Einfach Skalen lernen mit Fret Friend (Bild: kickstarter/ © Fret Friend)
Einfach Skalen lernen mit Fret Friend (Bild: kickstarter/ © Fret Friend)

Oh, hier wandelt mal wieder jemand auf dem schmalen Grat zwischen genialer und riskanter Idee. Der Fret Friend soll den Soli-geneigten Nicht-Flitze-Finger oder Gitarren-Gott-In-Ausbildung dabei unterstützen, die ganzen nervigen Skalen, die einem das Solo-Spiel ohne trail and error ermöglichen, zu lernen.

Wie lernt man am einfachsten Skalen? Ideal wäre natürlich eine Markierung der entsprechenden Punkte zwischen den Bündchen auf dem Hals. Dass da keiner mit einem Edding drauf malen will versteht sich von selbst. Spätestens wenn man die Skalen mal in einer anderen Ton-Art probieren will braucht man sonst eine zweite Gitarre. Soll ja auch Leute geben, die gerne mal auf f# jammen wollen.

Zweite Alternative wären Klebestreifen. Wer seine Gitarre liebt oder mehr als 100 Euro dafür ausgegeben hat wird davon vermutlich auch eher Abstand nehmen. Kleberückstände von dem doch recht oft eher empfindlichen Holz des Griffbretts runter zu bekommen bringt nicht wirklich Spaß.

Am elegantesten wäre natürlich ein Hals, der mit Glasfaser oder LED an jeder Position einen Leuchtpunkt anzeigen kann. Gibt es natürlich auch schon. Die Firma Fretlight bietet hier zum Beispiel damit ausgestattete Gitarren an. Nachteil sind hier natürlich gerade für den Anfänger ein etwas gehobenerer Preis und eine eingeschränkte Auswahl bezüglich der Optik.

Wer schon eine Gitarre hat oder nicht so viel Geld investieren will kommt vielleicht mit dem Fret Friend bei Kickstarter auf seine Kosten. Die Grundidee ist eigentlich sehr simpel. Beim Fret Friend handelt es sich um eine Manschette, die man um den Hals einer Gitarre legt. Diese wird auf der Rückseite mit Klett verschlossen.

Die Positionen, an denen die Bünde sich befinden sind ausgespart. Nur zwischen den Bünden läuft der Stoff der Manschette durch. So kann man mit einem entsprechenden Stift sich die Positionen markieren, die für die gewünschte Skala nötig ist. Will man eine andere Skala üben wäscht man die Markierungen einfach wieder ab. Mit einem Edding sollte man natürlich auch hier nicht zu Werke gehen.

An dieser Stelle muss ich denn auch gleich meine zwei Haupt-Bedenken/Warnungen loslassen.

  1. Don't try this at home - nie mit einem Buntstift direkt auf dem Griffbrett, auch wenn Fret Friend drunter liegt (Bild: kickstarter/ © Fret Friend)
    Don’t try this at home – nie mit einem Buntstift direkt auf dem Griffbrett, auch wenn Fret Friend drunter liegt (Bild: kickstarter/ © Fret Friend)

    Kommt bloß nicht auf die blöde Idee, die Bünde direkt am Hals zu markieren, wie es Fret Friend im Video vormacht. Wie oben schon erwähnt gibt es viele Gitarren, deren Griffbrett etwas weicher ist. Hatte sogar schon so einige Modelle in der Hand, bei der man mit dem Fingernagel ohne viel Druck Dellen hinterlassen konnte. Wenn man dort mit einem Buntstift drauf rumkritzelt kann das Ergebnis von längerer Haltbarkeit ausfallen, als man es durch die Verwendung des Fret Friends eigentlich haben wollte. Dellen im Holz bekommt man zwar mit einem feuchten Tuch und einem Bügeleisen gut wieder weg. Zwischen den Bünden kommt man jedoch mit dem Bügeleisen nicht hin.

  2. Der Fret Friend ist auswaschbar. Das ist natürlich eine feine Eigenschaft. Man sollte jedoch dringend der Ungeduld wiederstehen und ihn nass wieder um den Hals legen. Ich glaube nicht, dass er atmungsaktiv ist. Einmal schön um den Hals gelegte Staunässe dürfte der Form des Halses nicht unbedingt zuträglich sein.
Immerhin scheint der finalen Version kein Buntstift sondern ein Stift mit weicher Spitze beizuliegen  (Bild: kickstarter/ © Fret Friend)
Immerhin scheint der finalen Version kein Buntstift sondern ein Stift mit weicher Spitze beizuliegen (Bild: kickstarter/ © Fret Friend)

Von diesen beiden Punkt mal abgesehen scheint mit der Fret Friend eine ganz clevere Idee zu sein. Wer eine Gitarre mit einem Sattel-Steg-Abstand zwischen 610 – 648 mm hat und sich das Skalen lernen etwas einfacher machen möchte kann ruhig mal einen Blick riskieren. 20$ plus Nebenkosten für den Early Bird sind für so ein Hilfsmittel glaube ich nicht zu viel.

Alternativ kann man natürlich auch einmal google anwerfen und sich 1000³ Skalen zum Ausdrucken downloaden. Aber das ist irgendwie langweilig.

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