Technikbastelei mit dem Conrad Adventskalender
Technikbastelei mit dem Conrad Adventskalender

Advent, Advent ,eine Diode brennt. Heißa, es ist wieder Weihnachtszeit und jeden Tag im Dezember gilt es, ein weiteres Türchen zu öffnen. Wie ich ja schon im Adventskalender für Männer-Artikel  geschrieben habe bin ich dies Jahr stolzer Besitzer eines Adventskalenders von Conrad Elektronik. Ein Adventskalender ohne Schoki ist im kalorienübersättigten Dezember ja nicht verkehrt, besonders wenn er den Spieltrieb des technisch interessierten Mannes anspricht. Ob der Kalender einhält, was sich der Geek verspricht werde ich in diesem Artikel die nächsten Tage über etwas genauer beleuchten.

Spoiler-Alarm

Hinweis für alle, die auch den Conrad Adventskalender 2013 besitzen und schon ein paar Tage in Verzug sind. Ich werde zwar nicht tagesaktuell berichten, trotzdem könnte das Lesen dieses Blogartikels euch etwas die Spannung nehmen. Andererseits steht in der Adventskalender-Anleitung eh alles drin, so dass man sich am ersten Tag die kompletten Inhalte der Türen schon durchlesen kann.

Grundsatzdiskussion

Vor dem ersten Türchen schauen wir uns den Kalender mal etwas genauer an. Die Aufmachung ist hochwertig. Die Basis bildet ein Plastiktray mit 24 Fächern, abgedeckt mit beschichtetem, recht dickem und glänzendem Karton, in dem die Türen einperforiert sind. Schält man den Kalender aus der Folie fällt einem eine mehrseitige und recht umfangreiche Anleitung in A4 entgegen.

Was nicht so ganz deutlich wird ist der Umstand, dass man auf jeden Fall noch einen 9 Volt-Block zum Betrieb braucht. Das steht zwar auf der Rückseite im Fließtext, aber wer liest sich schon freiwillig eine komplette Seite Marketing-Prosa durch. Eine 9 Volt-Batterie hat man ja mittlerweile nicht mehr so ohne weiteres rumliegen und wenn der 1. Dezember auf einen Sonntag fällt könnte es ohne selbige zu einer Enttäuschung kommen.

Folgende Dinge/Werkzeuge sollte man sich bereit legen:

  • 9 Volt Block Batterie
  • Seitenschneider, Abisolierzange oder irgendetwas mit dem man einen Draht abschneiden und abisolieren kann
  • Pinzette (für Leute mit dicken Fingern und zum Öffnen der Türen)

1. Dezember

Ein Wiederstand und eine Leuchtdiode hinter dem ersten Türchen.
Ein Wiederstand und eine Leuchtdiode hinter dem ersten Türchen.

Hurra, heute geht es los. Die erste Herausforderung des Tages: Die Tür aufbekommen. Das stellt sich ohne Hilfsmittel als gar nicht so leicht heraus. Die Grifflöcher der Türen sind sehr klein und die Pappe sehr fest und störrisch. Mit Hilfsmitteln geht’s einfach. Macht auf die Tür, die Tor macht weit… und schon fallen einem eine Leuchtdiode und ein Wiederstand entgegen. Die Tagesaufgabe lautet a) organisiere eine 9 Volt Batterie und b) halte alles so zusammen dass die Diode leuchtet und man keinen Kurzen fabriziert. Gar nicht so leicht, da man ja nicht löten soll. Wildes Verknoten der Drähte sollte man auch vermeiden, da die Bauteile in den nächsten Tagen noch weiter für andere Experimente weitergenutzt werden sollen. Dass alles richtig rum gehalten werden muss wird sehr schön in der Anleitung erklärt. Für die Durchführung des Versuches liefert sie alle notwendigen Informationen. Allerdings geht sie nicht wirklich sehr in die Tiefe. Richtiges Hintergrundwissen wird nicht vermittelt. Eher Technik nach Kochrezept. Aber für einen Adventskalender wäre das auch vielleicht etwas viel verlangt. Wer es genauer wissen möchte findet sich schnell bei Wikipedia wieder oder wird sich vielleicht mal einen richtigen Experimentierkasten zulegen.

