Plattfuß in Amerika – patchnride Reparaturset für platte Reifen

Lochwegmaschine patchnride (Bild: indiegogo/© patchnride)

Lochwegmaschine patchnride (Bild: indiegogo/© patchnride)

Radel, radel, pfffffffft. Ja, so ein Plattfuß am Rad ist schon blöde. Vollgummireifen haben sich am Fahrrad ja irgendwie nie so durchgesetzt und so ziehen wir seit Dunlops Zeiten mit luftgefüllten Pneus unsere Kreise. Da kann so ein Nagel schon mal der Tour ein vorzeitiges aus bereiten.

Welche Methoden fallen uns jetzt auf Anhieb ein, um uns aus dieser misslichen Lage zu befreien? Nr. 1 dürfte der Ersatzschlauch sein. Setzt natürlich voraus, das entsprechende Werkzeug zum Ausbau des Laufrades dabei zu haben. Mit Schnellspannern ist das kein Problem, wer nen Stadtdrahtesel fährt muss aber schon ein bisschen mehr Eisen mit sich rum schleppen. Am Rennrad geht das ganz flott. Hatte ich mal bei den Cyclassics vor der Köhlbranbrücke. Da ist das primäre Problem eher ohne Unfall aus dem Pulk an den Fahrbahnrand zu steuern. Der Schlauchwechselt hat mich damals so etwa 5 Minuten gekostet. Ärgerlich, aber kein Drama. Gehöre ja den Leuten an, die möglichst lange etwas von so einem Event haben wollen.

Flicken wäre die zweite Möglichkeit. Bei einem Radrennen natürlich keine Option. Setzt natürlich auch ein bisschen Werkzeug voraus. Zur Not kann das Laufrad montiert bleiben und man zieht nur den Schlauch unter dem Mantel hervor. Ist aber nur zu empfehlen, wenn man die Position des Loches relativ genau orten kann. Wenn nicht muss man ja den Mantel noch mal nach Fremdkörpern absuchen, was bei montierten Mänteln eher schwer sein dürfte. Die Ortung des Loches ist hierbei eins der Hauptprobleme. Nicht immer ist es so eindeutig, dass man die austretende Luft einfach so spüren kann. Wasser hilft, ist aber nicht immer vorhanden. Und hat man Wasser dabei muss man noch einen Behälter finden, in das man es kippen kann um dort den Schlauch einzutauchen. Tipp: Eine aufgekrempelte Plastiktüte reicht dafür aus.

Da hilft auch kein Flicken mehr - ein abgerissenes Ventil (Bild: O.Thiele)

Da hilft kein Flicken und auch kein patchnride mehr – ein abgerissenes Ventil (Bild: © O.Thiele)

Die dritte Methode ist die einfachste, setzt aber den Abbruch der Tour voraus. Einfach in den Bus steigen oder mit dem Telefon jemanden anrufen, der einen abholt. Fühlt sich aber irgendwie geschummelt an. Wobei mich das jetzt an eine Tour mit nem Kumpel die Kampenwand rauf und wieder runter erinnert. Bei der Abfahrt hat er tatsächlich vier Schläuche verbraucht. Vom Platten bis zum abgerissenen Ventil war alles dabei und der einzige Fahrradladen im Dorf hatte schon zu. Da kann man dann mal sich von jemandem mitnehmen lassen.

Wer noch eine weitere Methode zur Schnellreparatur sucht kann mal einen Blick auf das patchnride Reparaturset bei idiegogo werfen. Sieht so auf dem ersten Blick ganz interessant aus. Wie es funktioniert habe ich allerdings nicht so ganz verstanden. Klingt ein bisschen nach Wunderwerk.

Zur Not reicht eine Wasserflasche und eine Plastiktüte aus um ein Loch zu finden. (Bild: © O.Thiele)

Zur Not reicht eine Wasserflasche und eine Plastiktüte aus um ein Loch zu finden. (Bild: © O.Thiele)

Das patchnride sieht ein bisschen wie eine Luftpumpe aus. Hat man einen Platten muss man zuerst das Loch finden. Da ja selten noch ein Nagel im Reifen steckt stellt sich das gar nicht so einfach dar. Um die Suche zu erleichtern liegt dem patchnride noch so eine Art Feuchttuch dabei, mit dem na über den Mantel wischt. Ja, genau, den Mantel und nicht den Schlauch. An der Stelle des Lochs sollen sich dann Blasen bilden. Soll sogar bei MTB-Reifen funktionieren. Fragt sich nur, wie man mit dem Tuch zwischen die Stollen kommt.

