Die Leikr Sportswatch
Die Leikr Sportswatch

HINWEIS: Das Review Teil 1 bezieht sich auf das Software Release 1.7.13 von Anfang Oktober, 2013. Da Leikr fleissig an den Funktionalitäten arbeitet können diese sich natürlich mittlerweile geändert und sich eventuelle Kritikpunkte erübrigt haben.

Als Anfang des Jahres ein paar ehemalige Nokia-Ingenieure mit der Leikr auf Kickstarter mal eine ganz andere Sportuhr vorgestellt haben war die Aufmerksamkeit doch recht groß. Ein riesiges 2“ Farbdisplay, 8GB Speicher, super schneller GPS-Connect, wasserdicht, leicht mit Open Streetmap, Wlan und Bluetooth 4.0 an Bord. Ein sehr gewichtiges Feature-Paket, geschnürt in einer sehr schön designten nur 55g leichten Hülle. Und das zu einem Preis, der doch deutlich unter den Topmodellen von Garmin, Suunto und Co. liegt (zumindest während der Kickstarter-Kampagne).  Schauen wir uns mal an, was daraus geworden ist.

Open Streetview auf der Leikr... in Farbe.
Open Streetview auf der Leikr… in Farbe.

Gut Ding will Weile haben

Im Juni wollte man ausliefern. Mittlerweile ist Anfang Oktober schon durch und mein Exemplar ist endlich per Post aus Dänemark eingetrudelt. Wie bei einem Kickstarterprojekt fast eigentlich schon üblich konnte das ambitionierte Auslieferungs-Ziel nicht ganz eingehalten werden. Vier Monate sind im Vergleich zu anderen Projekten aber glaube ich noch zu verkraften, zumal die Kommunikation ob der Verzögerungen brauchbar war und Kunden die Möglichkeit bekamen, vorab ihre Uhr zu bekommen; dann allerdings als Betatester. Habe ich aber nicht gemacht in der Hoffnung, dass der Produktionsprozess in der Zeit optimiert wird und die Qualität der späteren Uhren noch etwas besser ist. Außerdem stand die in Aussicht gestellte Wasserdichtigkeit noch im Raum. Wurden die Beta-Uhren mit IPX-6 ausgeliefert hatte ich noch gehofft, dass die finalen Modelle IPX-8 schaffen, was für eine Nutzung beim Schwimmen unerlässlich ist. Leider hat Leikr das nicht mehr geschafft. Fairer Weise muss man aber auch sagen, dass sie jedem angeboten haben, der auf IPX-8 nicht verzichten kann, vom Kauf zurückzutreten. Hut ab.

Die Hardwareentwicklung ist nun also durch. Bleibt die Software übrig. Bei einer solchen Uhr mindestens genauso wichtig wie alles, was man anfassen kann. Wie viel Arbeit vom Leikr-Team schon geleistet wurde und was noch alles auf dem Zettel stehen sollte schauen wir uns jetzt neben einer genaueren Betrachtung der Leikr Sportswatch an.

Bauhaus am Handgelenk

Die Leikr kommt aus Dänemark. Dänen sind im Punkte Design kein unbeschriebenes Blatt und stets ein Garant für schöne Dinge. Das spiegelt sich auch in der Leikr wieder. Allein  die die Verpackung ist schon gelungen.

Das Gehäuse der Uhr ist sehr auf klare Linien bedacht. Rechteckig, weiß, mit vier Knöpfen, jeweils an jeder Ecke einen. Das große Display (fast schon Bauhaus für das Handgelenk) macht die Uhr allerdings sehr breit. Dadurch spürt man die Uhr etwas mehr auf dem Handrücken. Mich persönlich stört es nicht, ich kann mir aber vorstellen, dass es den einen oder anderen gibt, der das als nervig empfindet. Anders sieht es bei der Höhe aus. Die Leikr ist eine sehr flache Uhr. Geschätzt die Hälfte meiner alten Garmin Forerunner 305. Sogar meine normale Uhr, eine Citizen Promaster baut höher auf. Auch das Gewicht ist sehr niedrig. Sehr gut bei einer Sportuhr.

Direkter Vergleich: Leikr (oben) gegen Garmin Forerunner 305 (unten)
Direkter Vergleich: Leikr (oben) gegen Garmin Forerunner 305 (unten)

Gesteuert wird die Uhr über vier Buttons. Diese sind gummiert, damit dort kein Wasser eindringen kann. Sie haben dadurch einen recht festen Druckpunkt. Im Eifer des Gefechts kann es dann schon passieren, dass man auf der dem Knopf gegenüber liegenden Seite Gegenhalt mit dem Daumen sucht und somit gleich zwei Knöpfe drück. Das ist bei den beiden oberen Knöpfen besonders ärgerlich, da die Uhr sich ausschaltet, wenn man diese gleichzeitig drückt. Hier sollte die Software mit  einer Sicherheitsabfrage erweitert werden, da die Aufzeichnung nach dem Ausschalten natürlich beendet ist.

