Heute spiel ich Maulwurf – viel Spaß mit 40 m³ Mutterboden

Hab ich Maulwürfe oder gerade 20 m³ Mutterboden bewegt?

Hab ich Maulwürfe oder gerade 20 m³ Mutterboden bewegt?

Es ist Zeit, über die vermutlich aufwendigste Aktion des Projektes Kleingarten zu berichten. Kleingarten? So in der Art. 600 m² können verdammt viel sein. Mittlerweile wissen wir ja, dass die Parzelle früher wohl mit zwei Häusern belegt war. Haus Nummer 1 ist schon vor zwei Jahrzehnten den Baggern gewichen, Haus Nummer 2 gibt es seit geschätzt zwei, drei Jahren nicht mehr.

Von Fläche und Boden

Das Resultat daraus war ein Boden, der zum einen nicht unbedingt feinsandig genannt werden kann. Da müsste man die Abmessungen eines Sandkorns schon auf zweistellige Zentimeterwerte hochdefinieren.

Zum anderen hatte das Gelände dadurch eine etwas ungünstige Neigung. Der Vordere Bereich des Grundstücks zur Straße hin lag gut 20 cm unterhalb selbiger und damit nun in Zukunft der Rasen wachsen kann und das Haus bei Regen keine nassen Füße bekommt war jetzt auffüllen angesagt.

Damit auch der Rasen später auch etwas hermachen kann ist Mutterboden gefragt. Dieser sollte gesiebt sein, es sei denn, man findet Steine im Rasenmäher später interessant. Zuerst kommt die Überlegung, wie viel Erde benötigt wird. Nach diversen, hochkomplexen und im Nachhinein nicht mehr ganz nachvollziehbaren mathematischen Berechnungen bin ich auf die Menge von 50 m³ gekommen. Etwas mehr als 500 m² müssen befüllt werden. 10 m³ reichen, um 100 m² etwa 10 cm hoch zu bedecken. Wenn man nun hinten auf dem Grundstück nur wenig Mutterboden aufschüttet und dann nach vorne zur Straße hin immer mehr nimmt sollte das reichen.

Schritt Nummer 2 ist die Auswahl des Lieferanten. Ein Hauptaugenmerk lag hier natürlich beim Preis. Den Hauptteil einer Fuhre macht nämlich nicht die Ladung sondern die Anfahrt aus. Da können pro Wagenladung, also 10 m³, schon je nach Anbieter bis zu 100 Euro unterschied zusammen kommen. Wir sind letztendlich bei der Firma August Ernst gelandet, was unter anderem aber auch daran lag, dass wir vom Landesbund der Gartenfreunde noch 10 m³ Mutterboden umsonst gestellt bekommen haben. Quasi als Unterstützung für die Urbarmachung der Parzelle. Der Landesbund hat den Mutterboden über Ernst August geordert. Das hier auch für uns der Preis stimmt lag es natürlich nahe, hier die komplette Erde zu ordern. So muss man nur einmal den Weg erklären.

Der LKW hätte keinen cm breiter sein dürfen. Lenken auf höchstem Niveau.

Der LKW hätte keinen cm breiter sein dürfen. Lenken auf höchstem Niveau.

Durch diese hohle Gasse muss er kommen

Bevor man den Mutterboden bestellt sollte man sich erst einmal über die Anfahrtswege zum Grundstück im Klaren sein. Bei uns war es wichtig, dass der Laster die Erde zur Seite abkippen kann. Sollte man unbedingt bei der Bestellung mit angeben, sonst landet alles auf der Straße. Außerdem sollten die Wege und Kurven breit genug sein. So ein Drei-Achser mit seinen gut 15 Tonnen ist kein Spielzeug. Die oft geforderten 3,5 Meter Wegbreite sind allerdings nicht immer notwendig. Bei uns reichten auch weniger… wenn auch sehr knapp.

Auf der sicheren Seite steht man, wenn man asphaltierte Wege hat. Je nach Fahrer kann man sonst das Pech haben, dass er sich nicht weiter traut. Generell ist viel vom Fahrer abhängig. Man sollte ihn also freundlich behandeln. Wenn er öfter kommt kann auch ein Trinkgeld nicht schaden. Unser hatte sich seins auf jeden Fall redlich verdient.

Der letzte Blick vor dem Telefonat mit dem Händler seiner Wahl sollte dem Wetterdienst gelten. Kein Regen – gut, es kann losgehen. Regen – lass uns noch mal drüber schlafen. Wir haben beide Versionen des Wetters ausprobiert. Sonne bringt eindeutig mehr Spaß.

