Virtual Reality Rolle – widerun

Endlich mal eine VR-Rolle widerun Trainer (Bild: kickstarter/ © widerun)

Endlich mal eine VR-Rolle widerun Trainer (Bild: kickstarter/ © widerun)

Manchmal muss man ja Geduld haben. Ich warte bekanntlich schon recht lange auf eine professionelle Lösung, um zuhause auf VR-Basis radeln zu können. Was ich mit Hausmitteln umsetzen konnte war hier ja schon vor fast 1 ½ Jahren zu lesen. Leider krankt meine Lösung zum einen am Lag der Streamingverbindung von Rechner zu Smartphone und zum anderen an dem Umstand, dass die Videos, die mir zur Verfügung stehen, weder 3D sind noch 360 Grad haben. Head-Tracking geht also nicht, was der Immersion erheblichen Abbruch tut. Und seinen wir mal ehrlich, die Abbildungsqualität der Durovis Dive ist zwar für den ersten Eindruck ganz nett, aber durch die lasche Aufhängung der Linsen ist man andauernd am nachstellen. Nicht ideal.

Professionelle Alternativen sucht man bis jetzt vergebens. Activetainment hat mit dem ebove ein Eisen im Feuer. Informationen sind da aber eher spärlich gesät.

Da ist es doch schön, da mit widerun ein weiterer Spieler das Feld betritt. widerun tritt im Gegensatz zum ebove nicht mit einem Trainer/Ergometer sondern mit einer Rolle an.

Trainer oder Rolle? Eher eine Geschmacksfrage. Trainer sind leiser, liefern aber oft ein nicht ganz so reales Fahrgefühl wie die Rolle. In die Rolle kann man ja sein eigenes Rad einspannen und braucht sich so um die Geometrie keine Gedanken machen. Auch der Pedalabstand ist bei Trainern oft ein Problem, das bei ausgiebigen Trainingsfahrten zu Knieproblemen führen kann. Auf der Rolle ist das kein Thema. Leider ist der Rollenbetrieb recht laut. Man sollte also keine lärmempfindlichen Nachbarn oder Mitbewohner haben. Am besten geht man in den Keller seines Einzelhauses.

Für mich persönlich ist der Lärm deshalb ein k.o.-Kriterium. Das liegt aber leider daran, dass ich in einem zwar schönen, aber leider doch recht hellhörigen Altbau wohne. Das möchte ich den Nachbarn nicht antun.

Nichtsdestotrotz freue ich mich über jede Firma, die sich an das Thema herantraut. Kommen wir also zum technischen. Der widerun Trainer ist ein Rollentrainer für Räder von 26“ bis 29“. Neben der Rolleneinheit gibt es zusätzlich noch eine Steuereinheit. Die kommt ins Spiel, wenn man im 3D-Kurs eigenständig fahren möchte. Ob man das braucht ist eine gute Frage. Als ich noch eine Tacx-Rolle hatte war das etwas, was ich nicht unbedingt vermisst habe. Da gibt es ja auch ein Frameset zum lenken, welches ich allerdings nicht hatte. Laut Kommentaren aus dem Bekanntenkreis ist das Lenken auf der Rolle jedoch nicht so 1:1 mit echtem Lenken zu vergleicht. In Echt spielt beim Lenken ja auch die Gewichtsverlagerung eine große Rolle. Wenn das wegfällt bleibt wenig vom eigentlichen Lenkgefühl übrig.

Das Hauptverkaufsmerkmal vom widerun ist das Vorhaben als Ausgabedisplay sich auf VR-Brillen zu konzentrieren. Oculus Rift ist der erstgenannte Kandidat. Interessanter Weise werden jedoch auch die Samsung Gear VR und Durovis Dive genannt. Die beiden Kandidaten sind im Gegensatz zur Rift ja Android-Geräte.

Die Kommunikation von Trainer zum PC und Smartphone wird via Bluetooth Low Energy gelöst. Das lässt vermuten, dass die entsprechende Software nicht nur für PC sondern auch für Android zur Verfügung gestellt wird. Hätte ich nichts dagegen.

Die Rolle selber soll einen Wiederstand von bis zu 800 Watt auf das Hinterrad bekommen. Damit ließe sich bei einem 80kg schweren Fahrer ein 15% Anstiegt simulieren… wenn nicht vorher schon das Rad durchrutscht. Ein ewiges Problem bei Rollentrainer in Kombination mit starkem Antritt.

(Bild: kickstarter/ © widerun)

(Bild: kickstarter/ © widerun)

Mit 300 Pfund für das komplette Set ist der Preis durchaus als günstig zu bezeichnen. Auf jeden Fall dann, wenn man die üblichen Kandidaten auf dem Markt wie Tacx, Wahoo und Co sich so anschaut. Ob der widerun Trainer qualitativ mit den etablierten Marken mithalten kann wird sich auch noch zeigen müssen.

Das Intro-Video ist etwas reißerisch und hinterlässt bei mir ein paar Fragezeichen. Primär sieht man Reallife-Videos. An einer Stelle wird man sogar von einem Rennradfahrer überholt und eingeblendet Daten suggerieren, dass es sich um einen live dabei seienden Mitfahrer handelt. So etwas ist natürlich nicht möglich. Auch frage ich mich etwas, wie widerun Reallife-Videos in 360 Grad und 3D aufnehmen wollen. Das dürfte nicht einfach sein.

Im Rest der Kampagne sieht man dann auch nur virtuelle 3D-Gelände. Die sind natürlich viel leichter zu erstellen, da man sich hier nicht um Kameraaufbau, Beleuchtung, Wetter, Verkehr, Anreise und so weiter kümmern muss. Wer da mitmacht sollte also damit rechnen, dass die Geschichte eher im virtuellen Raum als in der echten Welt stattfinden wird. Der gelieferte Strecken-Contend wird langfristig wohl auch starken Anteil an Erfolg oder Misserfolg haben. Wenn es nur ein bis zwei Strecken gibt ist der Unterschied zum Fahren im Keller dann auch nicht mehr groß. Da stellt dich auf absehbarer Zeit die Langeweile dann auch wieder ein.

Die geplante Auslieferung soll im April 2016 stattfinden. Einerseits ein gutes Zeichen, dass die Jungs und Mädels sich eine ordentliche Portion Zeit zur Finalisierung des Produkts gönnen. Anderer Seit besteht natürlich die Gefahr, dass in dem Zeitraum auch ein paar der etablierten Hersteller auf die Idee kommen, ihren Softwaresuiten eine VR-3D-Funktion zu spendieren. Behalten wir mal weiter im Auge.

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