Goliath CNC – Die Roboter-Fräse

Jetzt wird gefräst – Goliath CNC (Bild: kickstarter /©Springa)

Goliath CNC, der Traum eines jeden Handwerkers. Wie cool ist der Gedanke, nicht mehr sich mit Stich-, Hand- und Kreissäge rumärgern zu müssen. Einfach die gewünschten Schnittmuster programmieren, Roboter auf das Holz legen und los geht’s.

An sich ist das natürlich keine Utopie, nur utopisch teuer. Professionelle Werkstätten nutzen ja schon lange für sowas stationäre CNC-Fräsen. Nur haben die zumindest für den ambitionierten Hobby-Tischler (und auch den einen oder anderen Profi) ein paar deutliche Nachteile. An erster Stelle dürften die 5-Stelligen Anschaffungspreise liegen, gleich gefolgt von dem enormen Platzbedarf. Das ist nichts für die Garage.

Solche Punkte wie begrenzte Arbeitsfläche, komplexe Bedienung und dergl. brauche ich vermutlich gar nicht erst zu erwähnen.

Goliath CNC, der kleine Riese

Goliath CNC geht hier einen anderen Weg. Statt das Werkstück in die Fräse zu legen wird Goliath CNC auf das Werkstück gelegt. Dieser bewegt sich dann autonom auf drei raffiniert gestalteten Rädern über die Holzplatte (auch andere Materiealien sind möglich) und geht dabei seiner Fräsarbeit nach. Man ist also nicht mehr auf die Dimensionen einer Maschine angewiesen.

Damit Goliath CNC loslegen kann muss als erstes die zu bearbeitende Fläche vermessen werden. Hierfür gibt es zwei Positionssensoren. Zuerst wird mit einem Sensor jede Ecke des Materials abgegangen. Die Entfernung zum Goliath CNC wird über ein Auszieh-Kabel gemessen, das vom Sensor zu Goliath CNC geführt und mittels Magnet arretiert wird.

Als nächstes werden die zu schneidenden Objekte via App auf dem Werkstück platziert.

Nachdem nun beide Sensoren mit der Roboter-Fräse verbunden wurden kann es losgehen.

So wird das Werkstück eingemessen (Bild: kickstarter /©Springa)

Rahmenbedingungen

Natürlich sind auch dem Goliath CNC ein paar Grenzen gesetzt. Die maximale Frästiefe liegt bei 3,5 cm. Könnte reichen, um einen Gitarren-Korpus auszufräsen, was mich natürlich wieder auf Ideen bringt. Um die Schnitttiefe zu erreichen geht der Goliath CNC den Weg mehrmals ab.

Die Kabellänge der Sensoren beträgt etwa 3 Meter. Aber viel größere Platten, aus denen man etwas fräsen kann, sind eh nur schwer zu bekommen.

Wie schnell die Fräse arbeitet ist natürlich stark von Größe und Tiefe des Projekts abhängig. Ich vermute aber mal, dass man schon etwas Geduld mitbringen muss. Und neben der zeitlichen Geduld braucht man natürlich auch akustische Geduld oder einen Keller mit dicken Wänden. Die Fräse wird nämlich wie alle anderen Fräsen nicht gerade leise sein.

Für die Arbeit in der 2-Raum-Wohnung ist er also nur bedingt einsetzbar. Zumindest dann, wenn man nicht in einem Bunker oder einem Haus voller Gehörloser wohnt.

Die Abmessungen von Goliath CNC mit etwa 40x40x30 cm sorgen dafür, dass das ganze System schön transportabel wird.

(Bild: kickstarter /©Springa)

Eine Frage des Formats

Wer jetzt ganz aus dem Häuschen ist sollte allerdings noch bedenken, dass der Goliath CNC, damit er weiß, was er fräsen soll, auch mit entsprechenden Informationen befüllt werden muss.

Als Dateiformat nimmt Goliath CNC dxf, ai und svg Dateien entgegen. Man sollte sich als mit Autocad, Illustrator oder dergl. auskennen. Sonst bleibt Goliath CNC stumm. In wie weit man jetzt nur gerade Schnitte oder auch dreidimensionale Konturen schneiden kann bin ich mir gerade nicht so ganz sicher.

Wie nicht anders zu erwarten ist der Spaß natürlich auch nicht ganz billig. 1490$ plus Nebenkosten für den Early Bird und 1750$ für den normalen Goliath CNC zahlt man nicht aus der Portokasse. Eine Menge Geld für eine Kickstartergeschichte.

(Bild: kickstarter /©Springa)

Seiltanz

Das gezeigte Gerät macht zwar einen sehr durchdachten und finalen Eindruck. Trotzdem gibt es eine Menge Stolpersteine auf dem Weg zum Kunden. Ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht ganz so sicher, wie lange die oben erwähnte Seil-Mess-Methode sich in der Praxis hält. Wenn es beim auf- und abrollen des Seil hakt könnte der Goliath CNC ganz schön durcheinanderkommen. Wo gehobelt wird fallen ja bekanntlich eine Menge Späne. Diese können solchen mechanischen Elementen durchaus zusetzen.

Naja, unter dem Strich fehlt mir eh der Platz dazu. Auf der Terrasse im Kleingarten gäbe es den zwar, nur muss ich das meinen Nachbarn dort glaube ich nicht antun. Schade. Wird wohl doch nichts mit der selbst gefrästen Gitarre. Wobei man mit dem gesparten Geld auch direkt zum Gitarrenbauer gehen kann. So viel mehr muss man dann auch nicht mehr drauf legen. Schaun mer mal.

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