Chic mit Fragezeichen. Die Omate X Comapnion Watch (Bild: © Omate)
Chic mit Fragezeichen. Die Omate X Comapnion Watch (Bild: © Omate)

Ziemlich genau ein Jahr ist es jetzt her, da schickte sich Omate an das Ende der Smartwatch, wie wir sie kennen, auszurufen und mit der Omate Truesmart die „Smartwatch 2.0“ an den Start zu bringen. Eine Smartwatch sei erst dann brauchbar, wenn sie komplett stand-alone agieren könne. Companion-Watches wie die Pebble seinen ja nur im Zusammenhang mit nem Smartphone zu gebrauchen und so weiter und so fort.

Kurze Erklärung: Eine Companion-Watch ist letztendlich nur ein erweitertes Display, dass Nachrichten vom Smartphone am Handgelenk anzeigt. Ein paar weitere Funktionen gibt es zwar noch, die beschränken sich aber im Großen und Ganzen eher darauf, Apps des gekoppelten Smartphones fernzusteuern. Alles in Allem kann man die Companion-Watch also eher als Fernbedienung mit Display betrachten.

Jetzt, ein Jahr später schickt Omate nun die Omate X ins rennen. Getreu dem Motto „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“ wird nun argumentiert, dass die Smartwatch 2.0 ja nur für 10% des alltäglichen Lebens nötig sei, sprich, wenn man sich draußen in freier Wildbahn bewegt. Für die restlichen 90 % wäre ja eine Companion-Watch genau das richtige.

Hä? Ok, meine Erfahrung mit der Truesmart bestätigen das insofern, da die Companion-Funktionen, die per App von einem freien Programmierer nachgereicht wurden, die interessantesten alltagstauglichen Funktionen der Uhr sind. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass man einen direkten Mailempfang auf der Uhr nicht gut nutzen könnte sondern eher daran, dass die Akkulaufzeit bei eingeschalteten Datenverbindungen so kurz ist, dass man eher drauf verzichtet. Aber ein abschließendes Fazit über die Truesmart werde ich ein anderes Mal zum Besten geben.

Die Omate X ist also eine Companion-Watch, das heißt, sie besitzt kein eigenes WiFi und keine Sim-Card und ist auf die Informationen angewiesen, die sie via Bluetooth vom gekoppelten Smartphone bekommt. Da die X nun in einem, zumindest für meinen Geschmack ganz ansprechenden, Metall-Gehäuse mit Saphir-Glas daher kommt rufen nun diverse Gadget-Sites die X zur Pebble-Steel-Alternative aus. Sehe ich anders.

Der größte Unterschied dürfte das Display sein. Die Pebble kommt mit einem stromsparenden e-ink-Display daher. Das ist zwar nur monochrom, dafür jedoch gut ablesbar und immer an. Man kann also auch mal aus dem Augenwinkel die Uhrzeit ablesen. Die Omate X ist mit einem 240×240 Pixel LCD Display ausgestattet. Ich vermute mal, dass es das gleiche wie bei der Truesmart sein dürfte. Damit geht jedoch einher, dass die X wohl kaum allways-on sein dürfte. Damit der Akku nicht nach 4 bis 5 Stunden durch ist muss das Display also immer abgeschaltet werden. An der Stelle wäre ich mittlerweile schon mal raus.

Es ist echt nervig, immer einen Knopf drücken zu müssen, um die Uhrzeit ablesen zu können.

Ob das Anschalten per Geste mit Nucleus OS bessser funtioniert als bei der Truesmart? Hoffen wir mal. (Bild: © Omate)
Ob das Anschalten per Geste mit Nucleus OS bessser funtioniert als bei der Truesmart? Hoffen wir mal. (Bild: © Omate)

Ja, jetzt kommt die Geschichte mit der Anschalt-Geste. Einmal den Arm heben und schon springt das Display an. Wenn es mal so wäre. Bei der Truesmart wurde das ja gerne mal versprochen. Leider hat Omate selber es nicht für nötig gehalten, dies dort zu implementieren. Die Apps von externen Programmierern funktionieren leider nur bedingt gut. Am besten war noch die Awesome On/Off-App, die einigermaßen brauchbare Ergebnisse liefert. Leider vergisst man dabei, dass man dafür den Arm entweder in eine bestimmte Position heben muss, was zuweilen auch etwas nervig sein kann, oder dass man die Empfindlichkeit so runter regeln muss, dass das Teil andauernd angeht. Vom erhöhten Batterieverbrauch mal abgesehen empfinde ich es interessanter Weise doch störender als angenommen, wenn man im Augenwinkel die angeschaltete Uhr wahrnimmt. Im Hinterkopf hat man ja doch irgendwie immer die Akkulaufzeit.