Mengenlehre

Runter damit... leider nur in die Einfahrt und nicht direkt auf das Gelände.

Runter damit… leider nur in die Einfahrt und nicht direkt auf das Gelände.

Der Mutterboden ist bestellt, also sollte man sich um die notwendigen Helfer kümmern. Man will ja nicht schwächeln und verzichtet deshalb auf maschinelle Unterstützung. Nur wie lange braucht man, um z.B. 10 m³ Erde wegzuschaufeln? Das hängt natürlich stark vom Weg ab, den man zurücklegen muss. Ich habe alleine nicht ganz 3 m³ in 30 Schubkarren in ungefähr 1 Stunde gut 20 Meter weit bewegt. Da wäre man dann in geschätzten 4 bis 5 Stunden durch… wenn die Kraft nicht nachlässt. Sollte man besser nicht ausprobieren. Zumindest dann nicht, wenn man die Erde nicht über Nacht dort liegen lassen kann, wo sie abgekippt wurde.

Kann man sich Helfer organisieren kommt das gute, alte Motto „Viel hilft viel“ zum Tragen. Mit 4 ½ Personen haben wir die erste Ladung komplett in 1 Stunde 30 etwa 50 Meter weit bewegt. Die zweite Ladung an einem Tag fällt aber schwerer.

Und wie lief nun unser persönliches Event ab? Wandeln zwischen den Extremen, wie ein Kollege so schön gesagt hat.

Sonntag am Donnerstag

Die ersten beiden Fuhren waren für Donnerstag geordert. Die Sonne strahlt, Temperaturen von bis zu 19 Grad sind angekündigt. So soll ein Tag Urlaub sein.

Die erste Ladung war für 9 Uhr angepeilt. Der pünktlich ankommende Fahrer wurde an der Einfahrt zum Kleingartenverein von der Meinen in Empfang genommen und dann zur Parzelle geleitet. Millimeterarbeit kann man da nur sagen. Hut ab vor dem Fahrer, der die Dimensionen seines Gefährts wirklich perfekt einschätzen konnte. Ich hätte schon bei der ersten Kurve den Schlüssel gezogen, weggeworfen und mich weinend ins Gras gesetzt.

Leider war der Weg so eng, dass der LKW nicht wie heimlich gehofft auf das Grundstück biegen konnte sondern den Mutterboden in der Einfahrt abwerfen musste. Was für ein Glück, dass die Einfahrt mit 7 Metern breit genug für den Haufen war.

Die nächste Fuhre wurde für  11 Uhr angekündigt. Oh je, das klang nach Zeitdruck. Aber auch hier zahlte sich unser Glück mit der Nachbarschaft wieder aus. Der Fahrer hatte seinen LKW noch nicht mal wieder auf den Hauptweg gelenkt als der Nachbar ungefragt mit Schubkarre und Schaufel um die Ecke bog. Mit unserem Marathon Mann als weiteren Helfer und noch einem weiteren Laubenpieper (der allerdings sich primär durch die zur Verfügungsstellung einer weiteren Schubkarre herausgetan hat) war der erste Berg wie oben erwähnt nach 1 Stunde 30 abgetragen. Wer hätte gedacht, dass wir uns sogar noch 30 Minuten Leerlauf gönnen konnten.

Nach 20 m³ kann man ja mal endlich mit der Arbeit anfangen. Einfach noch mal ein bisschen umgraben.

Nach 20 m³ kann man ja mal endlich mit der Arbeit anfangen. Einfach noch mal ein bisschen umgraben.

Der zweite Haufen wurde dann nur zu Dritt abgetragen. Unser Marathonmann, die Meine und ich haben für die zweiten 10 m³ dann etwa 3 Stunden gebraucht. Zwar haben sich die ganzen Schubkarren deutlich bemerkbar gemacht, aber der Laune war das nicht abträglich. Nachdem der Hügel abgetragen war blieb sogar noch etwas Motivation übrig, um letzte Stellen Gras umzulegen.

Am Ende des ersten Tages trübte lediglich die Wetterprognose für den nächsten Tag die Laune. Aber mit dem guten Gefühl, viel geschafft zu haben und dem nicht ganz so guten Gefühl am nächsten Tage noch mal 10 m³ Mutterboden mehr schaufeln zu dürfen ging es dann nach Hause unter die Dusche.

