Diese Gitarre hat schon Spinnennetze angezogen. Die Spider LP von ODD Guitars (Bild: © Olaf Diegel)
Diese Gitarre hat schon Spinnennetze angezogen. Die Spider LP von ODD Guitars
(Bild: © Olaf Diegel)

Jawohl, endlich hat mal jemand den eigentlichen Sinn von 3D-Drucker begriffen. Heavy Metal aus Plastik. Oder wie Bootsy Collins bereits 1988 titulierte: This is a party on plastic. Abgefahrene Gitarren-Design waren ja schon seit eh her eine Domäne extrovertierter Gniedel-Künstler auf der Bühne. Was früher in mühsamer Handarbeit von einem blinden, 100 Jährigen Gitarrenbauer mit den Füßen unter Wasser aus dem Holz gekratzt wurde übernimmt heute der 3D-Drucker und ermöglich so nebenbei auch noch eine Fülle an Details, die bis dato unbezahlbar gewesen wäre.

Die neuseeländische Firma ODD Guitars hat sich ein System ausgedacht, wie der Gitarren-Korpus nahezu komplett aus dem 3D-Drucker geprinted werden kann. Von Spinnennetzkorpus mit Spinnen im Inneren bis hin zum Steam Punk-Modell ist alles möglich.

Die Preise der Schmuckstücke sind zwar auch nicht ganz ohne, aber für das eigene Ego ist man ja oft bereit, eine Hand voll paar Dollar mehr auf den Tisch zu legen. Die Spider LP kommt zum Beispiel auf 3500 US $ plus Versand und Nebenkosten.

Der Aufbau der Gitarre. (Bild: © Olaf Diegel)
Der Aufbau der Gitarre. (Bild: © Olaf Diegel)

Die erste Frage, die sich beim Anblick der filigranen Teile stellt dürfte sein: Wie hält das Teil den Zug der Saiten aus? Die Antwort ist relativ simpel. Die Gitarre wir auf einem Block Mahagoni oder Ahron-Holz aufgebaut. Hier sitzen die Pickups und der Steg drin. An dem Block wird der Hals geschraubt.  Klassische Gitarrentechnik. Das was wir jetzt haben ähnelt entfernt den guten alten Steinberger-Zahnbürsten aus den 80ern, bloß mit Kopfplatte und ohne Graphit. Um den Korpusblock wir dann der 3D-Druck gesetzt. Wie das bei der Herstellung aussieht kann man sich hier ganz gut anschauen.

Die zweite Frage dürfte dem ambitionierten Gitarristen auch gleich auf der Zunge liegen: Wie klingt den das? Antwort: Ist doch egal. Ich vermute mal, ohne selber eine Odd gespielt zu haben, dass der Klang auf

Der frisch gedruckte Korpus wird von dem nicht verfestigten Pulvermaerial befreit. (Bild: © Olaf Diegel)
Der frisch gedruckte Korpus wird von dem nicht verfestigten Pulvermaerial befreit. (Bild: © Olaf Diegel)

Grund des kleinen Holzkorpus jetzt nicht in die Hall of Fame des Gitarrenklanges eingehen wird. Andererseits habe ja auch schon andere Gitarrenbauer mit relativ wenig Material es geschafft, brauchbare Instrumente auf die Beine zu stellen. Die eben erwähnte Steinberg zum Beispiel. Die Parker Fly Deluxe hat glaube ich auch nicht viel mehr Holz drin. Wenn man sich die Videos auf der Herstellerseite so anschaut machen die Teile doch eingenltlich nen ganz coolen Eindruck. An der Elektrik wird es aber vermutlich nicht scheitern, da hier, wie beim Preis schon zu vermuten, keine No-Name-Ware verbaut wird.

Und selbst wenn das Teil nicht den Mörder-Sound liefert dürfte das bei den meisten Bands auf der Bühne relativ egal sein. Die Konzerte, bei denen der Sound so gut war, dass der Klang einer Gitarre wirklich bis auf Mü differenziert wahrnehmbar blieb, kann ich an einer Hand abzählen… wenn überhaupt. Es sind halt Gitarren, die optisch etwas her machen. Quasi die Lady Gagas der Zupfseiteninstrument. Halten wir es einfach wie Spinal Tap: Nicht Sound sondern Lautstärke ist Macht.

Im Studio wird man vermutlich auf andere Klampfen setzen. Wer das Geld für so eine Gitarre ausgeben kann wird aber vermutlich eh schon ein Dutzend anderer Exemplare zuhause rumstehen haben. Und wenn man sich die ODD-Gitarren so anschaut sieht man sofort: Nur für die Wohnzimmerwand sind sie zu Schade. Die gehören eindeutig auf die Bühne, wenn nicht sogar auf das Plattencover. Einzig das doch sehr konservative Design der Kopfplatte mag mich nicht so gefallen. Es fällt quasi gegen den auffälligen Rest ab.  Hier könnte sich Olaf Diegel, der Gründer von ODD Guitars vielleicht noch mal ein paar weiterführende Gedanken machen.

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