Gehalten wird die Uhr durch ein sehr breites Gummi-Armband. Damit man nicht zu sehr schwitzt ist es mit breiten Schlitzen versehen, die auch gleich dem Schließdorn als Halt dienen. Damit bei geschlossenem Armband das Armbandende nicht absteht gibt es noch eine Schlaufe, in die man den Armbandrest einfädeln kann. Das Gummi fühlt sich angenehm auf der Haut an. Die Breite ist Geschmackssache. Auf Grund der Dicke und des Materials und der Breite des Armbands ist das Schließen des Armbands, zumindest bei der neuen Uhr, etwas hakelig. Vielleicht gibt sich das mit der Zeit etwas. Das ist zu hoffen, denn ich kann mir vorstellen, dass wenn man nach dem Schwimmen bei einem Triathlon mit nassen, kalten Händen versucht, die Uhr anzulegen es durchaus ein paar wertvolle Sekunden kosten könnte.

Über die Verarbeitung des Gehäuses kann man nicht meckern. Keine Überreste von Kleber, nicht wackelt. Das Kunststoffgehäuse könnte etwas wertiger wirken. Das wird auch dadurch noch unterstützt, dass das Displayglas etwas vertieft sitzt und sich somit ein kleiner Rand um das Glas erhebt. Ein etwas dickeres oder höher liegendes Glas würde einen besseren Eindruck machen. Aber so kann man immerhin eine Displayschutzfolie anbringen ohne Gefahr einzugehen, diese ungewollt wieder abzuziehen.

Eingestöpselt

Die Leikr im Cradle. Leider etwas zu leicht um die Leikr zu halten
Die Leikr im Cradle. Leider etwas zu leicht um die Leikr zu halten

Sportuhren brauchen Strom. Diesen holt sich die Leikr über einen kleinen USB-Cradle, in die die Uhr gesteckt wird. Der Cradle ist sehr passgenau, die Uhr steck gut in ihm drin. Leider ist er auch sehr leicht, so dass bei Teile zusammengesteckt eher durch die Uhr und nicht durch den Cradle gehalten werden. Vielleicht kann man ja etwas Blei-Band drunter kleben oder mit Klettband arbeiten, wenn einen stört. Schaun mer mal. Der Cradle wird mit einem handelsüblichen USB-Kabel (Micro auf normal) an einen Rechner oder an ein USB-Netzteil angeschlossen. Lustiger Weise ist beim mitgelieferten USB-Kabel das Firmenlogo auf der Seite des großen USB-Steckers auf der falschen Seite, also unten gelandet. Kann passieren.  Ein Anschluss an den Rechner ist übrigens nur bei der Inbetriebnahme einmal notwendig um der Uhr das heimische Wlan bekannt zu machen. Dazu später etwas mehr.

Nach der Freude über das Auspacken ist dann erst mal etwas Formulararbeit notwendig. Das kann aber einen Deutschen ja nicht schrecken. Wieso? Eine der Stärken der Uhr  ist die Möglichkeit, direkt via Wlan sowohl mit Leikr als auch mit Endomondo zu kommunizieren. Die Zeiten, wo man die Uhr erst an einen Rechner stöpseln musste um das letzte Workout hoch zu laden sind also vorbei. Außerdem lassen sich die Einstellungen der Uhr über die Leikr-Website vornehmen. Kein fummeliges Geklicke durch Menues auf dem kleinen Display einer Uhr mehr. Damit das funktioniert muss man auf der Leikr-Website erst mal einen Account anlegen. Danach muss die Uhr dort registriert werden. Hierfür gibt man die ID der Uhr auf der Leikr-Site ein. Um die Uhr ins heimische Wlan zu bringen muss man außerdem seine Wlan-Kennung sowie sein Wlan-Passwort! dort eintragen. Das an sich ist eigentlich ein absolutes No-Go. Was auch immer die Leikr-Jungs dazu getrieben hat, sich so etwas auszudenken ist mir ein absolutes Rätzel, zumal man im dann runterzuladenden Config-File, dass dann auf die Uhr per Dateibrowser kopiert werden muss ,eigentlich das Passwort problemlos selbst eintragen könnte; wenn es nicht verschlüsselt in der Config landen würde.

Wer also ein Problem damit hat, Leikr sein Wlan-Passwort mitzuteilen sollte vom Kauf der Uhr absehen oder hoffen, dass die Jungs sich in absehbarer Zeit eines besseren besinnen. Unverständiges Kopfschütteln. Da überrascht es schon fast nicht mehr, dass man auch die Endomondo-Zugangsdaten inkl. Passwort auf der Leikr-Site eintragen muss. Eine Möglichkeit, das direkt in die Uhr einzutragen gibt es nicht. Hoffen wir, dass nie jemand in die Datenbanken von Leikr einbricht. Auch wenn Leikr selber keine Adressen abfragt, sollte mit den Endomondo-Zugangsdaten und den ganzen dort gespeicherten GPS-Dateien  es ein leichtes sein, den Wohnort des Besitzers herauszufinden.