Nun kommt die Omate X nicht mit Android sondern setzt auf das Nucleus OS von Mentor Graphics. Die bieten wohl auch komplette Softwarelösungen an. Hoffen wir mal, dass Omate hier nicht an der falschen Stelle spart und die X softwareseitig durch Mentor Graphics besser als die Truesmart ausgestattet ist.

Hier sehen wir die X mit den Watchfaces der Truesmart. (Bild: © Omate)
Hier sehen wir die X mit den Watchfaces der Truesmart. (Bild: © Omate)

Das Nucleus OS dürfte dann auch gleich die größte Unbekannte im Spiel sein. Läuft es sauber, stabil und sicher? Wie groß ist der Feature-Umfang? Wie sieht es mit Updates aus? Können freie Entwickler Apps dafür entwickeln und werden sie dies auch tun? Leider hat da Omate sich in der Kommunikation mit den Freien ja wohl nicht mit Ruhm bekleckert. Zumindest kann man den Eindruck bekommen, wenn man mal die ganzen Threads bei xda-developers quer liest. Immerhin sollen endlich IOS-Nutzer auf ihre Kosten kommen.

Bei der Hardware kann man ja schon in etwa erahnen was einen erwartet. Die Verarbeitungsqualität wird ähnlich der Truesmart sein. Ich konnte da bei meiner nicht klagen. Super Finish, soweit ich beurteilen kann wasserdicht, Knöpfe mit gutem Druckpunkt. Schaut man mal in die Foren oder die Kommentare bei Kickstarter scheint jedoch nicht jeder das Glück gehabt zu haben, mit einem guten Exemplar gesegnet zu sein. Die Produktionsschwankungen scheinen also nicht gering zu sein. Das könnte auch bei der X ein bisschen Glücksspiel bedeuten.

Die Gestaltung der X gefällt mir zumindest erheblich besser als die der Pebble Steel. Zumindest auf den Renderings. Ist zwar noch keine Punktlandung aber schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Vermutlich wird aber die Ernüchterung spätestens beim Anschalten kommen. Auf den Renderings sieht das Display hochkant rechteckig aus. Durchaus stylisch. Das Display an sich, das unter dem Glas sitzt, ist jedoch quadratisch, d.h. dass die Abstände zu den Seiten geringer sind als nach oben und unten. Das kriege ich mit meinem Gefühl für Proportionen irgendwie nichtzusammen.

Immerhin ist die X etwas flacher als die Truesmart. Liegt vermutlich daran, dass erheblich weniger verbaut werden muss. Keine Kamera, kein Sim und SD-Card-Slot, erheblich weniger Speicher (128mb/32mb statt 1/8 GB) , keine WiFi- und GPS Antennen… hoffen wir mal, dass dadurch dann auch das Problem mit der Wasserdichtigkeit gelöst wird. Gibt ja keinen ersichtlichen Grund, warum man das Ding noch aufschrauben können muss.

In dieser Darstellung sieht man, dass das eigentliche Display quadratisch, das Glas aber echteckig ist. (Bild: © Omate)
In dieser Darstellung sieht man, dass das eigentliche Display quadratisch, das Glas aber echteckig ist. (Bild: © Omate)

Der angekündigte Preis macht die Geschichte wieder ansatzweise Interessant. Die ersten 1000 Vorbesteller sollen die X für 99 $ ordern können. Würde mich jetzt aber nicht wundern, wenn da wieder bei dem einen oder anderen Extragebühren wegen fehlender Rechnungen bei der Einfuhr hinzukommen. Auch so ein Punkt, über den diverse Leute sich beschwert haben. Bei mir ging es glücklicherweise ohne Extragebühren. Musste dem Zoll nur noch mal nen Screenshot der Kickstarter-Geschichte schicken.

Wer das Abenteuer liebt kann sich die Omate X also gerne mal anschauen. Eine Alternative zur Pebble dürfte sie auf Grund des Displays jedoch nicht sein. Auch solche Punkte wie Service und Garantie dürften bei der Pebble erheblich besser abgedeckt sein. Immerhin kann man die ja mittlerweile schon bei Amazon.de ordern und somit deutsche Kundenrechte genießen. Den Nutzerkommentaren der Omate-Kickstarterkampagne zu urteilen liegt da bei Omate ja noch so einiges im Argen.

You might also enjoy: