Angeseilt – tex-lock, das textile Fahrradschloss

tex-lock, ein Seil als Fahrradschloss (Bild: ©Texlock GmbH)

Fahrradschlösser hatten wir hier im Blog ja schon so einige, etwas wie das tex-lock jedoch noch nicht. Um in meinen Blog Erwähnung zu finden ist es ja im Allgemeinen von Vorteil, irgendetwas „smartes“ an sich zu haben. Die Besonderheit des tex-lock ist jedoch, dass genau das fehlt.

Keine Technik, mit der man das Teil aufmachen oder überwachen könnte? Laaangweilig, oder? Aber keines Wegs. Beim tex-lock handelt es sich nämlich um ein Fahrradschloss auf rein textiler Basis.

Die meisten Vertreter der Produktkategorie geizen ja nicht mit komplexen und hochstabilen Metallen. Aber meist heißt der Einsatz solcher Materialien auch, dass man sich so einiges an Extra-Kg mit aufs Rad nehmen muss. Ärgerlich gerade bei den Kollegen, die gerne mal 50 Euro für eine Titanschraube ausgeben, damit das geliebte Fixi dann auch noch mal 3 Gramm leichter wird.

tex-lock, das Schloss aus der Reeperbahn

Wie reduziert man nun aber am besten Gewicht beim Schloss? Lassen wir doch einfach mal das ganze Metall weg. Das haben sich zumindest Alexandra Baum, Suse Brand und Katja Käseberg gedacht, als sie angefangen haben, das text-lock zu entwickeln. Kling ja recht deutsch. Ja, wir haben es hier mal wieder mit einer Kampagne aus unseren Landen zu tun.

Um die nötige Festigkeit und Sicherheit des text-lock zu erreichen, wurde von den Initiatorinnen ein Seil entwickelt, das aus verschiedenen Lagen geflochten wird. Auf fünf Schichten besteht ein tex-lock-Seil.

Im inneren sorgt eine Schicht dafür, Säge-resistent zu sein. Danach folgt eine Schnitt-Schutz-Lage, gefolgt von einem Feuerschutz. Lage 4 sichert gegen Wasser und ganz außen haben wir dann eine Dekor-Schicht für Optik und Tragekomfort.

Das Ganze ist natürlich deutlich leichter als ein herkömmliches Schloss. So ganz kommt man aber auch bei tex-lock nicht ohne Metall aus. Das Seil steckt in stabilen Metal-Ösen, die mit einem Vorhänge-, bzw. bei den längeren Varianten Mini-Bügelschloss gesichert werden.

Fünf Lagen sorgen für Sicherheit (Bild: kickstarter/©Texlock GmbH)

Komfortzone

Die Vorteile des tex-lock liegen somit klar auf der Hand. Leichtes Gewicht, angenehm zu tragen und zu berühren…. das kann man sich auch schon mal ein paar Kilometer länger um den Hals hängen, ohne gleich einen steifen Nacken zu bekommen. Auch die Verstaubarkeit dürfte deutlich besser sein als z.B. bei einem fetten Bügelschloss oder ner Motorrad-Kette.

Damit man das Schloss nicht immer in die Tasche stecken muss wird es auch eine Sattelhalterung geben. Hierfür muss man dann das Schloss mittels Magnet unter dem Sattel einklinken. Es baumelt dann so vor sich hin. Ob das auf die Dauer nicht auch etwas nervig sein kann muss sich zeigen. Ich bin ja eher Fan davon, dass alles seinen festen Platz hat. Wenn es wackelt hat es mir meist zu viel Luft. Wie fest die Verbindung via Magnet hält muss sich auch noch zeigen. Für die Stadt könnte es reichen. Einen Downhill würde ich damit nicht wagen. Ich wäre vermutlich immer unruhig durch die Befürchtung, dass das Schloss sich nach nem hartgenommenen Kantstein unbemerkt verabschieden könnte.

Was baumelt denn da? Ein Schloss (Bild: kickstarter/©Texlock GmbH)

Das tex-lock kann man in drei unterschiedlichen Längen ordern.

  • S=80cm
  • M=120cm
  • XL=180cm

Die XL-Version ist so gebaut, dass man die eine Öse durch die andere durchziehen kann und somit eine noch größere Reichweiter erreicht.

Die Preise liegen mit 68€ für die S-Version als Early-Bird bis hin zu 111€ für das XL-Schloss als normaler Deal durchaus im Rahmen dessen, was man für ein höherwertiges Schloss so ausgeben kann.

Sicher, sicher?

Bis hier hin bin ich vom tex-lock sehr begeistert. Cooles Konzept, gute Präsentation, Produktion in Deutschland. Technisch nicht allzu viele Stolpersteine. Klingt nach einer Kampagne mit sehr guten Chancen, ansatzweise pünktlich beim Kunden zu landen.

Die einzige, wirklich große Frage, die ich mir stelle ist: Wie sicher ist das Teil? Ok, es gibt ein Gif, bei dem ein wenig mit Feuer gespielt wird und man einen fetten Bolzenschneider sieht. Nur ist das leider nicht aussagekräftig genug um beurteilen zu können, wieviel und wie lange man dem Teil vertrauen kann.

Ein wenig ausführlicher wäre nicht schlecht. (Bild: kickstarter/©Texlock GmbH)

Als „Ich spring mal kurz in den Supermarkt“-Schloss sollte es vermutlich auf jeden Fall reichen. Man darf ja nicht vergessen, dass nicht hinter jeder Ecke jemand mit einem riesigen Bolzenschneider steht. So auf den ersten Blick sieht man ja auch nicht, dass das Schloss keinen Kern aus Kryptonit besitzt.

Ich frage mich nur, wie viele Räder am nächsten Morgen da stehen, wenn man das Schloss nutzt, um sein Drahtesel für ne lustige Nacht auf der Reeperbahn abstellt. Dort wird ja bekannter Weise heutzutage nicht mehr geflochten.

Um eine richtige Kaufempfehlung auszusprechen würde ich gerne noch mal ein Video sehen, in dem das tex-lock gegen ein, zwei klassische Vertreter der Zunft in vergleichbarer Preisklasse antritt. Bolzenschneider, Akku-Flex, Kältespray und gerne auch Cutter. Wenn das tex-lock dort ähnlich lange durchhält würde ich einen Versuch wagen.

Update 03.02.2017:

Es ist doch immer schön, wenn sich Start-Ups bei Kickstarter auf Fragen schnell zurück melden. Zeigt ja auch, dass die Macherinnen voll hinter der Sache stehen. tex-lock hat mir eben von einem früheren Prototypen ein Video geschickt, bei dem man sich ein besseres Bild darüber machen, welchen Aufwand man treiben muss um das tex-lock kaputt zu bekommen. Das sieht doch schon sehr sicher aus.

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