Hoch das Glass – Recon Jet, Flass und GlassUp Datenbrillen

Bezahlbare Smart-Glass: die GlassUp aus Italien (Bild: © GlassUp srl-cr )

Bezahlbare Smart-Glass: die GlassUp aus Italien
(Bild: © GlassUp srl-cr )

Google Glass setze ich mal als bekannt voraus. Auch wenn Brillen als Wearbles noch sicherlich ein bisschen Zeit brauchen, biss sie gesellschaftlich tragbar sind, finde ich die Idee an sich sehr spannend.  Googles Glass ist leider a) nicht frei käuflich und b) schlichtweg noch zu teuer. Immerhin scheint Google weiterverkaufte Glasses nicht mehr sperren zu wollen. Aber nichts desto trotz: 1500 $ für ein Gadget, dessen Alltagstauglichkeit noch nicht mal ansatzweise feststeht ist schon ein happen.

Ich persönlich finde Datenbrillen ja primär als Sportgerät interessant. Dort hat man zum einen nicht das Problem, schief angesehen zu werden und wenn doch ist man ja meist eh recht flott unterwegs und somit schnell weg. Beim Sport macht so eine Brille glaube ich auch am meisten Sinn. Normaler Weise hat man ja i.d.R. eine Hand frei und im Bedarfsfall das Smartphone schnell in der Hand. Ein 5“ Screen, den man direkt bedienen kann dürfte angenehmer im Handling sein als ein Display vor dem Auge, das momentan noch relativ schlecht aufgelöst ist und dessen Bedienung auch noch nicht mit den klassischen Informationsgeräten mithalten kann. Sprachsteuerung bei der Glass ist zwar vielleicht schon praktikabel aber Hand aufs Herz: Wer möchte in aller Öffentlichkeit schon seiner Brille Sprachbefehle erteilen. Ich nicht.

Beim Sport sieht es anders aus. Hier hat man nicht immer die Hand frei und wenn doch, wie z.B. beim laufen ist man meist so in Action, dass man die Hand nicht lange genug hochhalten kann/will, wie man über z.B. die aktuelle Geschwindigkeit informiert werden möchte.

Recon Jet

Datenbrille für Sportler - die Recon Jet. Sogar ganz ansehnlich. (Bild: ©Recon Instruments)

Datenbrille für Sportler – die Recon Jet. Sogar ganz ansehnlich.
(Bild: ©Recon Instruments)

Doch welche Möglichkeiten bieten sich dem geekigen Sportler, ohne das Technik-Budget gleich für den Rest des Jahres auf den Kopf zu hauen? Als erstes fällt mich da die Recon Jet ein. Ist zwar auch noch nicht in freier Wildbahn zu finden, da Recon aber schon recht viel Erfahrungen mit Ski-Brillen mit gleicher Technik hat traue ich denen zu, dass die die Jet in absehbarer Zeit auch ausliefern. Die Erfahrung dürfte sich auch in der Benutzeroberfläche und dem Screendesign der angezeigten Informationen niederschlagen. Ausserdem sieht die Jet für meinen Geschmack sehr cool aus, zumindest solange man sie als Sport-Brille nutzt.  Mit knapp 600 $ ist sie erheblich billiger als die Google Glass, aber immer noch recht happig im Preis. Das muss auch billiger gehen.

Flass / MiGlass

Das absolute Ultralowbudget-Projekt im Bereich Smart-Glass war in der letzten Zeit die Flass von Nathan Myers. Momentan ist es da allerdings etwas ruhig drum geworden. Das aktuelle Stichwort bei Myers heißt zur Zeit MiGlass. Es existiert dazu bis jetzt nur eine Google+-Gruppe, aber vielleicht nimmt die Geschichte ja langsam Fahrt auf.

