Handarbeit – Guitar Wing Midi-Board für die Hand

Midi-Tretleiste zum anklemmen, der Guitar Wing (Bild: kickstarter/© Livid Instruments)

Midi-Tretleiste zum anklemmen, der Guitar Wing (Bild: kickstarter/© Livid Instruments)

Blitze durchzucken die Dunkelheit. Dichter Nebel schwebt über die Bühne. Sphärische Keyboardflächen durchfliegen den Saal. Die wummernde Doublebase setzt ein. Das Intro kommt langsam zu seinem extatischen Höhepunkt: Tweng. Mist, und schon wieder mal den falschen Knopf gedrückt. Statt dem vollen Gitarren-Brett kommt nur ein leises, cleanes Gefiedel.

Ja, das kommen Erinnerungen auf. Mein gutes, altes GitarrenRack mit allem was das Gitarristen-Herz begehrt. Ärgere mich immer noch drüber, dass ich davon kein scharfes Bild habe. Aber damals hat man noch analgog fotografiert.

Ja, das kommen Erinnerungen auf. Mein gutes, altes Gitarren-Rack mit allem was das Gitarristen-Herz begehrt. Ärgere mich immer noch drüber, dass ich davon kein scharfes Bild habe. Aber damals hat man noch analgog fotografiert. Jazz haben wür übrigens nichtgespielt.

Ist mir zu meinen Musikerzeiten mehr als einmal passiert. Entweder gibt’s für ambitionierte Amateur-Combos gar kein Nebel oder der Mischer, der neben dem Ton auch noch Licht und Effekte macht, jagt mehr Nebel in die Halle als Jack the Ripper sich zu seinen besten Zeiten in London jemals hätte wünschen können. Und wenn der Nebel so dicht ist, dass man nicht mal mehr die Hand vor Augen sieht kann keiner erwarten, dass man das richtige Pedal vom Midi-Board auf dem Boden trifft.

Anderes Beispiel. Man spielt als Gitarrist, der sich gerne auf der Bühne bewegt, ja gerne kabellos. Der Sprung ins Publikum mit samt Ehrenrunde während des Gniedel-Gniedel-Solos bringt richtig Laune. Nur blöde, wenn man es nicht rechtzeitig zurück auf die Bühne schafft um den Sound zurück zu schalten, besonders wenn nach dem Solo ein schöner cleaner Part kommt.

Die Idee, Sounds der Gitarre auch direkt von der Gitarre aus zu steuern ist an sich nicht neu. Kleine Midi-Schalter, die per Funk arbeiteten gab es schon vor 10 Jahren und mehr. Allerdings sind die Systeme, die ich damals mir angeschaut habe alle nicht das Gelbe vom Ei gewesen. Funkprobleme, problematische Positionierung, kleine Knöpfe, die nur schwer zu treffen waren, fragwürdig teuer. So richtig eine Alternative zum Fußboard hatte ich da nicht entdeckt. In wie weit sich da in den letzten Jahren etwas getan hat kann ich nun leider nicht sagen, da meine aktive Bandzeit nun auch schon locker 7 bis 8 Jahre her ist. Wer zuhause vor sich hin spielt kommt auch mit nem normalen Controller klar. Wenn er denn überhaupt einen braucht.

Bei Kickstarter habe ich aber jetzt eine Umsetzung des Themas Midicontroller an der Gitarre gefunden, die ich echt erwähnenswert finde: Der Guitar Wing von Livid Instruments.

Beim Guitar Wing handelt es sich um Controller-Board in Form eines unteren Cut-Aways, das kabellos an die meisten Gitarrenformen einfach angeklippt werden kann. Je nach Gitarre sieht das zwar etwas seltsam aus, ist aber glaube ich echt praktisch. Ein paar extreme Formen wie Flying V müssen allerdings wohl drauf verzichten.

Der Guitar Wing ist vollgestopft mit Buttons und Sensoren. Neben Slidepads hat der Wing auch noch Lagesensoren verbaut.  Genauer gesagt ist folgendes an Bord: 5 drucksensitive Pads | 3  Touch Faders | 6 Funktionsbuttons aus Gummi | 4 seitliche Auswahlknöpfe. Ausserdem ist im Wing noch ein Bewegungssensor verbaut, der Sounds anhand der Bewegung der Gitarre steuern kann. Dadurch ergeben sich noch ein paar Möglichkeiten mehr, den Sound zu steuern. Je wilder die Gitarre geschleudert wird, desto besser. Mich würde mal interessieren, was jemand wie Vai mit dem Ding so anstellen könnte.

Krieg der Knöpfe. Für jede Funktion etwas dabei. Bild: kickstarter/© Livid Instruments)

Krieg der Knöpfe. Für jede Funktion etwas dabei. Bild: kickstarter/© Livid Instruments)

Da der Guitar Wing als Midi Device fungiert ist ihm die Unterstützung eines ganzen Haufens von Systemen schon sicher. Templates für Programme wie Ableton Live, Guitar Rig, Traktor, Max/MSP, Reason, Logic und WingFX sollen bereits bei release zur Verfügung stehen. Die 2do-Liste beinhaltet noch Presets für Garage Band, Cubase, FL Studio, Studio One, Digital Performer, Bitwig, Reaper , iOS Apps und diverse mehr.

Der Guitar Wing funkt via Bluetooth. Auf Grund der Midi-Kompatibilität soll dies ohne große Treiberinstallation funktionieren. Da die wenigsten Verstärker oder Effektgeräte jedoch damit ausgestattet sein dürften ist für den Betrieb an einer Gitarrenanlage, die ohne Notebook auskommt noch ein Midi-Wandler wie der iConnectMIDI2 notwendig. Wer sich nicht ganz sicher ist, wie das alles jetzt zusammen spielt sollte die Jungs von Livid Instruments noch mal direkt fragen. Ich denke aber, dass da auf jeden Fall noch Zusatzausgaben auf einen zukommen. Eigentlich schade, denn der Einsatz des Guitar Wings im Studio dürfte nur einen Bruchteil des Potentials des Gerätes ausschöpfen.

Den Guitar Wing gibt es noch für 149$ plus Nebenkosten. Für den iConnect gehen dann noch mal gut 85 Euro drauf. Wer damit leben kann erkauft sich mit dem Guitar Wing glaube ich ein ganzes Stück freiheit auf der Bühne, die der Show auf jeden Fall zuträglich sein dürfte. Stand-Musiker, die sich zwei Stunden nicht vom Fleck bewegen werden sich das Geld dann aber wohl eher sparen können.

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