Google Cardboard - eine VR-Brille aus Pappe (Bild: © google)
Google Cardboard – eine VR-Brille aus Pappe (Bild: © google)

Ein schönes kleines Nebenprodukt der Google I/O geistert mit der Google Cardboad durch das Netz. VR-Brillen sind ja gerade en vogue, Oculus Rift und Sony Morpheus sei dank. Und da Google-Mitarbeiter 20% ihrer Arbeitszeit, also etwa einen Tag pro Woche, für eigene Ideen verwenden dürfen, so sie denn etwas für Google abwerfen könnten, sind wohl ein paar von denen auf die Idee gekommen, eine VR-Brille mit dem Smartphone zu realisieren.

Kommt euch irgendwie bekannt vor? Ja, so innovativ ist die Idee an sich nicht. Auf die Idee ist ja schon vor geraumer Zeit Stefan Welker mit seiner Durovis Dive gekommen. Die vrAse darf hier auch gerne erwähnt werden. Von den Unmengen an selbst gebauten Varianten des Themas mal ganz zu schweigen. So ziemlich jedes Material, von Papier bis hin zu Lego dürfte dafür schon hergehalten haben.

Der gute, alte Viewmaster (Bild: wikipedia/ Handige Harrie)
Der gute, alte Viewmaster (Bild: wikipedia/ Handige Harrie)

Das ist unter dem Strich aber auch ganz gut so, denn das Google Cardboard-Konzept hat ein paar kleine Nachteile. Der größte Nachteil dürfte das Fehlen eines Gurtes sein, mit dem man das Teil um den Kopf schnallen kann. So ist es eigentlich keine richtige VR-Brille sondern erinnert eher an die guten, alten View-MasterStereo-Bildbetrachter.

Die Hände müssen also immer an der Brille bleiben. Damit man dann auch noch irgendetwas in einer App klicken kann wurde an der Seite ein Neodym-Magnet eingelassen. Wird der bewegt soll der Magnetsensor des Telefons (so es einen hat) das erfassen können. Das ist momentan aber noch nicht in den zu ladenden Demos umgesetzt. Da halte ich von Bluetooth-Gamecontrollern doch etwas mehr.

Mich würde auch interessieren, wie man den Abstand der Linsen zum Auge justieren kann. Das sieht mir nicht sehr variabel aus. Aber letztendlich ist das auch nur eine akademische Diskussion, da man vermutlich eh nicht an ein Cardboard herankommen wird. Wer sich mit dem Thema beschäftigen möchte ist bei Dive und vrAse wohl besser aufgehoben. Wenn es ganz billig sein soll bietet Google aber doch noch etwas an, was einen voran bringt. Man kann sich nämlich die Bauvorlage herunter laden und dann selber zu Schere und Kleber greifen. Lediglich die Linsen muss man sich dann selber organisieren. Hierfür kann man gerne erst mal versuchen, alte Kinder-Ferngläser zu demontieren.

Wie ein Unzugkarton - das läßt sich auch leicht nachbauen (Bild: © google)
Wie ein Unzugkarton – das läßt sich auch leicht nachbauen (Bild: © google)

Der eigentliche Vorteil von Cardboard ist aber ein ganz anderer. Auch wenn es bessere Kandidaten auf dem Markt gibt muss man bedenken, dass wenn Google sich dem Thema annimmt, dort ein ganz anderer Drive in die Sache kommt. Dadurch wird das Thema für viele Entwickler, die vielleicht noch nichts von Dive und Co. gehört haben, auf einmal spannend. Das schöne ist ja, dass alle VR-Brillen-Hersteller von mehr Content profitieren. Die Brillen sind ja komplett stromlose Hardware, d.h. dass die Software unabhängig vom Hersteller auf jeder VR-Brille für Smartphones laufen dürfte. Natürlich vorausgesetzt, dass das Smartphone in die Brille passt.

Insofern ist es natürlich sehr cool, dass Google ein eigenes VR-Toolkit auf den Markt geworfen hat. Mit etwas Glück wird der Markt der VR-Apps für Android damit noch ein gutes Stück mehr an Fahrt aufnehmen. Die Cardboard-Demo-App ansich kann ich momentan jedoch leider nicht beurteilen. Nach dem Intro schmiert sie auf meinem Note 2 leider ab.

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