Somewhere behind the rainbow – die Pivothead SMART Brille

Smartglass SMART von Pivothead (Bild: indiegogo.com/ © Pivothead)

Smartglass SMART von Pivothead
(Bild: indiegogo.com/ © Pivothead)

Smartglasses sind ja seit Google Glass ein beliebter Gegenstand der Betrachtung in allen technikaffinen Blogs der Welt. Die Anzahl der Vertreter in dieser Gattung ist noch sehr überschaubar. Neben der Google Glass, die ja aber auch nicht wirklich frei auf dem Markt erhältlich ist fällt mir da momentan nur die Recon Jet ein, die zwar frei bestellbar ist, aber wohl erst im nächsten Frühjahr ausgeliefert wird. Von Samsung gibt es zwar schon Gerüchte, aber die sind noch extrem vage. Es ist also noch Zeit, sich in diesem Zukunftsmarkt einen guten Startplatz zu organisieren.

Bei Indiegogo wärmt sich hierfür gerade Pivothead mit der  Pivothead SMART auf. SMART steht in diesem Fall für „Simple Modular Application-Ready Technology“. Da war jemand mal kreativ. Aber macht die SMART etwas anders als Glass und Jet? Ja. Der ganze Ansatz unterscheidet sich. Glass und Jet setzten als primäres Element ihrer Brillen ein HUD (Head up Display) ein, mit dem den Träger Informationen ins Sichtfeld eingeblendet werden. Auch wenn beide Brillen mit Kamera ausgestattet sind liegt hier der Schwerpunkt eher auf dem Konsum von Daten. Augemented Reality, Navigation und so weiter.

LED-Leiste der SMART (Bild: indiegogo.com/ © Pivothead)

LED-Leiste der SMART
(Bild: indiegogo.com/ © Pivothead)

Das ist bei der Pivothead SMART anders. Sie ist eher auf das Erzeugen von Daten ausgerichtet und verzichtet deshalb auf ein HUD. Sie setzt für das Feedback zum Träger lediglich zwei LED-Leisten á 5 LEDs am oberen, inneren Rad der Brille ein. Ein Konzept, dass schon in einigen sportnahen Brillenkonzepten zu finden war. Die LEDs können unterschiedliche Farben darstellen. So ist zwar eine Rückmeldung an den Träger möglich, aber nichts so einfach verständlich wie bei einem Display, da hier erst einmal gelernt werden muss, was die LEDs zu welcher Zeit zu bedeuten haben. Der Verzicht auf ein HUD hat aber auch eindeutig Vorteile. Neben viel geringerem Energiebedarf wird der Träger nicht vom Display abgelenkt. Wenn man mit der Glass auf der Nase die Straße entlang radelt und dabei seinen Google+-Status updated und die neuesten Messages checkt kann es schon passieren, dass man die beiden Typen übersieht, die die Glasscheibe über die Straße tragen. Von den möglichen rechtlichen Problemen mal  gar nicht zu sprechen. So ist in Kalifornien zum Beispiel der erste Strafzettel für das Tragen einer Glass beim Autofahren verteilt worden, da hier beim Autofahren nicht auf Displays geschaut werden darf. Das wäre mit der SMART nicht passiert, da diese mit den LED nur auf Dinge hinweisen, diese aber nicht konkrete Inhalte anzeigen kann.

Beim Markt-Start der Brille wird diese dann auch nur über den Status selbiger (Akku, Speicher, Operationsmodus) und den Status der eingebauten Kamera berichten können. Die „Community“ ist dazu aufgerufen, Dinge wie Benachrichtigungen (SMS, Facebook, Twitter) und Turn-by-turn-Navigation per SDK nachzureichen. Hoffen wir mal, dass die „Community“ zahlreich genug sein wird.

