Lichtspiele – Dlodlo V1 VR-Brille

VR-Brille statt Sonnenbrille - die Dlodlo V1 (Bild: © Dlodlo.com)

VR-Brille statt Sonnenbrille – die Dlodlo V1 (Bild: © Dlodlo.com)

Die Dlodlo VR-Brille geistert ja schon seit ein paar Wochen durch das Netz. Seit gestern kann man diese nun bei kickstarter unterstützen. Ein guter Grund, sich das Konstrukt mal genauer anzuschauen.

Eine VR-Brille, die nicht aussieht, als ob man gleich schnorcheln gehen oder bei Wetten Dass Buntstifte am Geschmack erkennen will (wer kann sich noch dran erinnern) wäre doch mal eine richtige Innovation. Das haben sich die Macher der Dlodlo V1 sicherlich auch gedacht… und sich dann ob der guten Idee erst mal kräftig besoffen und den Namen erfunden.

Die Brille sticht dadurch hervor, dass sie eher einer Blinden- Sonnenbrille gleicht. Ok, es ist eine recht ausladende Sonnenbrille. Puck, die Fliege würde wie Flip in die Luft springen, könnte er eine bekommen. Aber die Grundidee ist ja nicht verkehrt. Erste Geräte-Generationen sind ja immer etwas voluminöser. Wobei im Gegensatz zu Rift und Vive wir hier schon fast von einem Zwerg sprechen können.

Fliegengewicht Dlodlo

Die technischen Daten klingen auf dem erst Blick ok. 2400×1200 Pixel, 90HZ Bildwiederholfrequenz, 105 Grad Field of View, 9 Achsen Bewegungssensoren. Ja, da könnte man gut mit leben. 88g Gewicht… da macht man große Augen. Rift und Vive wiegen das 5 bis 6 fache.

Wer sich schon ein wenig mit dem Thema VR beschäftig hat wird aber jetzt an dieser Stelle die Frage nach dem Positional Tracking stellen. Für die Nicht-Experte: Positional Tracking nennt man die Technik, bei der die Lage der Brille im Raum festgestellt wird. Wenn man jetzt zum Beispiel an seinem Schreibtisch sitzt und den Kopf näher an das Notebook bringt, kommt man im echten Leben diesem ja näher. Damit dies auch in der virtuellen Welt möglich ist und man zum Beispiel über die Kante eines Abhanges schauen kann, wird ein System zum Positional Tracking benötigt. Aktuell erfolgt die i.d.R. durch externe Kameras, die die Lage der Brille im Raum erfassen.

Zwar gibt es auch schon Bestrebungen, dies komplett in das Headset zu integrieren, allerdings ist a) davon von kein Projekt wirklich marktreif (von der Softwaretechnischen Unterstützung ganz zu schweigen) und b) wird dieses Thema bei der Dlodlo mit keinem Wort erwähnt. Wir können also davon ausgehen, dass die Brille kein Positional Tracking haben wird. Dickes Minus für die Immersion, als dem Eintauchen in die virtuelle Welt.

Viel Inhalt auf kleinem Raum. Ob der Rest auch passt? (Bild: © Dlodlo.com)

Viel Inhalt auf kleinem Raum. Ob der Rest auch passt? (Bild: © Dlodlo.com)

Viel Licht = viel Schatten

Weiteres Manko dürfte die Sonnenbrillen-Konstruktion sein. Auch wenn die Brille sehr leicht ist, wird sie durch die reine Bügelkonstruktion immer leicht auf der Nase rumrutschen. Ein richtiges Fixieren ist nicht möglich. Da die Immersion aber stark davon abhängig ist, dass man möglichst stark die Einflüsse von draußen ausschließt, wird die Brille sich auf diesem Gebiet recht schwer tun. Ein wirklich verlässlicher Lichtausschluss der Umgebungsbeleuchtung ist so nicht möglich. Will man richtig in die VR-Welt eintauchen sollte man also Opas Dunkelkammer wieder mit Leben befüllen.

Die Kollegen von vrnerds.de haben auf der IFA 2016 übrigens einen Prototyp testen können und bestätigen meine Befürchtungen.

Ein weiterer Gegenstand der Kampagne ist ein Pocket-Computer, damit man das Headset auch ohne Kabelverbindung zu einem fest stationierten Gerät nutzen kann. Die Idee ist nachvollziehbar. Der angebotene Rechner jedoch kommt mir allerdings eher ungeeignet vor. Es handelt sich um ein Android 5 Gerät mit 2 GB Ram und 32G Rom. Weitere Informationen (Prozessor und vor allem die verbaute Grafik-Einheit) bleibt uns der Hersteller schuldig. Da sind 399$ dann schon ein großer Happen.

Wenn man jetzt noch den Preis von 529 $ plus Nebenkosten für den Early Bird der Brille sich anschaut würde ich eher abraten. Die Immersion wird einen nicht vom Hocker hauen.

Besitzern eines aktuellen Samsung Galaxy werde mit der Galaxy Gear VR vermutlich eine erheblich bessere Immersion erreichen und mehr Rechenpower haben als Dlodlo-Nutzer mit Pocket-Rechner. Und wer kein aktuelles Galaxy besitzt, jedoch bereit ist 900 bis 1000 € auf den Tisch zu legen um mobil VR nutzen zu können, kann sich problemlos für die Kohle ein neues Note 7 mit Gear VR zulegen. Soll ja ein bomben Gerät sein.

Wer von Null anfängt und nur zuhause spielen möchte bekommt für den Preis der Kombi sogar ne Playstation Pro mit PS VR und dem nötigen Zubehör. Und hat nicht mal das Risiko einer Crowdfunding-Kampagne.

So gesehen: Nice try, zurück ans Zeichenbrett

Wie VR sein sollte, aber leider so schnell nicht sein wird. (Bild: © Dlodlo.com)

Wie VR sein sollte, aber leider so schnell nicht sein wird. (Bild: © Dlodlo.com)

Tl;dr

Die Dlodlo V1 VR-Brille sieht zwar optisch interessant aus, wird aber konstruktionsbedingt keine gute Immersion liefern können.

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