Die ultimative Daddelkiste? Startforce PI Tabletop Arcade-Emulator

So will man seinen Emulator haben - Starforce PI (Bild: kickstarter/© Marcel J. de Haan)

So will man seinen Emulator haben – Starforce PI (Bild: kickstarter/© Marcel J. de Haan)

Erstaunlich. Vor kurzem war ich noch hin und weg vom Pixel Vision, dem oberstylischen Game Boy Advanced-Ersatz von Love Hultén. Und jetzt, wenige Tage später, schickt sich eine weitere Emulator-Konsole an, das Pixel Vision von meinem aktuellen Haben-Wollen-Thron zu stürzen. Gemeint ist das Starforce PI, das jetzt bei kickstarter unterstützt werden kann.

Im Gegensatz zum Pixel Vision will das Starforce nicht an ein reines Handheld erinnern. So ist es auch nur bedingt für den Einsatz unterwegs gedacht, auch wenn ein 3000mAh zu etwa 5 Stunden kabellosen Gameplay einladen möchte.

Viel mehr standen die ganzen Tabletop-Arcade-Automaten aus den frühen 80ern Pate für das Konsolendesign. Diese vornehmlich mit LED bestückten kleinen Plastik-Kisten standen damals in vielen Kinderzimmern und stammen aus einer Zeit, in der die einzelnen Sprites noch als fest angelegte LEDs dunkel vor sich hin schlummerten, bis sie gebraucht wurden. Nix mit „Auflösung“, Modulen und dergleichen. Eine Kiste, ein Spiel, fertig.

Ganz so eingeschränkt ist das Starforce PI natürlich nicht. Vielmehr bedient man sich nur des Designs. Die Innereien stehen hingegen auf Höhe der Zeit. Als CPU werkelt ein Raspberry Pi B+ (ARMv6 @ 700MHz, 512MB Ram) vor sich hin, der jedoch in den höheren Pledges durch einen RasPi2 mit 1 Ghz ausgetauscht wird. Würde ich empfehlen.

Das 4,2“ Display arbeitet mit 320×240 Pixeln bei einem Seitenverhältnis von 4:3. Sehr schön, da dass das Seitenverhältnis der meisten älteren Konsolen gewesen ist. Ein Atari 2600 mit 16.9 sieht einfach nur blöd aus. Um das Gefühl der guten, alten Tabeltop-Arcades perfekt wieder in Erinnerung zu holen liegt das Display hinter einer abgedunkelten Scheibe mit Vergrößerungsfunktion. Sehr coole Idee.

Wem das Display nicht ausreicht kann das Starforce übrigens via HDMI auch an einen externen Monitor oder Fernseher anschließen. So macht man dann schnell aus einem Tabletop eine vollwertige Konsole. Zwei USB-Ports laden zur Erweiterung ein. Da ein Raspberry Pi verbaut ist gehe ich mal davon aus, dass hier durchaus Raum für Experimente vorhanden sein dürfte.

Eins der herausragenden Merkmale des Starforce dürften die Eingabegeräte sein. Es wird in der höchsten Version ein echter Arcade-Stick von Sanwa sowie entsprechende Buttons verbaut. Das ist 100% Spielhallentechnik und dementsprechend robust und präzise. Da reist man eher das Gehäuse auseinander als dass der Stick zu Bruch geht.

Mit einem Preis von 199 $ für die Standard und 239 $ für die schnelle Version liegen wir preislich sogar in einem recht günstigen Bereich. Da es sich um eine französische Produktion handelt wird wohl auch kein Zoll mehr hinzukommen.

Ich lehne mich jetzt mal soweit aus den Fenster um zu sagen, dass das Starforce PI für mich momentan das spannendste auf dem Markt der Retro-Emulation sein dürfte. So schön das Holz-Case vom Pixel-Vision auch ist, spätestens bei dem Stick entscheidet das Starforce das Rennen für sich. Zumindest in der Preisklasse unter vier Stellen. Wäre ja nicht so, als ob Love Hultén sich nicht über den Wert guter Arcade-Sticks bewusst wäre. Kostet bei ihm dann halt auch gleich 2500 $.

Ich sehe bei der Geschichte jetzt nur noch ein Problem. Das Fundingziel von 190.000 $ scheint mir leider sehr hoch gegriffen. Ich befürchte, dass das nur schwer zu knacken sein wird. Trotzdem wünsche ich Marcel J. de Haan, dem Initiator des Starforce PI viel Glück. Vielleicht schafft er es ja doch.

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