Ich schau dir in das Auge – Solos Smart Cycling Glasses

Wo ist das HUD? Solos Smart Cycling-Brille (Bild: kickstarter/© solos-wearables.com)

Wo ist das HUD? Solos Smart Cycling-Brille (Bild: kickstarter/© solos-wearables.com)

Nach dem Google die Google Glas gegen die Wand gefahren hat zur Evaluierung der professionellen Einsatzmöglichkeiten aus der öffentlichen Diskussion zurückgezogen hat, ist es um das Thema Smart Glasses ja sehr still geworden. Doch gibt es immer noch einen Bereich, bei dem noch eine Entwicklung stattfindet. Sport. Ok, das war jetzt naheliegend. Hier ergibt so ein Smart-Glas wohl auch mit dem aktuell technisch möglichen Stand der Dinge am meisten Sinn.

Am längsten auf der Bühne dürfte sich Recon mit der Recon Jet tummeln. Zuletzt hat sich dann Garmin mit der Varia Vision dazu gesellt. Umso schöner ist es, das sich mit der Solos Smart Cycling Glas ein weiterer Vertreter des Head Up Displays für Sportler an den Markt getraut hat.

Wie die beiden anderen Kandidaten ist Solos mit einem kleinen Head-Up-Display ausgestattet, über das man während der Fahrt oder dem Lauf die aktuellen Werte direkt im Sichtfeld sehen kann, die einem interessieren. Man muss nicht mehr auf einen Radcomputer schauen oder den Arm zur Uhr heben.

Ein paar zusätzliche Gimmicks wie Lautsprecher und Mikrofone sind natürlich auch verbaut. Nur wie setzt sich Solos gegenüber den beiden Mitbewerbern ab?

Alle drei Kandidaten arbeiten mit der gleichen Auflösung (16:9 WQVGA). Die Akkulaufzeit dürfte auch bei allen drei Kandidaten in ähnlichen Bereichen liegen. Ich vermute mal, dass alle drei nach spätestens 5 bis 6 Stunden an die Dose müssen.

Die Recon Jet ist mit diversen Sensoren ausgestattet und hat GPS gleich mit an Bord. Das fehlt sowohl der Garmin als auch der Solos. Diese holen sich die Daten über einen angekoppelten Radcomputer bzw. Smartphone. Ohne sind beide also relativ nutzlos. Vorteil dieses Verzichts ist allerdings, dass die Abmessungen der Solos und der Garmin im Vergleich zur Jet erheblich kleiner gehalten werden können.

Während die Jet mit ihrem großen Akkupack und der unten angeflanschten Displayeinheit eher aussieht wie eine Mischung aus Nachtsichtgerät und Space-Gadget hat Garmin seine Varia Vision so eingedampft, dass sie nur ein kleiner Klops zum anklippen an eine bestehende Brille ist.

Man braucht halt nicht so große Akkus, wenn die Daten nicht direkt im Gerät generiert werden.

Solos liegt ein wenig dazwischen. Im Gegensatz zur Garmin haben wir es hier mit einer vollwertigen und vor allem hochwertigen Brille zu tun. Die Displayeinheit ist dabei aber so klein geraten, dass sie fast erst auf dem zweiten Blick zu sehen ist. Minimal klobig wirkt die Brille eigentlich nur durch die eingebauten Lautsprecher, was unter einem Helm aber erst recht nicht auffallen dürfte.

 (Bild: kickstarter/© solos-wearables.com)

(Bild: kickstarter/© solos-wearables.com)

Während bei der Jet das Display fest im unteren Bereich des Sichtfeldes platziert ist kann man das bei Solos und Garmin in gewissen Rahmen selber justieren.

Theoretisch dürften sich also die Garmin und die Solos recht ähnlich sein. Mal davon abgesehen, dass man bei der Garmin noch eine bereits vorhandene oder noch zu kaufende Brille als Träger benötig. Der große Unterschied liegt in der Anbindung an die Umwelt. Während man bei Garmin auf eine sehr geringe Anzahl von Garmin Radcomputer und seit neuestem einer Sport-Uhr eingeschränkt ist, reicht bei Solos ein ansatzweise aktuelles Smartphone aus. Das sollte die Kosten des Gesamtsystems deutlich senken.

Da  lohnt sich natürlich auch ein Blick drauf. Während die Jet aktuell gut 500 $ kostet muss man bei Garmin nur 400 $ zahlen. Die Solos kostet in der Kickstarterkampagne genau so viel. Wer noch einen Early Bird erwischt braucht nur 250 $ zu zahlen.

Bei den  500 $ für die Jet sollte man im Hinterkopf behalten, dass diese mit mehr Sensoren, GPS und einer Kamera ausgestattet ist. Ok, auf die Kamera kann man vermutlich verzichten. Die Videos werden nicht mit denen einer guten Action-Cam an einer vernünftigen Halterung vergleichbar sein.

Bei der Garmin müsste man eigentlich noch die Kosten für eine Brille und den nötigen Garmin-Computer hinzu rechnen, so man diese noch nicht hat. Wird dann also ein ganzes Stück teurer.

So gesehen steht die Solos auch preislich sehr gut da. Leider muss man bei ihr dann wieder ein Smartphone mitschleppen, was zumindest beim Laufen etwas nervig ist. Aber vielleicht lässt sie sich ja auch mit einer günstigen Android-China-Smartwatch befeuern. Die Dinger gibt es bei gearbest ja auch schon für weit unter 100 $.

Soviel zumindest zu den harten Fakten. Wie die Software der Brillen sich schlägt ist so aus der Ferne für mich natürlich nicht zu beurteilen. Garmin hat ja so einiges an Erfahrung in dem Bereich Sporttechnologie vorzuweisen. Recon werkelt schon lange genug an der Jet herum um dort etwas Brauchbares auf die Beine gestellt zu haben.

Das interessante an der Solos dürfte sein, dass hier vom Start der Entwicklung an mit dem Team USA Olympic Cycling zusammen gearbeitet wurde. So kann man wohl hoffentlich davon ausgehen, dass hier der Nutzen für die Sportler im Vordergrund stand und nicht die Meinung der Mutter der Frau vom Chef.

Auch die geteilten Bilder aus der Entwicklung machen einen realen Eindruck auf mich. Man ist hier aus der „Ich zeige nur 3D-Renderings“-Phase wohl eindeutig schon raus.

Das sieht doch nach richtiger Entwicklung aus... (Bild: kickstarter/© solos-wearables.com)

Das sieht doch nach richtiger Entwicklung aus… (Bild: kickstarter/© solos-wearables.com)

Der Einzige wirklich große Nachteil, den ich aktuell ausmachen kann (von den üblichen Crowdfunding-Bedenken mal abgesehen) ist, dass aktuelle nur nach Nordamerika verkauft wird. Der Versand nach Europa wird noch eruiert. Wer sich an kickstarter@solos-wearables.com wendet kann sich aber benachrichtigen lassen, wenn der internationale Versand möglich ist. Die Early Birds werden dann aber wohl leider schon durch sein.

Tl;dr;

Die Solos ist eine Smart Glas für Rennradler (und Läufer) mit einem sehr dezent integriertem Head Up Display zu einem guten Preis. Die Mitwirkung des Team USA Olympic Cycling bei der Entwicklung lässt auf eine gute Usability hoffen.

 

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