Es werde Licht – Fret Zeppelin, die Griffbrettbeleuchtung

Es geht doch nichts über eine kleine Light-Show – Fret Zeppelin (Bild: kickstarter/© Edge Tech Labs)

Wenn ich mal ein, zwei Jahrzehnte zurück blicke konnte ich mir damals nicht geileres vorstellen, als eine Gitarre mit beleuchteten Bundeinlagen. Vielleicht dann noch phosphoreszierende Akzente am Korpus… geilste Lichtshow auf der Bühne. Mit Fret Zeppelin könnte der Traum so langsam wahr werden.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wer der erste war, der mir den Floh damals ins Ohr gesetzt hatte. Vermutlich war es Steve Vai. Aber egal. Ok, die Gitarre mit phosphoreszierenden Bindings hatte ich mir dann mit eine Ibanez 1077XL  Baritone dann irgendwann mal auch gegönnt. Nur der beleuchtete Hals war schwer umzusetzen. Da blieb eigentlich nur Hals austauschen oder einen wirklich guten Gitarrenbauer dran zu setzen. Beides mit Kosten und Risiken verbunden.

Mit Fret Zeppelin wird das ganze deutlich einfacher. Es wird einfach eine LED-Leiste auf das Griffbrett geklebt. Und waren bei Steve damals nur die Griffbretteinlagen beleuchtet, so sind bei Fret Zeppelin wirklich alle Bünde und Lagen bis hoch in den 16. Bund mit LEDs versehen.

Zwar gibt es schon ein paar derartige Projekt, wie zum Beispiel FRETX, nur können die alle nicht mit einer so großen Zahl an unterstützen Bünden aufwarten.

Redlich üben mit Fret Zeppelin

Daraus ergibt sich dann natürlich neben der Show ein ganz anderes Anwendungsgebiet. Fret Zeppelin kann mit einem Smartphone gekoppelt jeden Tone auf der Gitarre gezielt ansteuern. So wird es dann ein Einfaches, Akkorde und Skalen dem Gitarristen anzuzeigen.

Mit Hilfe der Fret Zeppelin-App soll man also auf einfachstem Wege die Position der Finger anzeigen lassen können, ohne von der Gitarre wegschauen zu müssen. Gerade Anfänger haben da ja dann doch immer etwas Orientierungsprobleme, wenn sie zwischen Lektion und Griffbrett hin und herschauen müssen.

Nachteil ist natürlich, dass man dadurch noch fixierter auf den Hals ist und noch mehr Schwierigkeiten haben dürfte sich den ewigen Halsblick beim Spielen abzugewöhnen.

Und für wen eignet sich das System? Eigentlich für jeden. Der Anfänger kann sich damit einfach Akkorde raufschaffen. Fortgeschrittene können sich Skalen damit eintrichtern oder neue Songs lernen, indem sie Tabs der gewünschten Stücke über die App auf das Griffbrett werfen. Profis werden vermutlich gefallen an der Lightshow finden.

Coole Ligh-Show (Bild: kickstarter/ © Edge Tech Labs)

Weiche Ware

Wie weit das Ganze gehen wird ist freilich von der Qualität der dazugehörigen App abhängig. Wenn die nichts taug wird die beste Elektronik nichts bringen. Hier stellt sich die Frage, wie man Tabs auf die App bringt und welche Möglichkeiten des Playbacks man haben wird. Wie kann man die Geschwindigkeit regeln? Hört man vielleicht auch über einen Tongenerator, was man da eigentlich spielen soll und wie harmoniert das dann mit der Stimmung der Gitarre?

Wenn man Fret Zeppelin als Lightshow nutzt, wie kann man diese beeinflussen? Kann die App anhand von Sound von außen gesteuert werden? Welche Effekte sind möglich?

Bei der Hardware stehen auch noch ein paar Fragen offen. Die Konstruktion an sich macht schon mal einen recht fortgeschrittenen Eindruck. Das LED-Band wird mit einem Kleber, wie er bei Post-Ist verwendet wird, zwischen die Bünde geklebt. Am oberen Rand des Halses läuft dann eine Leiterbahn entlang. Je nachdem, ob Ihr mit dem Daumen nun oft oder selten den oberen Rand des Halses berührt werdet Ihr also viel oder wenig von dem System mitbekommen.

Immerhin soll das System so variabel sein, dass es an so ziemlich jede Gitarre passen soll. Je nach Mensur und Halsbreite liegen dann die Dots zwar nicht 100%ig unter der Saite. Aber es kann der Sichtbarkeit ja eventuell auch zuträglich sein, wenn sie nicht von einer Saite verdeckt werden.

Was uns die Initiatoren noch komplett verschweigen ist der Aufbau der Elektronik. Wie groß die Box wird und wo man sie montiert ist noch komplett unklar. Immerhin soll hier auf eine bereits vom Zulieferer vorgefertigte Box gesetzt werden, so dass keine Spritzgussformen gebaut werden müssen. Das spart Kosten.

Mit der App steht und fällt die Geschichte (Bild: kickstarter/ © Edge Tech Labs)

Quo vadis, Fret Zeppelin

Ihr seht, es ist aktuell eher schwer zu beurteilen, wo die Reise hin geht. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die finalen Design-Finetunings erst nach Ende der Kampagne stattfinden sollen. Ob so der Liefertermin von Oktober 2017 zu halten sein wird? Wer weiß, wer weiß?

Immerhin behaupten die Initiatoren von sich, solche netten Punkte wie CE-Zertifizierung auf dem Plan zu habe. Man hätte schon Erfahrungen mit der Produktentwicklung und der entsprechenden Zertifizierung. Das klingt versöhnlich.

Mit 200 € ist das System jetzt zwar deutlich billiger und variabler als wenn man den Hals umbauen lässt. Ein „Mitnahmeartikel“ ist es so jedoch nicht mehr. Ich persönlich würde also eher darauf warten, bis Fret Zeppelin fertig ist und in den normalen Vertrieb geht. Manchmal muss man halt auch mal geduldig sein.

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