Spielzeug? Gameband, die Smartwatch für Gamer

Atari-Games am Handgelenk. Ein Traum für alle Retro-Gamer – Gameband (Bild: kickstarter/© FMTwo Game Inc.)

Mit dem Gameband kommt hier seit langem mal wieder ne Smartwatch in den Blog. Wirklich viel ist in dem Bereich ja in den letzten beiden Jahren nicht los gewesen. Nach dem ersten großen Hype ist nach der Apple-Watch ja nicht mehr viel gekommen. Und da Fitbit jetzt nun sowohl mit Pebble als auch mit der Vector-Watch die einzigen beiden Vertreter des Genres geschluckt und zerkaut hat, die mit wirklich alltagstauglicher Laufzeit aufwarten konnten, bleibt einem zur Zeit nur der Griff zur Apple Watch oder zu einer Sport-Uhr a la Garmin, wenn man etwas brauchbares am Handgelenk haben möchte.

Ihr seht, ich bin und war nie ein Fan von Google Wear. Der Umstand, dass da schon seit Monaten nichts Neues gekommen ist, gibt mir da glaube ich recht.

Aber zurück zum Gameband. Hier gibt es endlich mal einen neuen Ansatz. Zumindest auf dem ersten Blick. Beim Gameband handelt es sich um eine Smartwatch, die „für Gamer“ gedacht ist. Klasse. Passt. Da denke ich mir doch, dass man mit dem Teil ein nettes, kleines Spielgerät fürs Handgelenk bekommt. Mal schauen, ob das auch hinkommt.

Inside Gameband

Schauen wir uns erst mal die technischen Daten an. Im Gameband steckt ein Qualcomm Snapdragon Wear 2100 Prozessor. Mit vier Kernen, die bis 1,2 GHz getacktet werden können, haben wir hier also ganz gut Power unter der Haube, die auch noch extra für den Wearable-Bereich designet worden ist. Hoffen wir also, dass der Energieverbrauch sich deshalb ansatzweise in Grenzen hält.

Das 1,6“ AMOLED-Display löst mit 320×320 Pixeln auf. Eine normale Auflösung, aber mit einem, für eine Smartwatch doch recht großem Display. Meist muss man ja eher mit 1,4“ leben. Für die Ausrichtung auf Gamer also eine gute Wahl.

Der 400mAh Akku ist jetzt kein Größenwunder. In wie weit der im Zusammenspiel mit dem ansatzweise modernen Chip für entsprechende Laufzeiten reicht ist allerdings schwer vorher zu sehen. Man darf ja auch nicht vergessen, dass das Display ein Tick größer als bei den meisten Konkurrenten ist.

Mit 512 Mb Ram ist man für meinen Geschmack etwas knapp bemessen, zumal ein Betriebssystem auf Android 6.0.1 Basis zum Einsatz kommt. Ah, ein einigermaßen aktuelles Android und kein Android Wear. Das ist auf jeden Fall auf der Haben-Seite zu notieren. Es gibt ja mittlerweile eine Unmenge an China-Uhren auf dem Markt, nur laufen die zu einem großen Teil noch mit Android 4.4.

Aber zu Software später etwas mehr.

Hausmannskost

Die 4 GB Rom sind auch keine Unmenge, sollten aber für die meisten Anwendungsgebiete ausreichen. Immerhin besitzt das Gameband noch einen Micro SD-Slot. Wer also unbedingt seine komplette Musiksammlung mitschleppen möchte sollte damit also die Möglichkeit haben.

Die restlichen technischen Daten des Gameband sind eigentlich Standard. Bewegungssensoren, Wifi, Bluetooth – alles an Bord. Lediglich der mittlerweile opportune Herzfrequenz-Sensor (meines Erachtens sind die Dinger völlig überbewertet) und ein GPS-Chip fehlen dem Gameband. GPS ist etwas schade. Aber man möchte sich bei diesem Projekt nicht auf Sportler sondern halt auf Gamer konzentrieren. Verständlich. Sport können andere Uhren eh viel besser.

Das Gehäuse sieht recht stylisch aus. Der verbaute MicroSD-Slot und ein USB-C Port dürften allerdings dafür sorgen, dass man mit der Uhr nicht Tiefseetauchen spielen sollte. Gummi-Deckel scheinen zur Abdeckung zu dienen. Da bin ich mir jetzt nicht so ganz sicher. Wenn ja dürfte es aber zuweilen etwas fummelig werden.

Auch die Terrania-Version sieht ganz cool aus. (Bild: kickstarter/© FMTwo Game Inc.)

