Mäuseklavier – Logitech G600, die perfekte Photoshop-Maus (Review)

Logitech G600 MMO-Maus

Logitech G600 MMO-Maus

Wer professionell mit Adobe-Programmen umgeht kennt es. Man muss sich hunderte Tastenkürzel merken wenn man ansatzweise effektiv arbeiten möchte. Adobe geht ja so weit, dass relative viele Funktionen  ohne Zuhilfenahme der Tastatur gar nicht erst ausführbar sind. Ich sag nur: Strg, Alt, Shift. Beidhändiges Klavierspiel ist eindeutig von Vorteil. Hat man kleine Hände oder will man nebenbei einen Kaffee trinken hat man ein Problem.  Und selbst wenn nicht kommt man zuweilen nicht umhin, die Hand von der Maus zu nehmen um mal wieder einen Shortcut in die Tasten zu hacken. Oder schafft es von euch jemand, Strg+Alt+I mit einer Hand zu drücken um in Photoshop die Bildgröße zu ändern? Wenn ja, Hut ab.

Ich mache es mir ein bisschen leichter

Was kann man aber nun machen, um sich seinen eigenen Arbeitsablauf etwas einfacher zu gestalten? Die erste Anlaufstelle dürfte die Einstellung der Tastaturkürzel sein. Hier ist Adobe ja glücklicherweise recht offen. Der Einfachheit halber werde ich mir ab jetzt übrigens einfach auf Photoshop beziehen. Das nutze ich den ganzen Tag und habe dort die größte Erfahrung mit.

Man überlegt sich zuerst, welche Kommandos man am häufigsten am Tag benötigt und legt diese dann auf der Tastatur so um, dass man sie mit einer Hand erreichen kann. Da jeder andere Anforderungen an Photoshop hat ist das leider nicht zu verallgemeinern. Ein Web-Designer nutzt ganz andere Funktionen als ein Bildbearbeiter. Man muss sich also erst mal über seine Arbeitsabläufe im Klaren sein. Generell etwas, das nicht schaden kann. Das ist auch gar nicht so schwer. Zuerst kann man mal brainstormen, welche Funktionen einen direkt einfallen. Diese schreibt man auf. Danach nimmt man den Zettel und beobachtet sich einfach mal bei einem normalen Arbeitstag. Nutzt man eine Funktion gibt es einen Strich auf dem Zettel. Funktionen, die man noch nicht notiert hat nimmt man neu auf. Das ist zwar etwas nervig und wirklich produktiv wird man an dem Tag auch nicht sein, danach weiß man aber, welche Tasten und Tastenkürzel man an einem Arbeitstag am häufigsten braucht. Diese legt man sich dann alle so auf die Tastatur, dass man sie mit einer Hand erreichen kann, auch wenn diese Tasten in Kombination mit Strg & Co. genutzt werden.

Mit Zubehör wird’s weniger schwör…

Mit optimierten Tastaturkürzeln hat man schon ein bisschen gewonnen. Aber es geht noch besser. Die Auswahl an Computermäusen ist heutzutage ja schier unendlich. Interessanter Weise gibt es aber kein Hersteller, der sich speziell an Grafiker, Designer und Fotografen wendet. Es gibt zwar Tastaturaufkleber und für Video- und Soundtüftler spezielle Tastaturen, aber das war es dann auch schon. Wenn sich also keine Firma dazu bequemt, uns persönlich zu hofieren schauen wir also über den Gartenzaun. Mal überlegen: wer gibt viel Geld für sein Hobby aus und braucht auch viele Shortcuts auf der Tastatur? Richtig, der Gamer. Dieser kann auf eine unglaubliche Fülle an technischem Spielzeug zurückgreifen, die ihm mehr Abschüsse im Egoshooter garantieren.

Belkin Nostromo GamePad 52n als Gangschaltunf für mein Daum 8008

Belkin Nostromo GamePad 52n als Gangschaltunf für mein Daum 8008

Mein erster Blick viel auf mein gutes, altes Belkin Nostromo 52n Speedpad, dass sein Dasein als virtuelle Gangschaltung an meinem Ergometer fristet. Zum Spielen kommt man ja leider nicht mehr. Gut zu programmieren, viele Tasten, liegt gut in der Hand. Aber wenn man es genau nimmt auch kein sehr großer Unterschied zu einer normalen Tastatur mit angepasstem Short-Cut-Satz. Man braucht immer zwei Hände. Immerhin liegen dort Steuerkreuz/Pfeiltasten so, dass man diese nutzen kann, ohne die Hand groß bewegen zu müssen.

