Fast schon Kunst - der Game Frame (Bild: kickstarter/© Jeremy Williams)
Fast schon Kunst – der Game Frame (Bild: kickstarter/© Jeremy Williams)

Oh je, jetzt lässt er auch noch den Kunstkenner raushängen. Naja, ganz so schlimm wird es glaube ich nicht. Als einer der erfolgreichsten (und teuersten) noch lebenden Künstler kann ich mir vorstellen, dass so mancher hier den Künstler Gerhard Richter kennen könnte. Gut, er ist nicht so bekannt wie Rembrandt, Picasso und Co. kann aber trotzdem von sich behaupten, dass seine Kunstwerke für zweistellige Millionenbeträge gehandelt werden.

Das Gerhard Richter-Fenster im Kölner Dom  (Bild: © o. Thiele)
Das Gerhard Richter-Fenster im Kölner Dom
(Bild: © o. Thiele)

Ein Meilenstein in seinem Schaffenswerk dürften die „4096 Farben“ von 1974 gewesen sein. Ein Werk, das aus 4096 kleinen Kästchen unterschiedlicher Farbe besteht. Gut, von der Amiga-Farbpalette wird er nicht abgeschaut haben aber wer jetzt behauptet, dass er das auch können solle sich mal seine anderen Werke anschauen, insbesondere sein nahezu naturalistischen Abmalungen, die er mit einer Unschärfe versehen hat. Wer eine so meisterliche Technik sich angeeignet hat dürfte sich eindeutig das Recht dazu erworben haben, sich in andere Richtungen weiter zu entwickeln.

Wer nicht das Glück hat, eine Richtausstellung besuchen zu können, kann sich übrigens mal im Kölner Dom umschauen. Dort hat er für die Südquerhausfassade ein Kirchenfenster gestaltet. Kostet  nicht mal Eintritt.

Aber bevor wir hier jetzt einen Kunst-Blog etablieren kommen wir einfach mal zum eigentlichen Kern des Artikels. Wer sich zuhause auch mal ein bisschen wie Gerhard Richter fühlen möchte und sich in Kästchen üben will kann sich mal das Kickstarter-Projekt Game Frame anschauen. Und wer das geil findet kann auch gleich etwas weinen, da das Teil nur in die USA geliefert wird. Der Hersteller hat keinen Bock, sich um CE und was weiß ich nicht für Normen zu kümmern; verständlich.

Der Game Frame ist ein Rahmen, in dem 256 LEDs sitzen. Selbige sitzen hinter transparenten, gut voneinander separierten Quadraten. Die Farben der LEDs sind frei konfigurierbar und werden über einen Arduino angesteuert.

Bei einer 16×16 Pixel-Matrix liegt es natürlich näher, eher in den Bereich 8-Bit-Pixel-Art zu gehen als die Richter-Analogie-Karte zu ziehen. Aber das hätte nicht einen so schön intellektuellen Einstieg gegeben.  Wer also seine Lieblingssprites aus guten alten C64 und Atari-Tagen nachbauen und an die Wand hängen möchte wird jetzt erst recht eine Träne vergießen, sich dieses Stück Wohnraumkunst nicht an die eigene Wand hängen zu dürfen.

Bilder werden dem Rahmen einfach als BMP auf einer SD-Card verabreicht. Bei der Pixelgröße bekommt man bei BMP auch keine Speicherplatzprobleme. BMP hat halt den Vorteil, dass es keine Kompressionsmethoden nutzt und jedes Pixel einzeln adressiert wird. Das macht das Auslesen natürlich einfach. Animationen sind auch möglich, aber von der Erstellung her komplexer.

Bedienelemente des Game Frames (Bild: kickstarter/© Jeremy Williams)
Bedienelemente des Game Frames (Bild: kickstarter/© Jeremy Williams)

Der Game Frame besitzt vier Einstellungsmöglichkeiten.

  1. Helligkeit der LEDs
  2. Playback Mode – Sortiert, Zufallswiedergabe und Sortiert, aber ohne Animationen
  3. Timer – Dauer der angezeigten Bilder
  4. Play – natürlich muss ein Gerät, das Game Frame heißt auch ein Spiel an Bord haben. Das gute alte Breakout, das hier verbaut wurde kann mit den beiden Knöpfen (Setup und Play) gespielt werden. Es ist sogar möglich, seine eigenen Bilder als Level einzubinden.

Der Frame an sich besteht aus einem  Laser-geschnittenem Holzrahmen, dem LED-Board, dem PCB, einer SD-Card und einem Netzteil. Wer selber basteln möchte müsste 150$ ausgeben. Zusammengebaut steigt der Bon auf 230$.

Eine schöne Idee. Vielleicht ist sie ja so erfolgreich, dass sie irgendwann den Sprung über den Teich schafft. Wer einen Bekannten in den Staaten hat kann sich das Do-it-yourself-Kit mal anschauen. Ich kann mir vorstellen, dass es da beim Import der Einzelteile keine Probleme geben sollte. Allerdings muss man dann wohl noch in ein europäisches Netzteil investierten.

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