Wristruments – die Smartwatch zum Gitarre lernen

Gitarre lernen mit der Wristruments Smartwatch (Bild: kickstarter / © Joe Corcoran)

Manche Ideen, wie die Wristruments Smartwatch, sehen auf den ersten Blick ganz grandios aus, erweisen sich auf den zweiten Blick jedoch als ziemlich überflüssig. Die Wristruments ist ein typischer Vertreter dieses Genres.

Grundidee des Wristruments ist, dass man beim lernen der Gitarre den Blick immer zwischen Griffbrett, Fingern und Zettel mit den entsprechenden Griffen hin und her schweifen lassen muss.

Mit der Wristruments Smartwatch soll man die entsprechenden Chords direkt am Handgelenk ablesen können. Das klingt natürlich ganz cool, da man den Blick immer auf den gleichen Bereich richten kann und die Augen nicht so stark umfokussieren müssen.

Wristruments – was kriegt man?

Bevor wir uns die eigentliche Sinnfrage stellen werfen wir zuerst mal einen Blick darauf, was man beim Wristruments denn nun wirklich bekommt. Eigentlich ist das eine gute Frage, deren Antwort mir schwerfällt. Als Haupt-Pledge bekommt man eine Smartwatch mit der entsprechenden App zum Gitarre lernen.

Nun gibt es leider keinerlei technische Details zur eigentlichen Smartwatch. Nichts über Betriebssystem, Speicherausstattung, Abmessungen, Akkulaufzeit, Display… nichts, nothing, nada. Das lässt mich vermuten, dass entweder sich hierüber noch keine Gedanken gemacht wurde oder irgendeine Billig-China-Smartwatch mit einer App ausgestattet wird.

Ja, es ist sogar denkbar, dass die Smartwatch gar keine Smartwatch ist, sondern lediglich die Wristruments Software abspielen kann.

Die gute, alte Katze im Sack und ein Garant für um Monate überzogene Lieferdaten.

(Bild: kickstarter / © Joe Corcoran)

Tut nicht not

So schön die Idee, etwas mit Hilfe eines coolen Gadgets zu lernen auch ist, muss man sich fragen, wie lange man die Hilfe überhaupt braucht. Das ist ein generelles Problem bei Lern-Gadgets. Hat man die Fähigkeit drauf, brauch mach das Gadget nicht mehr.

Gerade beim lernen der ersten Akkorde sollte man den Aufwand nicht überschätzen. Ein E-Moll auf der Gitarre ist nun nicht so komplex, dass man sich den nicht in 5 Minuten merken kann.

Das Problem bei Anfänger ist eher die Gelenkigkeit der Finger. Man muss also nicht dauernd schauen, wie die Akkorde gehen, sondern verbringt die meiste Zeit damit, die Finger an die richtigen Positionen zu sortieren. Und da hilf die App nun auch nicht.

In wie weit die Handgelenkhaltung um die Wristruments ablesen zu können eventuell problematisch für die Erlernung der Gitarre sein könnte will ich eigentlich gar nicht erst anfangen. Anfänger könnten auch durchaus Probleme haben, am Anfang das Handgelenk soweit einzuknicken, dass die Wristruments Smartwatch ablesbar ist.

Kann mehr als nur Akkorde anzeigen (Bild: kickstarter / © Joe Corcoran)

Natürlich soll die App noch mehr können als auch Akkorde anzeigen. Skalen, Timings und ganze Songs solen sich einprogramieren können. Ich möchte nur bezweifeln, ob man bei so einem kleinen Display schnell genug reagieren kann, um die Informationen auch auf die Hände umsetzen zu können. Das fällt ja schon auf größeren Displays auch bei fortegrittenen Fähigkeiten nicht leicht.

Aber auch hier gilt wieder: Nichts genaues weiß man nicht. Zu wenig Informationen über die Features.

Low-cost Alternative

Und wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Wristruments im günstigsten Fall erst im Februar 2018 ausgeliefert wird könnte man doch glatt auf die Idee kommen, es bis dahin einfach mal mit Zettel und Stift auszuprobieren. Schreibt Euch den Akkord einfach auf ein Post-it und klebt den Euch an den Gitarrenkopf, den Hals oder meinetwegen auch das Handgelenk. Da habt Ihr sogar genügend Platz für einen zweiten Akkord und das in einer Größe, für die Ihr keine Brille braucht.

So einfach spart man Geld.

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