Konzentrieren wir uns also auf die rechte Hand, spricht auf die Maus.  Viele Funktionen erfordern viele Tasten. Moderne Gaming-Mäuse bieten da eine Menge Möglichkeiten. Auf der Suche nach der Maus mit den meisten Tasten bin ich auf die Logitech G600 MMO Gaming Mouse gestoßen. Wie der Name schon andeutet ist hier nicht der waffenverliebte Ego-Shooter-Fanatiker die Zielgruppe sondern eher der Massively Multiplayer Online Gamer, kurz MMO. Die Maus kommt mit sage und schreibe 20, zum Großteil doppelt belegbaren Tasten daher. Man sollte meinen, dass das erst mal ausreichen sollte. Schaun mer mal.

Zahlenspiele

Das Stoff ummantelte Kabel der G600

Das Stoff ummantelte Kabel der G600

Erst mal ein paar Daten.  Die G600 ist eine kabelgebundene Maus. Das Kabel ist allerdings kein schnödes Plastikkabel sondern Stoff-ummantelt. Sieht schicker aus. Viel flexibler wird es aber dadurch nicht. Als Pluspunkt können wir aber verbuchen, dass man kein Akku aufladen muss. Das Kabel ist mit 2 Metern lang genug um auch etwas weiter weg stehende Rechner zu erreichen. Mit den  Abmessungen 118 mm x 75 mm x 41 mm sollte man nicht zu kleine Hände haben. Eine normale Durchschnittshand liegt aber gut auf und kann problemlos alle Tasten erreichen. Mit 133 Gramm Gesamtgewicht liegt die Maus gut auf dem Tisch auf. Kein Leichtgewicht, das beim kleinsten Windstoß vom Tisch fliegt. Präzises Arbeiten dürfte davon durchaus profitieren.  Der Laser kann die Tischoberfläche mit einer Auflösung von 200-8200 dpi abtasten. Gerade für Pixel-genaues Arbeiten hat man hier also sehr viel Spielraum, die Auflösung der Maus anzupassen.

Die Maus ist allerdings nur etwas für Leute, die diese mit der rechten Hand bedienen. Durch Anordnung der Tasten und der Gehäuseform macht die Nutzung mit Links keinen Spaß. Der in der Kreativ-Branche weit verbreitete Linkshänder schaut also in die Röhre.

Tastenspiele

Der Hauptgrund, warum wir uns die G600 anschauen sind ihre Tasten. Davon hat sie gleich offiziell 20 Stück mit an Bord. Diese verteilen sich wie folgt:

  • 3 Haupttasten
  • 12 Daumentasten an der rechten Seite der Maus
  • 1 klickbares Scrollrad, zur Seite neigbar (entspricht also vor, zurück, links, recht, klick)
  • 2 Tasten oben auf der Maus

Wenn man das Scrollrad mit seinen 5 Funktionen so auch mitzählt kommt man sogar auf 22 Tasten. Hut ab. Der Ziffernblock auf der rechten Seite ist übrigens beleuchtet. Durch freie Farbwahl der Beleuchtung zeigt die Maus an, welches Tastatur-Set gerade aktiv ist. Das ist zumindest für den Anfang ganz praktisch, wenn man noch nicht so den Überblick über seine Programmierung hat. Später, nachdem man die Tastenkommandos verinnerlicht hat, ist die Beleuchtung eigentlich nur noch ein nettes Gimmik, da man beim Arbeiten nicht mehr auf die Maus schaut.

Der Ziffernblock an der Maus

Der Ziffernblock an der Maus

Die Ergonomie des Ziffernblocks ist genau nach meinem Geschmack gelöst. 4 Reihen á 3 Tasten liegen so, dass man sie bequem mit dem Daumen erreichen kann. Jeweils zwei Reihen sind zueinander geneigt, d.h. man hat zwischen Reihe 1 und 2 sowie zwischen Reihe 3 und 4 eine Vertiefung. In Kombination mit zwei Erhebungen auf den beiden inneren Tasten hat man so immer genau im Gefühl, wo der Daumen gerade liegt. Die Gefahr, eine falsche Taste zu drücken ist dadurch nach  etwas Einarbeitungszeit sehr niedrig.