Die wirklich gute Idee der SMART ist die Modularität. So können hinten auf die Bügel extra Akkus oder Kommunikationsmodule gesteckt werden. Akku leer? Einfach einen neuen drauf stecken. So bekommt man dann auch einen kompletten Marathon aufgenommen. Die Auswahl an Modulen ist allerdings überschaubar. Ein Akkumodul mit üppigen 1000mAh, ein Wifi-Modul (LIVE Mod), dass die Full-HD-Videos der eingebauten Kamera in ein W-Lan-Netz streamen können soll und ein Modul (Air Mod) mit Smartphone-ähnlicher Ausstattung, dass  die komplette Range an Sensoren, Prozessoren und Netzwerkmöglichkeiten auffährt. Ich denke, dass das Air-Mod die bessere Wahl als das Live Mod sein dürfte besonders dann, wenn man mit Brille mehr machen möchte, als sie nur als Kamera einzusetzen.

Das Ait Mod-Modul (Bild: indiegogo.com/ © Pivothead)

Das Ait Mod-Modul
(Bild: indiegogo.com/ © Pivothead)

Das Air Mod arbeitet mit Android und  ist mit einem 1,3 Ghz A7 Dualcore ausgestattet, kann via Wifi und Bluetooth funken und hat neben 9 Lagesensoren auch noch NFC und GPS eingebaut. Will man mit der Brille auch Tonmaterial hören kommt man ohnehin nicht um das Air Mod rum. Nur hier sind nämlich Lautsprecher sowie Ein- & Ausgänge verbaut. Abgerundet wird das Ganze noch durch einen Kartenslot für Micro SD-Speicherkarten, der allerdings auch in dem Live Mod verbaut ist. Ziemlich viel für so einen kleinen Klotz.

Die Brille scheint aber auch komplett ohne Module betrieben werden zu können. Allerdings taugt sie dann wirklich nur zur Kamera, da solo keine Verbindung zu anderen Geräten aufgenommen werden kann. Mit eingebauten 16 GB Speicher passen aber einige Minuten Film in das Teil rein.

Wie ich schon oben geschrieben habe positioniert sich die Smart eher als Gerät zum Content generieren. Da kommt es nicht von ungefähr, dass die eingebaute Kamera eine zentrale Position einnimmt. So wird in der Projektbeschreibung die SMART nicht nur mit der Google Glass sondern auch mit einer GoPro Hero3 Black Action Cam verglichen. Pivothead hat sich da selber die Latte sehr hoch gelegt, ist die GoPro  momentan mit eine der besten ActionCams auf dem Markt. Dass in dem Feld reine Daten eher nachrangig sind kann man schnell sehen, wenn man sich mal Vergleichsvideos mit anderen Action Cams anschaut. Da separiert sich sehr schnell Spreu vom Weizen. Wenn die SMART auch nur ansatzweise in die Qualitätsregion der GoPro vorstoßen kann wäre das eine echte Leistung.  Ich kann es mir aber irgendwie nicht so ganz vorstellen.

Unter dem Strich steht die Pivothead Smart ein bisschen zwischen den Stühlen. Eine reine Smartglass will sie nicht sein, dafür fehlt ihr das Head-up Display. Die Ausrichtung auf Sport, wie bei der Recon Jet fehlt ihr auch. Dafür sieht sie zu brav aus und dürfte nur bedingt z.B. fürs Rennradfahren geeignet sein, zumal dort ja mittlerweile die Schaltzentralen am Rad auch schon so umfangreich sind, dass man auf Informationen via LED-Anzeige gut verzichten kann. Für eine Action Cam ist sie auch nur ein Kompromiss. Wenn man sich mal anschaut, auf wie viel Arten und Weisen man eine GoPro am Helm und Rad befestigen kann wird einem schnell klar, dass eine Kamera fest in der Brille nicht sehr viele Möglichkeiten offen lässt.

Die unterschiedlichen Module sind eine schöne Idee, kranken jedoch an der geringen Auswahl selbiger. Über das Design der Brille verliere ich jetzt keine Worte. Das ist zu sehr Geschmackssache. Bei 400 $ für das komplette Paket sollte man sich etwas genauer überlegen, ob man das Teil braucht. Immerhin bekommt man Kameras im Brillengestell schon locker für unter 50 Euro.

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