Feature-Monster Garmin FR920XT (Bild: © Garmin Ltd.)
Feature-Monster Garmin FR920XT (Bild: © Garmin Ltd.)

Da hat Garmin ja was angekündigt. Die neue Garmin FR920XT Triathlon Watch dürfte durchaus dazu geeignet sein, schwimmenden Läufern auf dem Fahrrad das Wasser vor Freude in die Augen zu treiben. Die eierlegende Wollmilchsau, quasi.

Jetzt vom sportlichen Aspekt aber mal etwas abgesehen finde ich die FR920XT aber noch aus einem anderen Grund sehr interessant. So wie es aussieht scheint sie die erste Uhr zu sein, die Smartwatch-Fähigkeiten, alle notwendigen (und nicht notwendigen) Sporttracking-Funktionen besitzt und dabei noch eine Akkulaufzeit an den Tag legt, dass sie als Alltagsuhr durchgehen kann.

30 Tage Laufzeit im Watch-only Modus sind echt eine Marke, an denen sich die aktuellen Kandidaten auf dem Markt erst mal messen lassen müssen. Da kann dann selbst eine Pebble nicht mithalten.

Hoffen wir mal, dass Garmin die Bluetooth-Implementierung so umgesetzt hat, dass der Akku nicht bei eingeschalteter Smartwatch-Funktionalität, sprich Nachrichtenübermittlung vom gekoppelten Smartphone, so schnell die Viere von sich streckt wie bei der Fenix 2. Wenn dem so sein sollte könnte die FR920XT die erste Uhr sein, die alles auf einmal bietet, was ich mir von einer Smartwatch erhoffe.

Genauer möchte ich mich über die einzelnen Funktionen der 920 hier ehrlich gesagt nicht auslassen. Wer das detaillierter haben möchte sollte mal wieder einen Blick bei dcrainmaker reinwerfen. Der hat die 920 schon längere Zeit in der Hand gehabt und wird das erheblich besser beurteilen können als ich.

Ich möchte mich mal ein bisschen darüber auslassen, was ich momentan von einer Smartwatch erwarte.

Meine Erfahrungen mit der Omate haben mir gezeigt, dass ich eine Smartwatch primär einsetzen, um damit meine sportlichen Aktivitäten zu tracken und um Nachrichten vom Smartphone auf die Uhr zu pushen. Mal schnell was im Netz surfen, Mails richtig lesen oder sogar beantworten zu können oder irgendwelche Navigationsaufgaben erledigen waren im täglichen Umgang eher die Seltenheit. Mir ist aufgefallen, dass ich solche Funktionen meist nur genutzt habe wenn es darum ging, anderen zu zeigen, was die Smartwatch so alles kann. Im wirklichen Tagesbetrieb habe ich für solche Geschichten dann doch immer das Smartphone aus der Tasche geholt.

In der Regel ist man dann doch schneller, wenn man Aufgaben, die Eingaben ins Gerät erfordern auf einem großen Display erledigt. Das wiegt dann meist auch die Zeit auf, die man benötigt, das Phone startklar zu machen und die gewünschte App zu starten. Die Texteingabe auf der Omate ist auf Grund des kleinen Displays dann doch zu zeitaufwendig.

Version rweiß/rot. (Bild: © Garmin Ltd.)
Version rweiß/rot. (Bild: © Garmin Ltd.)

Jetzt könnte man ins Feld führen, das man ja die Spracherkennung nutzen kann. Spätestens bei Android Wear-Uhren soll das ja die Texteingabemethode der Wahl sein, nur bin ich kein Freund davon, mit meiner Uhr zu sprechen. Ich komme mir dann doch immer sehr blöde vor, besonders in der Öffentlichkeit. Ich muss auch nicht der Umwelt um mich rum mitteilen, was ich gerade im Netz suche oder was ich gerade einem Chat-Partner mitzuteilen gedenken. Vielleicht bin ich da etwas old school aber ich kann mir vorstellen, dass das vielen anderen so gehen wird.