Die generelle Verarbeitung ist wie für Logitech typisch hochwertig. Die Tasten haben alle einen gut definierten Druckpunkt. Nichts wackelt oder klappert. Das Material macht einen schönen optischen Eindruck und fasst sich angenehm an. Die Maus gibt es in Schwarz und in Weiß. Auch wenn die weiße Version cooler aussieht (erinnert so schon an Imperiale Sturmtruppen) würde ich eher zur schwarzen Version raten. Wenn man sich in Kaufhäusern die weißen Nager aus dem Probierregal man zu Gemüte führt erkennt man schnell, dass die nicht lange weiß bleiben. Heinweis zu den Gebrauchsspuren auf den Fotos. Die dort abgebildete Maus ist seit gut einem halben Jahr gut 8 Stunden täglich im Einsatz. Dafür hat sie sich doch bis jetzt sehr gut gehalten.

Mäusehirn

So viele Tasten wollen verwaltet werden. Out of the Box sind die Daumentasten mit Zahlen belegt. Wer nicht gerade Banker ist wird damit nicht viel anfangen können. Man kommt also nicht umhin, die Konfigurationssoftware auf seinem System zu installieren. Diese kommt etwas spacig daher. Die Hauptzielgruppe ist da wirklich nicht zu leugnen.

Noch eine interessante Tatsache vorweg. Die Maus besitzt einen eingebauten Profilspeicher. In diesen kann die Konfiguration der Tasten abgelegt werden. Dadurch sollte es auch möglich sein, die Maus mit dem gewünschten Tastatursatz auch an Rechnern einzusetzen, auf denen die Logitech-Software nicht installiert ist. Da es diese z.B. nicht für OS-X gibt dürfte es so trotzdem möglich sein, die Maus an einem Mac zu nutzen. Einfach an einem Windowsrechner konfigurieren und dann umstöpseln. Die Frage ist nur, wie man die Apple-Taste emuliert. Ich denke aber, dass das rauszufinden sein sollte. Alle anderen Kommandos funktionieren auf anhieb problemlos.

Homescreen der Konfigurationssoftware

Homescreen der Konfigurationssoftware

Zurück zur Software. Je nachdem, ob man die Profile nun aus der Maus oder vom Rechner aus nutzen möchte kann man sich auf dem Homescreen entsprechend entscheiden. Nutzt man die auf dem Rechner abgelegten Profile hat man die Möglichkeit, diverse für unterschiedliche Spiele angepasste Konfigurationen zu verwenden. Da wir aber gerad arbeiten wollen ignorieren wir diesen Punkt erst mal. Wir wenden uns dem intern abgelegten Profil zu. Da die Software diese direkt aus der Maus ausliest dauert dies etwa ein bis zwei Sekunden. Also nicht ungeduldig werden. Ist diese erst mal geladen geht es flott weiter.

3 mal 2 macht 132

Tastenkonfiguration

Tastenkonfiguration

In das Mäusehirn passen drei Konfigurationen, d.h. doppelte Belegungen der Tasten. Für jede Taste kann man nämlich zwei Belegungen abspeichern. Einmal die Aktion, die bei normalem Tastendruck und einmal eine Aktion, die bei zusätzlich gedrückter „G-Schaltung“ ausgeführt wird. Die G-Schaltung kann man sich wie die Shifttaste vorstellen. Welche Taste der Maus die G-Schaltung aktiviert ist frei konfigurierbar. Ich zum Beispiel habe die G-Schaltung auf die ganz rechte Haupt-Maustaste gelegt. Jeder Konfiguration kann ein Farbschema der LED-Beleuchtung zugeordnet werden. Das hilft zu unterscheiden, welche Konfiguration aktuell aktiv ist. Wer es bunt mag kann die Beleuchtung sogar pulsieren oder in der Farbe wechseln lassen.

Das gewünschte Profil wählt aus, in dem man unter „Modus wählen“ eins der drei Kreissegmente auswählt. Achtung! Öffnet man den Konfigurator wird immer das obere Segment/1. Profil ausgewählt und damit auch gleich in der Maus aktiviert. Arbeitet man meist mit z.B. dem zweiten Profil und will nur mal kurz in die Konfiguration schauen kann es schon mal vorkommen, dass man beim Verlassen die falsche Konfiguration aktiviert hat. Bei sich ähnelnden Profilen kann das schon mal zur Verwirrung führen, wenn die Maus etwas anderes als erwartet macht. Beim Verlassen also immer darauf achten, dass das richtige Profil aktiv ist. Hier kann man über die Farbe des Tastenblocks aber auch nach Verlassen des Tools noch mal kontrollieren, wenn seltsame Dinge passieren. Da hatte ich am Anfang viel Spaß mit.