Wurde das Loch gefunden kommt nun das Tool zum Zuge. An der „Luftpumpe“ befindet sich vorne dran eine kurze Kanüle, die man mit einer Drehbewegung in das Loch reindreht. Vorab soll man jedoch den Mantel zusammendrücken, damit zwischen Manteldecke und Schlauch sich ein Hohlraum bildet. In diesen wird jetzt das Flickmittel beziehungsweise* der Flicken injiziert. Hierfür zieht man am patchnride einen Hebel einmal hin und wieder her. Jetzt muss nur noch aufgepumpt werden und der Reifen ist geflickt. Die Pumpe muss man übrigens extra dabei haben. Auch wenn der patchnride aussieht wie eine kann man damit trotzdem nicht den Reifen wieder aufpumpen.

Klingt ja eigentlich zu schön um war zu sein. Ob damit wirklich zuverlässig ein Loch geflickt werden kann? Schwer zu sagen. Gefühlt würde ich da eher Zweifel anmelden.

Natürlich betont auch der Hersteller, dass patchnride nicht bei jedem Plattfuß funktioniert. Snake Bites zum Beispiel können damit nicht geflickt werden. Ich vermute auch, dass alle Arten von Löchern, die unten z.B. durch ein verrutschtes Felgenband, entstehen, nicht geflickt werden können. Durch die Felge wird man patchnride ja wohl kaum stechen können. Auch abgerissene Ventile lassen sich damit freilich nicht reparieren.

So gesehen ist patchnride also nicht die Universallösung für platte Reifen. Und wenn man sich die Größe des Teils so anschaut kann man genau so gut auch einen Ersatzschlauch und ne Runde Flicken mitnehmen. Und wer ganz ängstlich ist kann auch auf Pannenspray und pannensichere Mäntel zurückgreifen. Erst recht, wenn man sich den stolzen Kurs des Teils anschaut. Der eigentliche patchnride kommt für 30 $ daher. Darin sind zwei Flicken und zwei Lochdetektoren enthalten. Bei 20 $ Shipping sind wir dann schon bei 50 $. Und das um nur zwei Löcher flicken zu können. Das wäre selbst ohne Shipping (Amis haben es da besser) noch mehr Geld pro Loch als ein neuer Schlauch kostet. Sind die Flicken alle kann man drei Flicken für 25 $ nachordern. Wird nicht billiger.

Teurer Spaß. Das Startset für zwei Plattfüße kostet 30$. Nich-Amerikaner zahlen noch mal 20 $ Shipping extra (Bild: indiegogo/© patchnride)

Teurer Spaß. Das Startset für zwei Plattfüße kostet 30$. Nich-Amerikaner zahlen noch mal 20 $ Shipping extra (Bild: indiegogo/© patchnride)

In Anbetracht der Tatsache, dass a) die Kisten enorm hoch sind, b) nicht jegliche Art von Loch geflickt werden kann und c) ich mir nicht vorstellen kann, dass man die Löcher so einfach orten kann ist patchnride mal wieder ein grandioses Beispiel für eine sehr coole Idee, die man aber leider nicht braucht. Nehmt lieber einen Ersatzschlauch und etwas Werkzeug mit auf die nächste Tour. Dürfte auch nicht viel mehr Platz wegnehmen.

 

* Kleine Anmerkung. In der Regel versuche ich das Wort „beziehungsweise“ zu vermeiden, da es in 90 % aller Fälle falsch verwendet wird und eher ein Zeichen dafür ist, dass derjenige, der es einsetzt das Thema nicht verstanden hat. Da genau dies bei der Funktionsweise des patchnride bei mir jedoch der Fall sein könnte erlaube ich mir in diesem Fall einfach mal dieses schlimme Wort 🙂

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