Bye, bye, Leikr Sportswatch (Bild: © O.Thiele)
Bye, bye, Leikr Sportswatch (Bild: © O.Thiele)

Manchmal muss man weiterziehen. Aus diesem Grund verabschiede ich mich jetzt hier an dieser Stelle von meiner Leikr Sportswatch und möchte mal ein persönliches Fazit ziehen. Wer selber mit dem Kauf einer Leikr liebäugelt sollte sich bitte den ganzen Artikel durchlesen, da Leikr zwar etwas gebraucht hat, bis die Uhr wirklich nutzbar ist, aber mittlerweile ein doch ganz passables Produkt auf die Beine gestellt hat.

Kurz zur Erinnerung. Die Leikr Sportwatch ist eine GPS-Laufuhr, die von ehemaligen dänischen Nokia-Ingenieuren via Kickstarter an den Markt gebracht wurde. Sie zeichnet sich primär durch ein sehr großes Farbdisplay aus, ohne dabei jedoch störend am Arm zu wirken. Leikr hatte es tatsächlich geschafft, die Uhr sehr flach zu halten. Die Uhr wurde mit einem selbst erstellten Betriebssystem ausgestattet.

Leider hat Leikr es nicht geschafft, den Fertigungsprozess so zu optimieren, dass die ursprünglich in der Kampagne angekündigte Wasserdichtigkeit auch wirklich garantiert werden konnte.

Das war dann auch die erste kleine Enttäuschung, die meine neue Beziehung zu der Uhr anfangs etwas getrübt hat. Zugute muss man Leikr allerdings halten, dass die das zu jeder Zeit offen kommuniziert haben und Leuten, für die das ein Problem darstellte den Rücktritt vom Geschäft angeboten haben.

So wichtig war mir es dann doch nicht, damit schwimmen zu können und so habe ich das Abenteuer auf mich zukommen lassen. Mit nicht allzu viel Verzug ist die Leikr dann auch wirklich bei den Backern angekommen. Wirklich einsatzfähig war die Uhr jedoch noch nicht. Die ersten Firmwares hatten doch sehr arge Probleme mit dem GPS-Fix gehabt. Das wurde zuweilen behoben, mit dem nächsten Update wieder verschlimmbessert, wieder behoben und so weiter und so fort. Da die Uhr sich die Updates von alleine über das Wlan zieht hatte man auch keine Chance, erst mal ein paar Tage abzuwarten, ob eine neue Firmware etwas taugt. Mittlerweile ist die Qualität der Firmware schon so gut geworden, dass das in der Regel kein Problem bedeutet. In der Anfangsphase jedoch konnte ein Update schon mal bedeuten, dass man ein paar Tage keinen GPS-Fix mehr bekommen hat.

Und da wären wir auch schon beim eigentlichen Problem der Leikr. Die Hardwarebasis ist, soweit ich das beurteilen kann, sehr cool. Schickes Design, flach, angenehm zu tragen, tolles Display, gut ausgestattet. Die Software ist jedoch bei weitem noch nicht so weit, dass sie es mit den vergleichbar teuren Uhren der Platzhirschen wie Garmin oder Suunto aufnehmen könnte.

Ich rätsle zum Beispiel immer noch, warum von Anfang an das System nicht so aufgesetzt worden ist, dass der Nutzer die auf dem Schirm befindlichen Felder selber zusammen stellen kann. Das sollte programmiertechnisch doch eigentlich nicht so komplex sein, zumindest nicht, wenn man das bei Start der Entwicklung mit einplant. Und das hätte man tun sollen, da selbst meine mittlerweile schon sehr in die Jahre gekommene Forerunner 305 das konnte. Wenn man ein neues Produkt auf den Markt bringt sollte man doch zumindest mit bestehenden Produkten ansatzweise mithalten können.

Gut, die Möglichkeit der Felder-Anpassung soll in dem nächsten größeren Firmware-Update enthalten sein, aber trotzdem gibt es immer noch so einige Punkte, die meines Erachtens Baustellen sind. Schon so simple Sachen wie die Anzeige der richtigen Uhrzeit fehlen. Die Uhr kommt immer noch nicht mit der Sommerzeit klar. Da sie sich die Uhrzeit vom Satelliten holt hat man auch keine Chance, selber dort korrigierend einzugreifen. Ist zwar eine Marginalie, die der Funktion keinen Abbruch tut, stört aber trotzdem.

Ein weiteres No-Go, das immer noch nicht behoben wurde ist die Tatsache, dass man zur Konfiguration des WiFi-Zugangs der Uhr das Passwort des eigenen W-Lan in Klartext auf der Website von Leikr eintragen muss. Daraus wird dann ein File generiert, das man auf die Uhr schieben muss. Ok, wenn Leikr es nicht schafft, die Passworteingabe an der Uhr direkt zu ermöglichen sollte es doch zumindest möglich sein, ein kleines Tool anzubieten, damit man das File lokal auf dem eigenen Rechner erzeugen kann. Oder zumindest das Passwort nicht bei Leikr speichern. Ist ja auch kein Problem, das File zu erzeugen und danach das Passwort gleich wieder zu vergessen. So wie es aktuell ist muss man mit dem flauen Gefühl im Magen leben, einer fremden Firma die Zugangsdaten zu seinem privaten Netzwerk gegeben zu haben. In Zeiten von NSA und Co. eigentlich ein absolute Frechheit. Wohl dem, der ein Gästzugang einrichten kann.