Es hapert also an der Bedienung. Besonders deutlich wurde mir dies nach dem diesjährigen Hamburg Triathlon. Nach absolviertem Wettkampf wollte ich der Meinen telefonisch die Zeit mitteilen. Ist ja schön, wenn man eine Uhr hat, mit der man auch telefonieren kann. Leider bin ich am Touchscreen gescheitert. Ich habe irgend jemand angerufen und dann auch noch Probleme gehabt, den Wählvorgang wieder zu beenden. Mit schwitzenden Fingern hat man null Chance, eine Uhr via Touchscreen zu bedienen. Auch ein Grund, warum ich den Wettkampf nicht korrekt getrackt bekommen habe. Der Start der entsprechenden App nach dem Wechsel Schwimmen/Radeln hat natürlich auch nicht geklappt.

Da traue ich dem Bedienkonzept der 920 erheblich mehr zu. Echte Knöpfe… eine Wohltat.

Die Idee, das gleiche an einer Uhr machen zu können wie an einem Smartphone ist verlocken, nur hat bis jetzt noch keiner es geschafft, eine Bedienkonzept auf die Beine zu stellen, dass zumindest meinen Anforderungen Rechnung trägt. Da ist es dann von Vorteil, wen man das Träumen mal sein lässt und sich realistisch anschaut, was man wirklich braucht.

Ich brauche auch keine 16 Millionen Farben-Display. Farben sind zwar schön, aber nur dann lohnenswert, wenn sie auch sinnvoll eingesetzt werden. Ich will mir keine Urlaubsbilder auf der Uhr anschauen. Wenn dann das Display noch dazu führt, dass man alle zwei Stunden an die Steckdose muss oder andauernd das Display ausschaltet weil man Angst hat, dass der Strom nicht mehr bis nach hause reicht, kann man echt die Sinnfrage stellen.

Für eine Sportuhr schon fast ein schlanker Fuß (Bild: © Garmin Ltd.)
Für eine Sportuhr schon fast ein schlanker Fuß (Bild: © Garmin Ltd.)

Aber auch stromsparende Farbdisplays müssen sinnvoll eingesetzt werden. Die Leikr zum Beispiel hatte zwar auch ein Farbdisplay, jedoch wurde es hier nur in der unnötigsten Funktion genutzt, die die Uhr hat: der Kartenübersicht.

Wenn man sich das Preview von Ray Maker so anschaut setzt Garmin die Farben mit mehr Verstand ein. Hier unterscheidet sich dann doch die etablierte Firma vom StartUp. Bedienkonzept und Funktionalität sind durch mehrere Gerätegenerationen verfeinert und weisen meist relativ wenig Usabilityfehler auf. Das StartUp neigt dazu, das Rad neu zu erfinden und geht dann ganz gerne mal den einen oder anderen Irrweg, der am Anfang noch sehr verlockend aussah… oder hat Funktionen auf Grund fehlender Manpower gar nicht erst implementiert.

Einzig und alleine scheint mir momentan die Gestaltung der FR920XT etwas gewöhnungsbedürftig. Gut, es handelt sich um eine Uhr, die primär auf Sport ausgerichtet ist. Das muss jetzt nicht zur Ausgehuniform passen. Und im Vergleich zum Vorgänger hat die Optik auf jeden Fall gewonnen, zumal die Abmessungen noch mal ein ganzes Stück kleiner geworden sind. Die Farbwahl finde ich jedoch etwas unglücklich. Auf den Produktbildern sieht die weiß/rote Version zwar sehr flott aus, ist mir persönlich jedoch etwas zu feminin. Die schwarz/blaue Version hingegen wirkt gefühlt etwas billig. Erst recht in Kombination mit dem gefakten Carbondruck um das Display rum. Bei dem Preis hätte man da vielleicht noch etwas mehr Feintuning einfließen können. Die Fenix 2 sieht ja auch erheblich wertiger aus.

Naja, letztendlich muss man sich das Teil mal direkt am Handgelenk anschauen. Dauert ja nicht mehr lange, bis die FR920XT in den Regalen steht.

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