Game-Boy Man – Nintendo Switch (aka NX)

Tablet mit Dockingstation... und endlich ein gutes mobiles Kontroller-Konzept (Bild: © Nintendo)

Tablet mit Dockingstation… und endlich ein gutes mobiles Kontroller-Konzept (Bild: © Nintendo)

Nintendo hat die Katze aus dem Sack gelassen. Die neue Konsole wird keine NX, keine Duo sondern eine Nintendo Switch. Da kann sich der alte Konsolen-Onkel natürlich einen Kommentar nicht verkneifen.

Wie schon viele Gerüchte vermutet hatten, handelt es sich bei der Switch um ein Zwischen-Ding aus stationärer Konsole und Handheld. Klingt ein wenig nach nem schönden Tablet. So auf dem ersten Blick scheint es das auch zu sein. Da technische Details noch weitestgehend fehlen kann man natürlich erst mal nur das Äußere beurteilen. Und hier haben wir es tatsächlich erst mal mit nem Tablet zutun. Allerdings gibt ein paar Details, die die Switch z.B. vom Nvidia Shield Tablet unterscheiden.

Was Switcht denn da?

Die offensichtlichste Innovation dürfte die Dockingstation sein. Man kann die Switch einfach einstecken und schon wird das Bild auf den Fernseher geholt. Ok, das ist jetzt eigentlich auch nicht so das technische Wunder. Nur muss man hier dann halt nicht das Brett irgendwo hinlegen und Strom und HDMI-Kabel dranstopfen. Sieht ja nicht schön aus und dauert 2 Sekunden länger.

Sollte durch die Dockingstation nicht noch zusätzliche Rechenpower dazukommen haben wir es hier also lediglich mit einem leichten Komfortgewinn zutun.

Der zweite Punkt auf der Feature-Liste dürften die abnehmbaren Kontroller sein. Hier scheint mir der „Must-Have“-Faktor wesentlich höher zu sein. Auf beiden Seiten der Konsole kann man zwei Kontroller-Einheiten schnell an- und abdocken. Unterwegs ist damit das Tablet gut zu bedienen. Für den Stationären betrieb kann man die Kontroller abnehmen und an einen Kontroller-Docker anstecken. So bekommt man dann ein vollwertiges Gamepad. Natürlich funktionieren auch gesonderte „echte“ Gamepads.

Der Witz bei den Andock-Teilen ist jedoch, dass beide Seiten auch separat funktionieren und so gleich zwei Personen als Steuereinheit dienen. Ob zwei Personen gut auf so einem kleinen Bildschirm zusammenspielen können sei mal dahingestellt. Aber für die Fahrt in den Urlaub auf der Rückbank sollte es schon reichen. Man muss sich aber wohl schon gern und der Mitspieler vorher keinen Döner gegessen haben.

The good

Mit dem abnehmbaren Controller-Konzept wird meines Erachtens das größte Problem beim Tablet-Gaming endlich mal adressiert. Was nämlich bis jetzt sowohl iPad als auch allen Android-Tablets fehlte ist ein brauchbare Bedienkonzept für Spiele. Touchscreens sind zwar nett, bieten aber keinerlei haptisches Feedback. Außerdem verdeckt man mit den Flossen immer einen Teil des Screens.

Zwar gibt es noch die Neigungssteuerung (für ernsthafte Gamer aber wohl eher ein Witz) und Bluetooth-Game-Controller. Aber letztere kämpfen meist mit Kompatibilitäten und den Umstand, dass nach ein paar Minuten Untätigkeit die Verbindung in der Standby geht und man dann neu paaren muss. So ist es mir zumindest bis immer ergangen. Wenn Nintendo da mit einem ausgereiften Konzept auf den Markt kommt… könnte klappen.

Mit mobilen Telespielen hat Nintendo immer ein gutes Händchen bewiesen und nein, der Virtual Boy war nicht mobil. Das spricht für die Switch.