 

Dreimal scheißt muht die Kuh am Tag

Es gibt drei unterschiedliche Versionen des Gameband. Eine komplett schwarze Version, eine rote Atari-Edition und eine Terrania-Edition in dunklem Metall. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob die drei Versionen sich auch von der Software her unterscheiden. Es kann eventuell sein, dass z.B. die klassischen Atari-Spiele nur auf der Atari-Version drauf sind. Aber wie gesagt, da habe ich die Kampagne nicht so ganz durchdrungen.

Auf jeden Fall machen die drei Versionen optisch durchaus etwas her. Gerade die rote Atari-Version hat es mir ein wenig angetan. Mich würde mal interessieren, in wie weit Atari dort mit drin steckt. Nicht, dass die irgendwann ihre Anwälte losschicken und das Projekt abstellen lassen.

Verspielt?

Kommen wir zum Haupt-USP der Kampagne: Die Ausrichtung auf Gamer. Generell kann man ja ein wenig anzweifeln, in wie weit ein Smartwatch-Display sich zum Spielen eignet. Wobei ich hier sagen würde, dass es vom Spielkonzept abhängt. Es gibt durchaus auch Konzepte, die auf kleinen Displays funktionieren.

Was mir jedoch beim Gameband als erstes aufgefallen ist dürfte der Umstand sein, dass sich hier keiner richtig Gedanken um spieltaugliche Steuerelemente gemacht hat. Selbst auf dem Smartphone nervt es zuweilen, dass die dicken Finger im Weg sind. Bei 1,6“ wird es dann nicht nur sehr duster auf dem Display, auch die Treffergenauigkeit dürfte suboptimal sein. Man sieht ja nicht, wo man hin tippt.

Der größte Fehler, den meines Erachtens das Gameband sich also leistet ist, dass es keine dedizierten Buttons gibt, mit dem man etwaige Spiele steuern kann. Und wieso? Weil es vermutlich deutlich mehr Entwicklungsaufwand bedeuten würde. So nimmt man einfach einen SoC von der Stange, lässt sich ein  Gehäuse drehmeln, fertig. Da jetzt noch Bedienelemente mit einzubinden bedeutet bei der kleinen Größe nicht geringen Mehraufwand. Aber man kann es auch positiv sehen. Wird auf Standard-Kost gesetzt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt auch beim Kunden landen wird.

Nix für dicke Finger (Bild: kickstarter/© FMTwo Game Inc.)

Die ist beim Gameband übrigens glaube ich durchaus gegeben, da hier wie gesagt nichts wirklich neu erfunden wird. Außerdem hat die Firma schon Erfahrung mit der Herstellung von Wearables. Nur ob die Uhr sich wirklich gut zum Spielen eignet ist eine gute Frage. Ich würde das mal eher als Gimmick betrachten, das man später eher selten nutzen wird.

Es steht und fällt die Geschichte letztendlich wie immer damit, wie gut die Software und vor allem die Companion-App laufen wird. Die beste Smartwatch taugt nichts, wenn sie die eingehenden Daten vom Smartphone nicht zuverlässig auf die Uhr bekommt. Das lässt sich allerdings jetzt freilich noch nicht beurteilen.

Die im Video gezeigt Möglichkeit, die Uhr an einen Rechner anzuschließen und dann auf dem Rechner Spiele spielen zu können halte ich übrigens für großen Käse. Das geht auch mit jedem x-beliebigen USB-Stick.

Unter dem Pong-Balken

Das Gameband an sich gefällt mit rein optisch schon. Ich denke auch, dass die Hardware-Basis durchaus solide werden kann. Die Chance, dass man hier für sein Geld auch ein Produkt in die Hände bekommen wird, sind auf Grund des Geplanten und der Historie der Firma durchaus gegeben. Da die Early Bird natürlich alle schon weg sind und man nun 150 $ plus Nebenkosten investieren muss könnte man hier natürlich sich auch sagen, dass man wartet, bis die Teile bei Amazon zu haben sind.

Würde dann vermutlich zwar noch mal 50 $ mehr kosten, erspart einem dann aber den Ärger mit der Einfuhr beim Zoll. Je nachdem, wie sich der Preis dann entwickelt, kann sich der Mehrpreis durchaus wieder aufheben, da man ja auch nicht vergessen darf, dass man bei der Einfuhr neben den Zoll-Gebühren auch noch die Mehrwertsteuer ablatzen darf.

Einzig und alleine die Ausrichtung auf das Spielen halte ich aktuell für fragwürdig. Zumindest für die gezeigten Games ist die Touch-Eingabe via Screen einfach nicht geeignet. Sollten dedizierte Spiele, die auf die fehlenden Buttons Rücksicht nehmen und gute Spielkonzepte anbieten, auf den Markt kommen, könnte die Uhr durchaus einen Unterhaltungswert haben. Nur vermute ich, dass zumindest Fremdentwickler sich dann eher an eine Umsetzung für die Apple-Watch machen werden, als sich an einem doch recht kleinen Ökosystem zu versuchen.

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