Und selbst, wenn man sich darüber keine Gedanken macht, da Dänemark weit weg ist, gibt es immer noch ein paar Dinge, die nicht so ganz stimmig sind.

Das Display zum Beispiel wird nicht ansatzweise ausgenutzt. Die eigentliche Standardansicht ist monochrom. Farbe wird nur auf der Kartenansicht genutzt. Warum nutzt man die Farbe nicht auch wenn die Daten angezeigt werden. Rote Schrift, wenn zum Beispiel eine Pulsgrenze überschritten wird. Oder bei Statistiken des letzten Workouts. Möglichkeiten gibt es viele, die aber leider bis jetzt noch nichtgenutzt werden.

Tolles Display... wird leider nicht ansatzweise ausgenutzt. (Bild: © O.Thiele)
Tolles Display… wird leider nicht ansatzweise ausgenutzt. (Bild: © O.Thiele)

Die Kartenansicht ist übrigens ein nettes Gimmick… nur braucht man es überhaupt nicht. Ich habe sie maximal ein, zweimal angehabt. Aber auch nur, um nur mal so zu schauen. Wer nicht andauern in Gegenden läuft, die er nicht kennt, wir die Karte nicht brauchen. Nicht umsonst lassen immer mehr große Hersteller die Navifunktionen ihrer Uhren weg. Und ist man doch andauernd wo anders wird man schnell feststellen, dass man zufälligerweise genau dann vergessen hat, die Kartendaten auf die Uhr zu laden, wenn man sie braucht. Da die Uhr nur per Wifi auf das Netz zugreifen kann und nur einen zwar recht großen, aber letztendlich doch begrenzten Vorrat an Speicher hat, muss man nämlich die Karten der Gegend vorab downloaden und die Karten sind größer als man denkt.

Ich vermute mal, dass die Manpower bei der Entwicklung fehlt. Das ist schade, da so sehr viel Potential verloren geht. Man muss sich also gedulden und hoffen, dass die Entwickler ihre Arbeitskraft nicht mit der x-ten Anbindung irgendeiner Sport-Tracking-Site verschwenden sondern lieber mal mehr Zeit in die Funktionalitäten der Uhr investieren.

Genau so schade ist es, dass man die Uhr nicht in einen Watch-only Modus schalten kann um sie als normale Uhr nutzen zu können. Ich stelle immer mehr fest, dass ich mir im Grunde eine Uhr wünsche, die ich normal tragen und für den Sport nutzen kann. Da man bei der Leikr jedoch das GPS nicht abschalten kann ist der Akku nach wenigen Stunden leer. Außerdem wird die Zeit nur in Miniaturgröße am unteren Rand angezeigt. Ich frage mich auch, ob sie überhaupt ohne GPS die Zeit brauchbar behalten kann.

So ganz 100% sicher über die Haltbarkeit der Uhr bin ich mir auch nicht. Mein Exemplar hatte nach ein paar Monaten erhebliche GPS-Fix-Probleme. Nach dem vom Service empfohlenen Komplett-Reset ist die Uhr dann nicht mehr aufgewacht. Immerhin muss man Leikr zugute halte, dass die Abwicklung des Problems sehr flott und freundlich vonstatten ging. Es hat nicht mal eine Woche gebraucht, bis ich eine neue Uhr in der Hand hatte, die dann auch wirklich fix den Fix bekommen hat. Insofern kann ich über die Langzeit-Haltbarkeit der Uhr nicht wirklich eine Aussage treffen. Da die originale Uhr aus der Kickstarter-Kampagne war und somit zu der ersten produzierten Uhren gehört kann ich mir vorstellen, dass mit mehr Erfahrung auch der Herstellungsprozess optimiert wird und solche Ausfälle immer seltener werden.

Mich würde da übrigens auch interessieren, wie Farbstabil das Gehäuse ist. Bei der defekten Uhr hatte ich ganz leicht das Gefühl, dass sich das Gehäuse am Rand und auf der Unterseite einen ganz leichten Gelbstich bekommen hat. Ich hoffe mal nicht, dass das Material mit dem Schweiß reagiert.

Ach, jetzt habe ich letztendlich doch mehr gemeckert als ich wollte. Das Unternehmen an sich finde ich sehr sympathisch, der Service ist flott und freundlich und es wird fleißig am System weiterentwickelt. In wie weit man mit den oben beschriebenen Umständen leben kann muss wohl jeder für sich entscheiden. Für mich war es unter dem Strich jedoch genug, um mich von der Uhr wieder zu trennen. Der Wunsch, eine Uhr zu haben, die wirklich alle Features beherrscht und bei der man nicht das Gefühl hat, dass man ewiger Betatester ist. Klar, bei einem Kickstarterprojekt ist das letztendlich unvermeidlich, aber dass ist eine Erfahrung, die man auch erst mal machen muss.

Insofern sage ich mir einem lachenden und einem weinenden Auge tschüss. Mal schauen, was ich mir als nächstes für eine Sportuhr anschaue. Die Garmin Fenix 2 wäre ja ganz lecker.

 

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