Der Umstand, dass viele Spieler als potentielle Kunden Nintendo gerade wegen des Software-Line-Ups die Treue halten könnte hier auch zu einem Erfolg beitragen. Die zu erwartende Rechenpower wird an PS4 und Xbox wohl nicht wirklich vorbeiziehen können. Wenn sie überhaupt gleichziehen können wird. Das ist bei Mario, Zelda und Co. jedoch nicht so wichtig.

Vom mobilen Gaming versteht Nintendo etwas (Bild: © Nintendo)

Vom mobilen Gaming versteht Nintendo etwas (Bild: © Nintendo)

The bad

Da bleiben wir gleich mal beim Thema Rechenpower. Ein Tablet wird nie mit einer echten Konsole mithalten können. Wirkliche Grafikorgien sind also nicht zu erwarten und das Thema VR ist damit auch gegessen. Dafür wird es nicht reichen. Aber da dürfte Nintendo eh keinen Stich gegen die Play Station ziehen können. Also vielleicht doch nicht so verkehrt, sich auf einem Terrain zu halten, auf dem man noch punkten kann.

Wirklich beurteilen lässt sich Switch hier freilich noch nicht. Man müsste wissen, welches Betriebssystem dahintersteckt und mit welcher zusätzlichen Softwareausstattung man rechnen kann. Sehr clever wäre es von Nintendo, wenn sie auf Android setzen würden und somit die Switch schon gleich auf eine Unzahl von Apps zurückgreifen könnte. Sie würde dann so auch gleich als vollwertiges Tablet und nicht nur als Spielekiste durchgehen.

Schottet Nintendo die Switch jedoch ab wird es stark von den zusätzlichen Apps abhängen, ob man mit der Switch z.B. sein Galaxy Tab oder iPad ersetzen kann. Man darf ja nicht vergessen, dass nicht wenige potentielle Kunden abwägen werden, ob sie zwei Tablets brauchen. Wenn die Switch die Funktionen des anderen Tablets nur halbherzig beherrscht besteht die Gefahr, dass sie nach kurzer Zeit dann doch wieder in der Ecke landen wird, da zumindest der Casual-Gamer dann doch das normale Tablett in die Hand nehmen wird. Heutzutage will man ja doch eher schnell zwischen Game und App hin- und her switchen… am besten ohne das Gerät wechseln zu müssen. Mal schauen, ob Nintendo es hier richtigmacht.

Ich habe jedoch ein wenig die Befürchtung, dass die üblichen Nintendomanager die gleiche Überheblichkeit an den Tag legen werden, wie schon bei der Wii und der Wii U. So sind diese nicht mit DVD und Blueray-Abspielmöglichkeiten ausgestattet worden, da ja eh schon jeder sowas zuhause hätte. Käääse. Wenn man Geräte reduzieren kann macht man das gerne. Nicht jeder will 20 Kisten unter dem TV stehen haben. Die gleiche Argumentation könnte Nintendo bei der Switch wieder anführen. Da ja jeder schon ein Tablet und ein Smartphone habe, brauche die Switch das nicht. Das wäre wirklich trauig. Aber hoffen wir mal das Beste.

The ugly

Für Sammler ist die Switch gefühlt nichts. Im Gegensatz zu allen anderen Konsolen von Nintendo haben wir es hier zum ersten Mal mit einem Gerät zutun, das nicht durch eigenständiges Design heraussticht. Eher mit einem 08/15-Tablet, dass man so, oder so ähnlich genau so gut auch bei gearbest oder irgendeinem anderen China-Höker seiner Wahl finden könnte. Für das Regal ist das nichts. Schade, schade. Aber hoffen wir mal, dass es die eine oder andere Sonderedition mit brauchbarer Lackierung geben wird, damit das auch etwas her macht.

Tl;dr

Die Nintendo Swicht ist eigentlich nur ein Tablet mit Docking-Station. Die abnehmbaren Kontroller und die Software werden entscheiden, ob das Teil etwas taugen wird.

 

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