Nicht einzig, dafür artig - der Good e-Reader (Bild: indiegogo/ © Michael Kozlowski )
Nicht einzig, dafür artig – der Good e-Reader (Bild: indiegogo/ © Michael Kozlowski )

E-Book-Reader sind zwar mittlerweile nicht mehr ganz so der Renner, haben meines Erachtens aber trotzdem noch diverse Vorteile normalen Tablets gegenüber. Dass die Hersteller sich nur so schwer von der 6“-Displaygröße trennen wollen finde ich jedoch problematisch. Da ein E-Bookreader ja primär zum lesen von Büchern gedacht ist, sollte man doch eigentlich bestrebt sein, auch den Inhalt einer klassischen Buchseite auf einmal anzeigen zu können. Da reichen 6“ zumindest auf unserem Buch-Markt nicht aus. Mehr Diagonale bietet jetzt Good e-Reader mit seinem 13.3“ Android E-Reader bei indiegogo an.

13.3“ ist nun ein ganzes Stück mehr als ein normales Taschenbuch. Um das Mehr an Fläche zu rechtfertigen müssen nun natürlich weitere Einsatzszenarien her. Damit der Reader nicht nur zum Comic lesen genutzt wird, wurde ihm auch noch ein mit Wacom-Technik ausgestattet Display spediert, dass mit einem Stift bemalt werden kann. Ob die 1024 Druckstufen bei einem Display, dass lediglich 16 Graustufen anzeigen kann ihre Stärken ausspielen können ist allerdings eine gute Frage.

Generell kommt einem die Technik des Good e-Reader irgendwie bekannt vor. Optisch gleicht er dem einzigen Konkurrenten, der mit der gleichen Displaygröße daher kommt, dem Sony DPT-S1. Beide arbeiten mit einem 13.3 Display, das mit einem Mobius E-Ink-Panel arbeitet und 1600×1200 Pixel auflöst. Das sind dann unter dem Strich gerade mal etwa 150 dpi, die sich auf das Display verteilen. Generell sollte das für ein ganz gutes Schriftbild reichen, kann aber mit den aktuellen Modellen z.B. von Amazon nicht mithalten.

Akku und Speicherausstattung sind auch identisch. Man könnte also glatt denken, dass es sich hier um einen Sony-Reader mit anderer Software handelt. Scheint aber nicht ganz so zu sein, da eine andere CPU verwendet wird. Der Sony DPT-S1 arbeitet mit einem ARM Cortex A8 1GHZ Single Core Prozessor, der Good e-Reader ARM Cortex-A9 Prozessor, der ebenfalls nur einen Kern besitzt und 1 GHZ hat. Die Basis des Good e-Readers scheint mir ein Reader von Netronix zu sein. Es handelt sich also keineswegs um eine exklusive Eigenentwicklung.

Hier einfach mal ein Video vom Netronix Reader. Verleicht am besten selbst:

Dass man bei Good e-Reader auf ein bereits fertiges Gerät setzt muss jetzt aber keineswegs ein Nachteil sein. So bleiben dem geneigten Unterstützer vermutlich die üblichen Unbill einer Produktentwicklung mit ihren ganzen Prototypen, Korrekturrunden, Spritzgussform-Erstellungen und dergleichen erspart.

Kommen wir neben der Displaygröße nun zum zweiten großen Verkaufsargument. Der Reader soll mit einem normalen Android ausgestattet sein. Man kann also auf Unmengen von Apps zurückgreifen. Klingt gut, oder? Was hier jedoch gerne übersehen wird ist der Umstand, dass die meisten Android-Apps auf einem e-Book kein Spaß machen. Habe selbst einen Sony PRS-T1 gerooted und mit einem normalen Android-Launcher versehen. Es ist zwar ganz nett, damit rumzuspielen. Das träge Display sorgt aber schnell dafür, dass man dann doch schnell die Lust dran verliert. Spotify lässt sich ja auch schnell nebenbei auf dem Smartphone starten.

Auch die meisten Android-Apps zum Anzeigen von Dokumenten sind oft mit überflüssigen Animationen überladen, die einem den Betrieb auf einem e-Book-Reader verleiden. Macht eine Umblätter-Animation auf einem Smartphone oder Tablet auch noch so einen schicken Eindruck, auf einem e-Reader kostet das nur unnötig Zeit und stört durch das andauernde Flackern des Seiten-Refreshs.

Ein ansatzweise offenes System ist natürlich eine feine Sache. Ich frage mich nur, warum man ausgerechnet auf ein uraltes Android 4 setzt. Das ist immerhin schon 4 Jahre alt. Darauf zu hoffen, dass die Community den Reader von sich aus ein aktuelles Android maßschneidern wird, ist schon etwas frech. Da machen es sich die Initiatoren doch sehr einfach.

Ein Größenvergleich. Braucht man wirklich so viel Fläche und ist das noch brauchbar zu halten? (Bild: indiegogo/ © Michael Kozlowski )
Ein Größenvergleich. Braucht man wirklich so viel Fläche und ist das noch brauchbar zu halten? (Bild: indiegogo/ © Michael Kozlowski )

Über die Displaygröße lässt sich übrigens auch diskutieren. Mir persönlich würde bei der Displaygröße wie oben schon erwähnt lediglich das Lesen von Comics einfallen. Ich will jetzt nicht schwarzmalen, aber bei 16 Graustufen ist das vermutlich etwas monoton. Wenn man auf dem Reader zwei Buchseiten nebeneinander legen könnte wäre es fein. Das wäre noch fein. Hochkant sind Geräte dieser Größe jedoch auf Grund der Hebelkräfte doch recht unbequem zu halten. 10“ würden mir ausreichen.

Bei einem Preis von 699$ ist der Good e-Reader zwar noch etwa 100 $ billiger als das Sony-Teil, trotzdem ist es kein Schnäppchen. Immerhin scheint mir das Risiko einer finanziellen Bauchlandung ansatzweise überschaubar zu sein, da hier ja letztendlich nur eine bestimmte Stückzahl bei einem Hersteller geordert wird. Ob die Software was taugen wird muss sich zeigen. Für meinen Geschmack ist der Spaß jedoch zu teuer. Da bekommt man ja schon fast ein iPad Pro, dass in den Punkten Vielfältigkeit und Leistung Meilen Vorsprung haben sollte. Auch wenn man auf eine e-Ink-Display dann verzichten müsste.

Tldr;

Der 699$ teuere 13.3″ eBook-Reader von Good e-Reader will mit einem offenen Android punkten, setzt jedoch auf die uralte Version 4.0.4. DIe Hardware ist nicht selbst entwickelt sonder wird von Netronix eingekauft.

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