 GlassUp

Wem das noch zu weit weg ist könnte auch noch mal einen Blick auf die GlassUp werfen. Hierbei handelt es sich um ein italienisches Projekt. Das Grundkonzept der Brille basiert darauf, einen günstigen Preis dadurch zu erreichen, relativ wenig Schnick-Schnack in die Brille zu stopfen. Eine Kamera fehlt in der Grundversion. Ebenso ist ein GPS verbaut. Auf Lagesensoren braucht man aber nicht verzichten. Vorteil der fehlenden Kamera dürfte sein, dass man nicht ganz so offensiv in der Öffentlichkeit erklären muss, dass man gerade niemanden gefilmt hat. Nachteil wird sein, dass man nicht in Echtzeit den Namen des knackigen Gesäßes, googeln kann, dass im Wettkampf einem diverse Kilometer Windschatten gespendet hat. GPS findet man eh in jedem gekoppelten Smartphone.

Die GlassUp aus Italien.(Bild: © GlassUp srl-cr )

Die GlassUp aus Italien.(Bild: © GlassUp srl-cr )

Projiziert wird über einen kleinen Projektor direkt auf die Scheibe der Brille. Das monochrome Bild hat nach aktuellem Stand der Dinge eine Auflösung von 320×240 Pixel. Grafikorgien sind also nicht zu erwarten. Für das Einblenden von Informationen sollte es aber vollkommen ausreichen.

Die Bedienung erfolgt über Touchpad. Die GlassUp soll bei Auslieferung sowohl mit IOS als auch mit Android zusammen arbeiten können. Windows Mobile 8 ist in Planung.

Das Design der Brille in den Renderings sieht sehr chic aus. Das können die Italiener ja. Wenn die Brille getragen wird wirkt sie je nach Träger und abgebildeten Prototypen ein bisschen breit. Aber im Großen und Ganzen ist sie ein gelungenes Stück Produkt-Design.

Die Geschichte der GlassUp ist schon etwas länger. So ist eine Indiegogo-Kampagne im Juli/August 2013 nicht erfolgreich zu Ende geführt worden. Das war für GlassUp jetzt kein Grund, die Geschichte ad Acta zu legen. Vielmehr hat man weiter entwickelt und den Interessenten die Möglichkeit gegeben, die Brille via eigenem Web-Shop vorzubestellen. Die Standard-Version kommt auf gerade mal 299$. Wer auf eine Kamera nicht verzichten will kann aber auch eine Version für 399$ ordern.

Da GlassUp den Firmenstand laut Website in Modena, Italien hat würde mich jetzt interessieren, in wie weit für Europäer da noch Steuern und Zoll auf den Preis drauf kommen. Eigentlich dürfte das ja nicht der Fall sein. Dann wären bei aktuellem Kurs nur 222 € fälltig. Da könnte man ja durchaus schwach werden.

Laut FAQ sollen die ersten Brillen im Februar 2014 ausgeliefert werden. Wenn man sich den letzten Prototypen von der CES anschaut wage ich dies jedoch sehr zu bezweifeln. Ein Produkt, was kurz vor der Auslieferung steht sollte auf einer Messe eigentlich ohne Klebeband zusammenhalten können.

So ganz überzeugt war die gute Frau von cnet noch nicht von der GalssUp. Die Plastikgläser sollen wohl noch nicht wirklich optimal für die Durchsicht geeignet sein. Hier könnte es sich als Nachteil erweisen, dass die GlassUp die Informationen in den mittleren Bereich des Glases einblendet. Damit die Projektion wirklich gut sichtbar ist muss das Glas (oder das Plastik) auch in der Lage sein,  diese zu reflektieren. Das geht vermutlich zu Lasten auf die Qualität der Durchsicht.

Generell kann man auch über die Einblendung von Informationen direkt in das Sichtfeld streiten. Wenn man mit Fahrrad oder Auto unterwegs ist könnte sich das sogar als Sicherheitsrisiko erweisen. Letztendlich müsste man das aber wohl mal selber ausprobieren.

Die GlassUp ist ein interessanter Mitstreiter im Bereich Smart Glasses. Wie weit sie wirklich ist wage ich momentan nicht so orakeln. Im Blick sollte man sie aber trotzdem behalten.

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