Voll auf die Ohren – Ora-X Smart-Glass-Kopfhörer

Smartglass mit Kopfhörer... oder anders herum (Bild: indiegogo/ © Optinvent)

Smartglass mit Kopfhörer… oder anders herum (Bild: indiegogo/ © Optinvent)

Es ist doch immer wieder schön, ein paar alte Bekannte aus dem Blog wiederzusehen. Im heutigen Fall geht es um die Firma Optinvent, die vor über einem Jahr bei kickstarter die Google Glass-Alternative ORA-1 Smart Glasses an den Mann gebracht hat. Das mittlerweile für 950 $ zu bestellende Teil richtete sich ja primär an Entwickler und ihm sollte die Endkundenversion Ora-X folgen. Und genau die wurde jetzt bei indiegogo mal wieder als Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Die Ora-X unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich von der Ora-1. War die Ora-1 noch weitestgehend von der Konstruktion her an die Google Glass angelehnt orientiert sich die Ora-X in die Richtung Kopfhörer. Außerdem liegt man preislich weit unter dem, was man für die erste Version berappen musste. Der Early Bird geht bei 350 $ los. Für eine Smartglass schon mal ein recht günstiger Kurs. Später im Geschäft wird man dann aber etwa 600 $ auf den Tisch legen müssen.

Auf den ersten Blick könnte man bei der Ora-X denken, einen normalen Kopfhörer vor sich zu haben. Auf den schnelle zweiten Blick würde man weiterdenken und sagen: Oh, ein Headset. Ab mitnichten. Das, was im hochgeklappten Zustand an das Mikrofon eines Gaming-Headsets erinnert, ist die optische Einheit, die vor das Auge geklappt werden kann. Dieses hat ein FOV von etwa 22 Grad, was etwa einem 70“-TV in ungefähr 4,5 Metern Entfernung entspricht. Details zur Auflösung habe ich so auf Anhieb nicht gefunden.

Im Gegensatz zur Google Glass ist die Ora-X ein vollwertiges Android-Device. Es ist mit einem nicht näher genannten Dual Core Prozessor ausgestattet und besitzt die komplette Bandbreite an Sensoren und Funk, die man von einem Android-Gerät ohne Simcard erwarten kann.

Betrieben wird das Teil mit einem 2000 mAh-Akku, der bei „normalem“ Betrieb etwa 8 Stunden durchhalten soll. Zur Steuerung ist in den Hörmuscheln ein Trackpad und Steuertasten verbaut.

Selbstreden ist natürlich auch eine Kamera mit an Bord. Diese löst mit 5 Megapixeln auf.

(Bild: indiegogo/ © Optinvent)

(Bild: indiegogo/ © Optinvent)

Ein bisschen Skeptisch bin ich bei dem Teil schon. Der Preis ist natürlich interessant. Ich frage mich jedoch, wer sich sowas in der Öffentlichkeit aufsetzen will. Ich persönlich würde ein Smart Glass am ehesten beim Sport nutzen. Mit den Micky Mäusen würde ich aber bestimmt nicht gerne Laufen wollen. Von der Angst mal abgesehen, dass die beim Laufen hin und her wackeln könnten, stelle ich mir da schon alleine die Frage nach der Hygiene. Und selbst wenn man die Ohrpolster abnehmen und waschen könnte, dürfte das der Haltbarkeit nicht unbedingt förderlich sein.

Die Kopfhörer-Bauart ist für mich also Ausschlusskriterium Nr. 1. Es wird jedoch sicherlich den einen oder anderen Hippster-Nerd geben, der damit klar kommen wird. Vielflieger könnten sich bestimmt auch für das Gerät begeistern. Für diese sollte sich dann die Frage stellen, ob sie mit 8 Stunden Laufzeit auskommen werden. Wobei die 8 Stunden natürlich sehr relativ sind. Was ist bei so einem Gerät die „normale“ Nutzung? Display andauernd an und sich berieseln lassen? Oder nur ab und zu mal sich was anschauen? Schwer zu beurteilen, ohne weitere Details zu wissen. Ein bisschen frage ich mich auch, ob man bei dem doch recht voluminösen Design nicht noch ein bisschen Mehr Akku hätte verbauen können.

Was auf jeden Fall für die Ora-X spricht ist, dass Optinvent schon ein Produkt aus dieser Kategorie finalisiert hat. Das lässt hoffen, dass die Entwicklung der Ora-X schon so weit gediehen ist, dass die Fallstricke überschaubar sein dürften. Wobei jetzt natürlich auch ein Blick auf den Vorgänger interessant sein würde. Richtige Reviews habe ich auf die Schnelle da leider nicht gefunden. Die drei Bewertungen bei Amazon sind nicht so prall, sollte jedoch mit der Info im Hinterkopf gelesen werden, dass die Ora-1 immer als Developer-Version gehandelt wurde und somit nicht den Anspruch hat, ein Endkundenprodukt zu sein.

Was man auch bedenken sollte ist, dass man trotz vollwertiger Andoid-Ausstattung vermutlich nicht auf ein gekoppeltes Smartphone verzichten können wird. Zumindest dann nicht, wenn man nicht gerade Zugriff auf ein Wlan hat und Content aus dem Netz beziehen möchte.

Die Ora-X vereint insgesamt eine Menge interessanter Ideen. Für mich ist sie in dieser Kombination leider jedoch eher uninteressant.

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