Die Leikr von hinten
Die Leikr von hinten

Online

Genug gemeckert, weiter geht’s. Ist die Config erstellt, auf den Rechner runter- und auf die Uhr hochgeladen gilt es, die beiden linken Tasten der Uhr gleichzeitig zu drücken. Das Startet die Synchronisation der Uhr. Findet sie ein Config-File wird das Wlan der Uhr bekannt gemacht. Ab jetzt kann die Uhr über das Wlan Daten empfangen und senden. Das Tastenkommando wird jedes Mal, wenn die Uhr synchonisiert werden soll, benötig. Da sich die Uhr bei jedem Sync-Vorgang die Einstellungen von der Leikr-Seite holt und somit händisch gemachte Einstellungen überbügelt, sollte man zusehen, seine Einstellungen immer bei Leikr vorzunehmen.

Firmwareupdates holt sich die Uhr auch über Wlan. Bei jedem Sync  wird ermittelt, ob ein neues Update bereit steht und dann installiert. Vorteil: Man ist immer auf dem aktuellsten Stand. Nachteil: Man kann kein Update überspringen oder aussetzen wenn man nicht auf den Workout-Upload bei Endomondo verzichten will.

Ein weiteres Key-Feature der Uhr ist die Darstellung der aktuellen Position auf Open Streetmap-Karten. Diese müssen allerdings initial erst mal auf die Uhr runter geladen werden (wenn man nicht zufällig in Kopenhagen wohnt). Die Auswahl der gewünschten Karten passiert wieder über die Leikr-Seite. Für Deutschland kann man jedes Bundesland einzeln auswählen, was auf Grund der Kartengröße auch ratsam ist.  Der Download der Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachen war mehrere GB groß und dauerte mehrere Stunden. Wenn es zwischendurch mal stockt nicht zu schnell aufgeben. Meist ging der Ladebalken nach ein paar Minuten weiter. Sind die gewünschten Karten runter geladen ist die Uhr endlich einsatzbereit.

Wir haben doch keine Zeit

Die Uhr als Uhr betreiben kann man zur Zeit übrigens nicht. Die Zeit wird erst dann angezeigt, wenn die Uhr einen GPS-Fix hat, und das auch nur klein am unteren Rand des Displays. Ich vermute, dass die Uhr sich die Zeit vom Satelliten holt. Sehr schade eigentlich. Als All-Day-Uhr würde sie so einiges her machen. Hoffen wir mal, dass die Programmierer einen Uhrenmodus mit einem vernünftigen Uhrenskin nachliefern. Am besten so, dass im Uhrenmodus GPS und Wlan deaktiviert ist, damit der Akku auch einen Tag durch hält. Schon erstaunlich, dass da bei Leikr noch keiner dran gedacht hat. Das sollte doch eigentlich relativ schnell umgesetzt sein.

Übrigens scheint die kleine Uhr, die nach dem GPS-Fix angezeigt wird noch keine Sommerzeit zu kenn. Bei Zeitzone +1 gmt liegt sie momentan immer eine Stunde zu früh. Ein weiteres 2do für Leikr.

Vergleich: Garmin Forerunner 305, Leikr Sportswatch, Citizen Promaster
Vergleich: Garmin Forerunner 305, Leikr Sportswatch, Citizen Promaster

Fehlstart

Am Ende des ersten Teils des Leik-Reviews möchte ich auch noch von meinen persönlichen Starterlebnis mit der Uhr berichten. Was geschah: Paket angekommen, ausgepackt, Uhr angeschaltet und kurz durch die Menues geklickt. Aus Zeitmangel relativ schnell wieder ausgemacht. Am nächsten Tag wieder angeschaltet und… nix. Die Leikr hatte sich im Bootvorgang aufgehängt und weigerte sich strikt, auf irgendetwas zu reagieren. Super. Nicht mal ausschalten konnte ich sie. Glücklicher Weise wusste der Leikr-Service schnell Abhilfe. Hat man mit der Leikr Probleme und nichts geht mehr (Freeze) kann man als letzten Ausweg alle vier Knöpfe gleichzeitig drücken, bis das Gerät vibriert. Dann sofort loslassen. Jetzt startet das Teil in einen besonderen Modus in dem man reboot oder recovery anklicken kann. Mit einem Recovery bekommt man die Uhr dann wieder zum laufen. Dadurch wird allerdings die ganze Uhr platt gemacht. Man muss alle Einstellungen wieder neu vornehmen und vermutlich sind auch alle Workouts dann von der Uhr runter. Aber da ich die Uhr ja noch nicht in Benutzung hatte war das kein Problem. Danach lief die Uhr wieder ganz normal und bis jetzt hatte damit keine Probleme mehr. Ich vermute, dass der Absturz an der veralteten Firmware lag.

Wir sehen also, dass die Leikr auf der Hardwareseite schon mal sehr lecker ist.  Was die Software und Einrichtung der Uhr angeht bin ich noch nicht so glücklich. Hier hat Leikr noch eine Menge zu tun.

Wie sich die Uhr in ihrem eigentlichen Metier schlägt betrachte im 2 Teil des Leikr-Reviews.

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