Weg mit dem Ballast – Gittler Guitar aus Titan

Weniger ist manchmal mehr - Gittler Guitar (Bild: © Gittler Instruments)

Weniger ist manchmal mehr – Gittler Guitar (Bild: © Gittler Instruments)

Als Freund ungewöhnlicher Gitarre-Designs komme ich nicht umhin, euch die Gittler Guitar von Gittler Instruments vorzustellen. Ok, schnell ausgesprochen ein etwas unglücklich gewählter Name. Davon aber mal angesehen habe ich selten etwas so Reduziertes gesehen.

Reduzierte Gitarren sind ja eigentlich nicht neues mehr. Ob Steinberger Zahnbürsten und Chapman-Stick, schon des Öfteren wurde Versucht, die Gitarre an sich soweit wir möglich abzuspecken. Ob das nun aus gestalterischer Sicht erfolgte, oder um einfach Reisegepäck zu sparen, dürfte vom jeweiligen Produkt abhängig gewesen sein. Allen gemein dürfte der (weitestgehend) Verzicht auf einen Korpus sein.

Meine alte Bond Electraglide mit Sägezahn-Griffbrett: Leicht zu spielen, versaut den Stil (Bild: © O.Thiele/miy.de)

Meine alte Bond Electraglide mit Sägezahn-Griffbrett: Leicht zu spielen, versaut den Stil (Bild: © O.Thiele/miy.de)

Die Gittler Gitarre nimmt diese Konzept auf und geht noch einen Schritt weiter. Neben dem Korpus wird sogar auch noch auf ein Griffbrett verzichtet. Dadurch wirkt die Gitarre dann auch eher wie das Skelett einer Gitarre. Allen Fleisches beraubt bleibt nur noch ein Gerippe aus Titan übrig. Bünde, Brücke, Steg… alles Titan.

Ob diese Bauweise denn auch spielbar ist? Laut Bob Gomez, einem mehr oder weniger bekannten Gitarrist aus den Staaten, hat man sich in 10 Minuten auf das fehlende Griffbrett eingestellt. Ich kann mich sogar vorstellen, dass zumindest in den unteren Lagen das fehlende Griffbrett dem Spielstil durchaus zugutekommen könnte. Drück man hier nämlich zu stark geht das eindeutig auf die Stimmung des angeschlagenen Tons oder Akkords. Es kann also gut sein, dass man durch das Spiel auf der Gittler sich eine recht ökonomische Griffweise angewöhnt.

Sowas kann freilich aber auch nach hinten losgehen. Ich erinnere mich da an die Bond Electraglide Gitarre. Hier wurde nicht mit Bünden gearbeitet. Das Griffbrett bestand aus Aluminium und hatte eine Sägezahnform. Egal wo man den Finger hingelegt hatte, es klang immer sauber. Eigentlich ein cooles Konzept, nur hat das den Spielstil in Null-Komma-Nix komplett versaut, weil man beim Greifen nur noch geschludert hat. Aber zurück zum Thema.

13-Pin Gitarren-Synthie-Ausgang inklusive (Bild: © Gittler Instruments)

13-Pin Gitarren-Synthie-Ausgang inklusive (Bild: © Gittler Instruments)

Die Gittler Gitarre arbeitet mit einer recht ausgeklügelten Elektronik. So beherbergt sie neben „normalen“ Pickups auch noch einen kompletten 13 Pin-Ausgang für Gitarren-Synthesizer. Laut Aussage des Herstellers soll die Gitarre das beste Miditracking am Markt besitzen. Wäre ja auch seltsam, wenn ein Hersteller mit „ist ganz ok“ werben würde. Müsste man mal an einem aktuellen Roland-Gitarren-Synthi ausprobieren.

Das würde mich jetzt auch wirklich mal interessieren. Schließlich hatte ich so einige Midi-fähige Gitarren in meiner Sammlung. Zeta Mirror 6, Ibanez IMG 2010, Roland GR 707, um ein paar zu nennen. Da würde mich doch direkt mal interessieren, was sich da in den letzten 10 Jahren so getan hat.

Die „normalen“ Pickups sind übrigens doch nicht ganz normal. Jede Seite besitzt ihren eigenen Transducer-Pickup. Diese liegen in Längsrichtung unter den Saiten

Durch die Bauweise der Pickups muss man sich beim Spiel etwas umgewöhnen, da hier doch erheblich weniger Spielraum zwischen Pickup und Saite vorherrscht. Gitarristen mit kurzen Plekspiel sind als hier im Vorteil.

Soli-Künstlern dürften die 31!!! Bünde der Gittler vermutlich sehr entgegen kommen. So kann man sich in nie dagewesene Höhen hochfrickeln. Obs dem Publikum gefällt muss sich dann natürlich auch noch zeigen.

Drei integrierte Midigitarren in meinder Sammlung: Zeta Mirror 6 (3.v.l)

Drei integrierte Midigitarren in meinder Sammlung: Zeta Mirror 6 (3.v.l), Roland GR 707 (3.v.r.), Ibanez IMG 2010 (1.v.r.). Die Peavy Vandenber (6.v.l.) hatte „nur“ eine GK-2R-Pickup. (Bild: © O. Thiele/miy.de)

Da ein so reduziertes Instument aber trotzdem noch an einem Gurt getragen wird besitzt es auf der Rückseite einen um 360 Grad drehbaren Aufnehmer, in dem zwei Stäbe stecken. An die Enden der Stäbe wird der Gurt dann eingehakt. Sie zwar etwas seltsam aus, schein aber gut zu funktionieren. Bei 360 Grad muss sich aber dann doch an ZZ-Top denken. Ob die sich nicht mit ihren Bärten verheddern würden?

Wer auffallen möchte und auf leichtes Gepäck steht könnte jetzt stark angefixt sein. Gut, dass einen der Preis schnell wieder auf den Boden der Tatsachen holt. Im günstigsten Fall ist man mit 5750 $ dabei. Natürlich ohne Nebenkosten. Aber edles Material hatte ja schon immer seinen Preis.

 

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