Regentropfen, die an meinen Spaten klopfen

Neuer Tag, neues Glück.. oder auch nicht. Der Wetterbericht klingt nicht so gut. Vormittags: leichter Regen. Mittags: leichter Regen. Nachmittags: Regen. Der frühe Vogel den usw. und da der Fahrer gefragt hat, ob er die mittlerweile dritte Fuhre schon um 7 abliefern könne mache ich mich eine Stunde vor den anderen auf dem Weg, um schon mal ein bisschen vorzuarbeite. Gegen 8 ist das Wetter noch brauchbar. Wer Hamburg kennt weiß, dass man das nutzen muss. Als ich ankomme ist der Haufen schon da. Prima. Bis geplant 11:00 Uhr ist Zeit, für die nächste Fuhre Platz zu schaffen.

Neuer Tag, neues Glück.. oder so.

Neuer Tag, neues Glück.. oder so.

Die gute Stunde bis zum Eintreffen der weiteren Buddler vergeht recht entspannt. Alleine schaffe ich in der Zeit gut 30 Schubkarren. Gefühlte 1/3 des Haufens ist schon weg. Keine schlechte Leistung. Gegen 9 Uhr setzt dann allerdings der erste Nieselregen ein. Nicht ganz so prima.  Die Verstärkung trifft ein und weiter geht’s. Man merkt zwar schon die Anstrengung des vorigen Tages, kommt aber ganz gut in Fahrt.

Interessanter Weise kommt dann kurz vor 10 schon der Laster mit Fuhre 4 wieder. Der Fahrer hat sogar ein bisschen schlechtes Gewissen, weil er so früh ist. Macht nichts. Haufen Nr. 3 ist zwar erst zur Hälfte verteilt, da Nr. 4 aber wider Erwarten doch oben drauf passt ist das kein Drama. Kleine Ausnahme ist allerdings der Bereich, wo der LKW mit seinem Gewicht über den auf der Straße liegenden Mutterboden drüber musst. Der ist nun steinhart.

Da der Regen immer stärker, die Motivation immer schwächer und der Platz immer kleiner wird entschließen wir uns, die 5. Fuhre abzusagen. Eine sehr gute Entscheidung. Mit zunehmenden Regen wird der Mutterboden immer schwerer und der Weg die Einfahrt runter entwickelt sich zur Rutschpartie. Das ist echt Hardcore.

Um 13 Uhr ist dann auch der Rest verteilt. Wir sind durchnässt und dreckig. Genau wie der Weg zum Grundstück, Schubkarren und Werkzeug. So kann es dann leider noch nicht sofort nach Hause gehen. Zuerst muss der Fuhrpark noch leicht gesäubert werden. Den Rest erledigt der Regen.

Die Moral von der Geschichte

Und was haben wir gelernt? So einiges. Um viele Hügel im Garten zu haben braucht zum Beispiel man keinen Maulwurf.

Das Wetter hat größeren Einfluss auf die Motivation als ich ursprünglich angenommen habe. Wer die Möglichkeit hat und entsprechend flexibel ist sollte sich nach dem Wetter richten. Viele Anbieter von Mutterboden und dergleichen können mit zwei Tagen Vorlauf liefern, je nach Auslastung und Jammer-Talent des Auftraggebers vielleicht auch schneller.

Nass und fertig. Das Werk ist vollbracht.

Nass und fertig. Das Werk ist vollbracht.

Wenn man einen großen Hügel abtragen soll fängt man am besten an der schmalen Seite an und arbeitet sich einmal der Länge nach durch. Geht echt besser als wenn man sich wahllos in die Breitseite rein gräbt.

Hol dir viele Helfer und schraube den eigenen Ehrgeiz etwas zurück, erst recht, wenn der Mutterboden nicht komplett auf das Grundstück gekippt werden kann und zum Teil auf öffentlichen Wegen landet. Man kann durchaus 40 m³ alleine bewegen… wenn man sich genug Zeit lässt. So eine LKW-Ladung die Woche… mehr artet in Stress aus.

Sollte ich noch mal in die Verlegenheit kommen, so viel Mutterboden verteilen zu müssen würde ich versuchen das zeitlich etwas weiter auseinander zu ziehen. Ein Ruhetag hätte echt was gebracht, zumal am Tag nach dem Regen wieder die Sonne schien.

Ein großer Meilenstein auf dem Weg zum Kleingarten ist geschafft. Der LKW wird allerdings noch mal anrücken müssen, das Haus und Terrasse mit Plattensand oder Kies unterfüllt werden sollen. Ein Loch ist ja noch zu sehen. Man kann aber schon erahnen, wie sehr sich das Grundstück später von dem unterscheiden wird, was wir damals vorgefunden haben. Ein sehr befriedigendes Gefühl.

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