2. Dezember

Auch heute gibt es wieder zwei Aufgaben. Als erstes muss man die Tür finden. Gar nicht so leicht weil sie sich unter dem „Ereignishorizont“ des Kalenders im „Baumstamm“ befindet. In ihr befindet sich eine Lochrasterplatte, in die man die Bauteile stecken kann und ein Anschluss für die Batterie. Prima, denn alles in der Hand zu halten wie am ersten Tag hat sich als recht kniffelig erwiesen. So liegt es denn auch nahe, den gleichen Versuch vom ersten Tag zu wiederholen. Diesmal jedoch gesteckt. Auch das ist alles wieder schön in der Anleitung beschrieben. Was mir noch fehlt ist etwas mehr Information zum Aufbau der Lochplatte. Wie sind die einzelnen Löcher miteinander verbunden? Aber das finde ich vielleicht noch in den folgenden Versuchen heraus.

3. Dezember

Ah, heute geht’s ans größte Kästchen im Kalender. Das muss ja was Tolles drin sein. Toll, ein bisschen isolierter Draht. Auch gut. Schnell ist die Anleitung aufgeschlagen. Heute wird die Schaltung von gestern mit einem Schalter gepimpt. Dieser besteht aus zwei blanken Drähten, von denen einer dann auf den anderen gedrückt wird. Die heutige Herausforderung besteht im abisolieren der drei Drahtstücke, die man sich abschneiden muss, und das alles ohne sich oder den Draht dabei zu verletzen. Nicht unbedingt eine Arbeit für kleine Kinder.  Der Spaß ist schnell zusammen gesteckt und irgendwie stellt sich dann doch ein leicht stolzes Gefühl ein, als die Diode nach Betätigung des „Schalters“ wie gewünscht aufleuchtet.

3-dez
3. Dezember

4. Dezember

Ja, heute geht es rund. Ein CMOS-IC findet sich hinter der Tür 4. Das ist doch nach Geschmack des Geeks. Es handelt sich um einen IC mit 4 NAND-Schaltungen. Weiß ja jeder, was das ist. Zumindest gehen wohl die Conrad-Leute davon aus. Eine genauere Erklärung gibt es nicht. Nur eine Menge Tipps, wie man das Teil kaputt bekommt (was man vermeiden sollte). Da die kläglichen Erinnerungsreste von Informatik-Vorlesungen, die zig Jahre zurück liegen, nicht mehr ganz zur Klärung des Problems ausreichten muss Wikipedia herhalten. Ah ja, stimmt. Eine Schaltung die immer dann funktioniert, wenn NICHT beide Eingänge aktiv sind. Oder anders gesagt, liegt an beiden oder nur einen der beiden Eingänge Strom an funktioniert es, liegen an beiden Eingängen Strom an funktioniert es nicht. Das hätte man der Anleitung ruhig auch noch mitgeben können.

Gebaut wird wieder eine leuchtende LED, diesmal nur etwas komplizierter verdrahtet.

Der weiterführende Versuch, indem man einen Draht von Pin 1 des ICs und GND (was das ist wird auch nirgends erwähnt, oder habe ich das überlesen?) wegnimmt will nicht so ganz klappen. Liegt vielleicht an der Unkenntnis über GND. Immerhin habe ich jetzt den Absatz mit der Erklärung über den Aufbau der Platine gefunden.

4. Dezember
4. Dezember

5. Dezember

Ein weiterer Wiederstand (10MOhm) tritt auf die Bühne. Dieser wird benötigt um die LED-Schaltung mit einem Berührungssensor zu pimpen. Klingt jetzt etwas bombastischer als es ist. Der Berührungssensor besteht aus zwei blanken Drähten, die man gleichzeitig mit einem Finger berühren muss. Der Aufbau ist relativ einfach, das Abisolieren kleiner Drähte hat man ja schon geübt. Und siehe da, es funktioniert.

