Fertiges Haus oder Fertighaus?

(Bild: miy.de/J.Kowalewski)

Auch auf die Gefahr hin, ein wenig vom Garten-Thema abzuschweifen, würde ich gerne ein paar Beobachtungen loswerden. Als kleine Familie neigt man ja dazu, sich auch irgendwann mal mit dem Thema Eigenheim auseinander zu setzen. Bei uns war das letztes Jahr der Fall. Wenn man bedenkt, dass wohl mittlerweile ein Großteil der Häuslekäufer die 50 Lenze durschritten hat, sind wir ja nach ansatzweise früh dran.

Wie der Zufall es so will waren just zwei Immobilien in Garten-Nähe zu haben. Das ist in Hamburg ja eher die Ausnahme. Immobilie 1 war leider so günstig, dass die auch schon sofort weg war. Ok, stand auf Erbpacht und man hätte dann mit 75 sich damit abfinden müssen, entweder Unsummen für die Pacht auszugeben oder den Restwert des Steinhaufens versilbern zu müssen in der Hoffnung, dass das fürs Altenteil noch reicht. Aber schon erstaunlich, wie viele Leute bei der Besichtigung gesagt haben, dass sie das Geld quasi bar auf den Tisch legen könnten.

Immobilie 2 haben wir uns etwas genauer angeschaut. Nettes Grundstück, Haus, sagen wir mal auf den ersten Blick ausbaufähig. Der zweite Blick mit Experten war dann etwas aufschlussreicher. Es ist doch echt interessant, was der so alles gesehen hat, was unsereins komplett übersehen hat.

Ton, Steine, Scherben

Vom Riss in der Fassade, der vermutlich nicht nur eine Setzungsriss ist bis hin zu Dachziegeln, die nach alter Sitte mit Zement verklebt sind war da so einiges zu finden. Unter dem Strich hätte man für die Instandsetzung der Bude locker 100.000 Euro noch mal drauf legen können. Da kann man dann gleich drüber nachdenken, alles einzuebnen und ein Fertighaus drauf zu setzen.

Bauhaus finde ich eh schöner als ein in den 70ern erweiterter 30er-Bau. Wer braucht schon Dachschrägen? So wurde dann auch gleich mal ein Blick in die Runde geworfen. Architekt oder Fertighaus? Gute Frage. Im Bekanntenkreis gibt Befürworter und Gegner aus beiden Lagern. Preislich scheinen sich ja wohl mittlerweile beide Varianten nicht mehr viel zu geben.

Im Zuge der akuten Gelegenheit  habe ich mich erst mal auf die Fertighäuser konzentriert. Ist einfach einfacher hier schon mal ein Gefühl dafür zu bekommen, was man sich auf den Grund stellen kann. Leider halten viele Anbieter ganz gerne erst mal sich bezüglich ungefährer Preise zurück. Ist zwar nachvollziehbar, macht die Suche aber nicht einfacher.

Kleiner Tipp: Einfach mal den Fertighaus-Anbieter der Wahl per Facebook befragen. Anhand des Tempos und der Qualität der Antwort kann man schon mal schauen, wie gut deren Kundenservice ist. Wundert Euch aber nicht, wenn die meisten erst mal nach einer Telefonnummer fragen und eure Fragen komplett ignorieren. Da muss man einfach am Ball bleiben.

Ich out mich ja gerne als Bauhaus-Fan. Hier ein Meisterhau von Walter Gropius in Dessau (Bild: miy.de/O.Thiele)

Peanuts

Ergebnis der Suche waren ein paar Fertighäuser, die pläsiert haben. Lagen leider alle deutlich über 200.000 Euro. Wenn man dann noch die 315.000 Euro für den alten Kasten, 30.000 für den Abriss und dann noch die ganzen Nebenkosten anschaut, wird einem schnell klar, dass man in Hamburg bei einem Bau auf Altbestand eigentlich keine Chance hat, unter 600.000 Euro zu bleiben. Und dabei ist es egal, ob man mit einem Architekten plant oder ein Fertighaus odert. So langsam wird mir klar, warum der Durchschnitt der Bauherren schon älter als 50 Jahre sein soll. Ohne ein fettes Erbe ist da leider nicht viel zu holen. Und dann ist ja auch noch die Frage, wie sich der Spaß in den nächsten 20 bis 30 Jahren entwickelt.

Naja, so haben wir das Projekt erst mal wieder auf Eis gelegt. Mal schauen, ob uns noch irgendwann mal eine Bestandsimmobilie vor die Flinte kommt, die man nicht dem Erdboden gleich machen muss. Bis dahin muss die Gartenlaube zum drum herum gehen ausreichen.

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