht. Oder versucht mit geschlossenen Augen mal einen Schiebe- oder Drehregler auf dem iPad richtig einzustellen.

Es fehlt einfach die richtige Haptik, das richtige physikalische Feedback. Jahrtausende lang haben Menschen mit Stift und Pinsel gemalt und geschrieben. Das kann man nicht eben schnell mal auf Maus umstellen. Da die Eingabemethoden am Computer aber recht eingeschränkt sind hat sich jetzt Calvin Chu auf Kickstarter seine eigenen Gedanken zu dem Thema gemacht und wirbt dort für die Finanzierung seine Palette.

Knopfbaukasten

Palette ist ein Baukastensystem aus frei zusammensteckbaren Bedienelementen. Zur Verfügung stehen Knöpfe, Drehregler und Schieberegler. Außerdem gibt es ein Power-Modul mit kleinem OLED-Display, das zum einen die anderen Knöpfe mit Strom versorgt, diese via USB an den Rechner anbindet und via OLED die aktivierte Konfiguration anzeigt.

Jede Controllereinheit hat eine LED eingebaut, mit der sie farbiges Feedback geben kann.

Die Controller sind frei zusammensteckbar. So lassen sich Konfigurationen für die unterschiedlichsten Aufgabengebiete aufbauen. Ob man sich nun sein eigenes kleine Mischpult, eine Video-Mixing-Konsole oder DJ-Turntabel-Ersatz nachbauen möchte… alles kein Problem. Jeder Knopf ist frei programmierbar. Das geht sogar so weit, dass die Controller sowohl als HID (Human interface device) als auch als Midi-Gerät angesprochen werden können. So wird auch der Musiker glücklich.

Mal paar Anwendungsszenarios:

DJ-Konfiguration (Bild: kickstarter/ © Calvin Chu )
DJ-Konfiguration
(Bild: kickstarter/ © Calvin Chu )
  • Bildbearbeiter können Pinselgrößen, Kanaltransparenzen, Zoom auf Dreh und Schieberegler oder unterschiedliche Werkzeuge auf einzelne Buttons legen
  • DJs können sich für den Auftritt eine komplette Mixing-Konsole zusammenstecken. Zuhause stecken sie um und bekommen so in 0,Nix ein vollwertiges Mischpult, mit dem sie ihre Kompositionen abmischen können
  • Der Retrogamer nimmt sich zwei Buttons und legt die Joystickbewegung „rechts“ und „links“ auf jeweils einen Button und wird sämtliche alten Decathlon-Rekorde vom C64 brechen
  • Mit Genügend Buttons kann man sogar ein komplettes Skype-Telefon-Eingabefeld aufbauen. Gut, wenn man nicht mehr so richtig sehen kann.
  • Aufbau eines eigenen Flugsimulators (wobei der eingefleischte Flugsimulator-Fan wohl eher auf originalgetreuere Controller zurückgreifen wird)

Möglichkeiten die Palette Controller einzusetzen gibt es also viele. Überall dort, wo oft klar definierte Aktionen ausgeführt werden ergibt die Anwendung Sinn.

Technisches

Konfiguration der Module (Bild: kickstarter/ © Calvin Chu )
Konfiguration der Module
(Bild: kickstarter/ © Calvin Chu )

Unterstützt werden zur Auslieferung Windows, OS-X und Linux. Vorgefertigte Konfiguratiossets soll es für die Adobe Creative Suite und Musik-Software wie Traktor oder Abelton geben. Letztendlich lässt sich aber wohl alles, was irgendwie via Tastatur zu steuern ist, auch mit der Palette abbilden.

Die Module sind hot-swappable, d.h. sie können im Betrieb umgesteckt werden. Layoutänderungen werden automatisch erkannt. Es gibt zwei Gehäuse-Varianten: die Palette Aluminum Edition und die Palette Wood Limited Edition. Letztere soll exklusiv für Kickstarter sein.

Bei Kickstarter können unterschiedliche Kits erworben werden. Wie nicht anders zu erwarten wird es teurer, je mehr Module im Kit enthalten sind. Der Spaß geht ab 99$ plus Nebenkosten los. In dem Paket sind dann jeweils ein Knopf, ein Drehregler, ein Slider und das Powermodul enthalten. Sollte die Kickstarterkampagne erfolgreich sein (was aktuell sehr danach aussieht) sind für die Zukunft noch weitere Modultypen wie Motor-Slider, Joysticks und Jog-Wheels geplant. Auch eine individuelle Auswahl der Controller wird es erst nach der Kickstarterkampage über den angekündigten Webshop geben, da Kickstarter eine so freie Konfiguration der Pledges nicht zulässt.

Kurze Wege, lange Wege

In wie weit man von den Palette Modulen profitiert hängt stark vom eigenen Anwenderprofil ab. Ich persönlich habe meinen Workflow auf möglichst kleine Wege ausgelegt. Mit meiner 22-Tastenmaus Logitech G600 brauch ich die rechte Hand gar nicht mehr von der Maus nehmen und die Linke kommt auch nur noch relativ selten zum Einsatz. Bei so einem Workflow können zusätzliche externe Buttons eventuell kontraproduktiv wirken.   Bei manchen Photoshopfunktionen wir Pinselgrößen oder Ebenentransparenzen könnte ich mir einen Slider aber vielleicht doch ganz gut vorstellen.  Arbeitet man hauptsächlich mit einem Stift auf einem Grafiktablett sind die Module glaube ich Gold wert, da hier der Wechsel zur Tastatur oft damit einhergeht, dass man die Augen vom Monitor auf die Tastatur richtet um sich dort zu orientieren. Das Kostet Zeit und stört den Arbeitsfluss. Die externen Module sind besser blind zu greifen.

Für Musiker sind die Module auch sehr spannend. Es gibt zwar Midi-Controller in Massen auf dem Markt, allerdings ist man hier immer auf eine fest vorgegebene Konfiguration festgenagelt. Oft braucht man nicht alle Bedienelemente des Kontrollers oder hätte die anders angeordnet. Da spielt Palette dann seine Stärke aus.

Ich denke, Palette ist ein feiner Ansatz und jeder, der sich tiefergreifen mit einem bestimmten, Content-erschaffenden Beruf oder Hobby am Computer beschäftigt sollte da mal einen Blick drauf werfen.

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