Und wieder stellt sich das schöne Gefühl ein, wenn man die Drähte berührt und das Licht angeht. Hat fast schon etwas magisches, denn warum das alles funktioniert ist anhand der Anleitung nicht wirklich zu ergründen. Zumindest nicht ohne weitergehende Recherche. Oder was ist ein Inverter? Der Techniker wird es wie aus der Pistole geschossen sagen können, der Designer nicht. Ein bisschen mehr didaktischer Ansatz könnte echt nicht schaden.

6. Dezember

Noch ein Wiederstand. Heute sagen wir „UND“. Wir bringen wieder die Diode zum leuchten. Die Schaltung ist jedoch so aufgebaut, dass man zwei Berührungssensoren gleichzeitig aktivieren muss, damit es Licht gibt. Hierfür wird eine logische UND-Schaltung aufgebaut. UND bedeutet, dass der Strom nur fließt, wenn an beiden Eingängen gleichzeitig Strom ankommt. Das klingt ansatzweise logisch und ist auch vom Designer zu verstehen. Sehr fein.

6. Dezember
6. Dezember

Täglich grüßt das Murmeltier

So, wollen wir doch mal ein vorzeitiges Fazit ziehen. Eine detaillierte weitere Berichterstattung werde ich mir glaube ich ersparen. Mittlerweile ist der 15. Dezember und letztendlich würden die einzelnen Tage sich von der Beschreibung her nicht wirklich unterscheiden. „Heute bauen wir ein Blinklicht, Lichtsensor, Flackerlicht, Schalter xyz…“ oder „Im Kalender war ein Wiederstand, Kondesator,Diode…“ auch nicht spannend zu lesen.

Da mit zunehmender Komplexität der Projekte auch die Erklärung selbiger immer schwerer nachvollziehbar wird stellt sich auch kein Lerneffekt ein. Damit meine ich allerdings das „Warum geht das so?“, nicht das „Wie stecke ich alles zusammen“. Letzteres ist relativ einfach nachzuvollziehen. Jedes Projekt ist ohne Vorkenntnisse einfach zusammen zu stecken (wenn man keine allzu dicken Finger hat) und bis auf eine Ausnahme hat alles problemlos funktioniert. Das Ganze spielt sich ein bisschen wie Lego. Man steckt nach Anleitung etwas zusammen und das was raus kommt funktioniert. Das hat seinen Reiz und bringt mir durchaus viel Spaß.

Für wen, für wen?

Wer sich diesen Kalender zulegt sollte sich voraus im Klaren sein, dass er dabei nicht wirklich viel lernen wird. Entweder besitzt man schon so viel Grundwissen, dass man die Wissensbrocken, die einem die Anleitung zuwirft versteht… dann benötigt man diese jedoch nicht. Oder, man fängt von 0 an und scheitert schon relativ weit vorne. Letztendlich lässt sich das zwar alles irgendwie im Netz nachrecherchieren, aber nach ein paar Tage wird man dessen schnell müde. Es stellt sich dann doch der Effekt ein, dass man einfach nur die Anleitung nachbastelt, sich darüber freut, dass etwas blinkt und stellt den Platine dann bis zum nächsten Tag wieder zur Seite.

Wer erwartet, das notwendige Rüstzeug mitzubekommen, aus den Teilen eigenständig etwas zusammen zu bauen wird enttäuscht werden. Hier wäre ein richtiger Lern-Elektronikbaukasten wohl geeigneter.

Sehr interessant könnte der Kalender sein, wenn man ihn z.B. in der Schule im Physikunterricht genauer unter die Lupe nehmen würde. Mit der richtigen Menge Erklärung und Didaktik stelle ich ihn mir um einiges spannender vor.

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