Die einzelnen Tasten lassen sich einfach mit einem rechten Mausklick auf selbige im Tool zuweisen oder bearbeiten. Alternativ kann man auch auf einen kleinen nach unten zeigenden Pfeil klicken. Da der zuweilen aber über einer anderen taste eingeblendet wird würde ich eher darauf verzichten. Schnell ist damit die falsche Taste bearbeitet. Man hat die Wahl zwischen  Mausfunktionen ( Rechts-/Linksklick, Auflösung ändern, G-Schaltung usw. ) und Tastendruckbefehlen. Ein paar vorgefertigte Tastaturkommandos kann man direkt per Selectbox anwählen. Ist die gewünschte Kombination nicht dabei gibt man diese einfach im entsprechenden Textfeld ein. Das geht alles sehr schnell und einfach.

Die doppelte Belegung erreicht man, in dem man im Konfigurationsfenster den kleinen Schalter von Normal auf G-Schaltung umlegt. Änderungen am Tastenlayout werden sofort in die Maus übertragen. Man kann sofort damit arbeiten.

Neben der Tastenkonfiguration bietet die Software noch Einstellmöglichkeiten für die Auflösung der Maus sowie für die Farbschemas, die man den unterschiedlichen Konfigurationen zuordnen kann.

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Die drei Haupttasten, Scrollrad und die beiden Top-Buttons

Hat man sich vorab genügend Gedanken über die Tastenbelegung gemacht ist die Konfiguration der Maus schnell und einfach erledigt. Der schwierige Teil kommt erst danach. Man muss sich erst einmal die Belegung der Tasten eintrichtern. Wer nicht gerade ein fotografisches Gedächtnis hat braucht ein bisschen dazu. Wer die Konfiguration komplett selbst vornimmt hat da aber durchaus einen Vorsprung. Es hilft auch, sich die Tastenbelegung noch mal auszudrucken. Gerade am Anfang empfehle ich, so wenig wie möglich wieder auf die normale Tastatur zurück zu greifen. Macht man es doch wird man vor ihr nicht los kommen. Ist wie mit dem Rauchen. Hält man sich dran sollten die Kommandos in ein, zwei Tage schon gut drin sein. Nach einer Woche will man nicht mehr ohne. Nicht verzagen, wenn es am Anfang noch etwas langsamer ist als die Tastatur. Mit ein bisschen Übung wird man mit der G600 relativ schnell flotter als mit der Tastatur. So habe ich es zumindest bei mir beobachtet.

Mehr Tasten her

Unter dem Strich kann ich glaube ich sagen, dass die Maus eine erhebliche Erleichterung meiner Arbeitsabläufe ist. Man muss sich allerdings ein bisschen auf sie einlassen und sich die Mühe machen, ihre Bedienung zu erlernen. Das geht nicht von jetzt auf gleich. Ganz perfekt ist sie allerdings noch nicht. Jetzt bitte nicht lachen: ich hätte gerne mehr Tasten. Das Problem sind die heiß geliebten Strg,  Alt und Shift. Da man diese ja je nach Werkzeug in Photoshop in unterschiedlichen Kombinationen drücken muss um z.B. statt einer Elipse einen Kreis zu ziehen muss ich immer noch relativ oft die zweite Hand zur Hilfe nehmen. Leider sind die Daumentasten ergonomisch nicht dafür geeignet, davon zwei oder drei gezielt und sicher gleichzeitig zu drücken und alle Kombinationen einmal durchbelegen wird mir dann doch zu unübersichtlich. Aber ab und zu die Kaffeetasse absetzen ist bei der Arbeit ja auch nicht verkehrt.

Ich kann die G600 jedem Designer, der es sich etwas einfacher machen will nur wärmstens ans Herz legen und wundere mich, warum Logitech das Potential dieser Maus im gestalterischen Gewerbe noch nicht erkannt hat.

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Die Logitech G600 von der Seite

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