© Samsung Electronics Co. Ltd Samsungs Smartwatchversuch von 2010, die S9110
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Samsungs Smartwatchversuch von 2010, die S9110

Smartwatches sind in aller Munde. Durch Galaxy Gear und iWatch durch die Blogs geblasen, wartet jeder auf die große Innovation am Handgelenkt. Das Konzept der Armbanduhr hat ja nun schon 200 Jahre auf dem Buckel. Ein kleines Ding, das primär die Uhrzeit und sekundär noch andere Dinge wie Datum, Mondphasen und dergleichen anzeigt. Ende der 70er des letzten Jahrhunderts kamen dann durch die Digitaluhren noch ein paar weitere Funktionen hinzu. Jetzt könnte man denken, dass es endlich mal Zeit für eine Revolution ist; endlich dem begehrten Platz am Handgelenk tolle neue Funktionen gönnen. Aber wenn man es mal genau betrachtet ist dass, was wohl von Samsung zu erwarten ist weder eine große Revolution, noch eine Innovation. Uhren mit vergleichbarem Funktionsumfang gibt es schon seit ein paar Jahren. Von Sonys Smartwatch über die italienische I’mWatch bis hin zum iPod Nano mit Armbandhalterung ist der Markt eigentlich voll davon. Sogar kompletten Handyersatz gibt es schon seit Jahren im Armbanduhrenformat. Nur finden diese Geräte auf Grund diverser Usability-Probleme in der Öffentlichkeit kaum statt. Wo lagen bis jetzt die Showstopper?

Showstopper Nr.1 – Akkulaufzeit

Eine Armbanduhr muss den ganzen Tag funktionieren. Wenn man nach 8 Stunden an die Steckdose muss wird die Uhr schnell in der Schublade verschwinden. Zwar hat man sich leidlich daran gewöhnt, sein Smartphone alle zwei Tage wieder aufladen zu müssen, aber ob sich das auch auf Armbanduhren übertragen/antrainieren lassen wird, kann ich mir nicht vorstellen, zumal man dann regelmäßig zwei Geräte einstöpseln muss. Da wird der Benutzer eher auf die Smartuhr verzichten. Der Trend geht ja eh schon seit längerem in die Richtung „Weg von der Uhr, hin zum Handy“. Hat man ja eh dabei und zeigt auch die Zeit an. Aktuellen Gerüchten zufolge wird das die Galaxy Gear auch nicht viel besser hin bekommen als die existierenden Geräte. Lediglich die ein, zwei Smartwatches mit eInk-Display, wie z.B. die Pebble kommen weiter. Der enorme Zuspruch, den die Pebble bei Kickstarter bekommen hat, sind doch ein eindeutiges Zeichen, dass das Konzept gewünscht wird. Eine weitere vielversprechende eInk-Uhr ist von Sonostar angekündigt. Besseres und größeres Display und schönere Optik. Hier kann man sich schon mal ein erstes Bild vom Unterschied Pebble und Sonostar machen

Showstopper Nr.2 – Design

© Ventura GmbH SPARC MGS
© Ventura GmbH
So sollten Smatwatches aussehen: die SPARC MGS

Machen wir uns nichts vor. Die meisten bisher erhältlichen Smartwatches sind hässlich. Bis auf ganz wenige Ausnahmen kommen sie über einen klobigen, viereckigen Block Plastik nicht hinaus. Wer sich nicht gerade als absoluter Geek outen will wird so etwas nur unter Protest anziehen. Die Größe an sich ist hierbei nicht das absolute Problem. Eine Breitling ist ja auch nicht unbedingt winzig und wer einen Blick in die Vitrinen der Uhrenläden wirft kann sich überzeugen, dass der Trend zu immer größer werdenden Uhren wohl immer noch anhält. Aber warum vergessen die Hersteller der Smartwatches, den Uhren eine klare und schöne Formsprache mitzugeben. Schaffen andere doch auch. Da muss man nur mal die ganzen Designstudien im Zuge der iWatch-Gerüchte anschauen. Real existierende Uhren wie z.B. die Sparcs MGS  von Ventura beweisen, dass man auch große Gehäuse schön gestalten kann. Statt des Automatikwerks wäre hier ein toller Platz für ein Display. Oder schaut mal in den Bereich Sportuhren, ihr lieben Smartwatch-Hersteller. Die Suunto Ambit 2 sieht doch wirklich gut aus. Oder mal nen Blick auf die Leikr geworfen. Selbst mit nem riesig fetten Display und eigentlich nur nem viereckigen Kasten  kann man schönes Design machen.

Showstopper Nr.3 – Smartphonezwang

Eine Smartwatch, die die meisten Funktionen nur mit einem gekoppelten Smartphone bietet ist nicht smart sondern nur ein zweiter Bildschirm am Handgelenk. Da kann ich dann auch gleich zum Telefon greifen, zumal das bei vielen Aktionen dann eh notwendig wird, da das Rumfummeln auf einem 1,5“-Display nicht wirklich Spaß macht. Geht auch ohne, sagt zum Beispiel die Omate True Smart. Just another Kickstarter-Smartwatch. Hier kann man eine Simcard einstecken. Sieht auch noch ansatzweise passabel aus. Bleibt aber abzuwarten, wie weit die mit ihrem 600mAh-Akku kommt.

Showstopper Nr.4 – Display

Oh, wie schön war es doch, als eine Uhr noch Zeiger hatte. Im Sonnenlicht gut ablesbar. Im Dunkel durch fluoreszierende Farbe gleich wohl zu entziffern. Dann kamen die ersten Digitalen. Am Anfang noch genauso hungrig nach Energie wie mittlerweile wieder, zeigten sie nur auf Knopfdruck die Zeit; damals wie heute der LED geschuldet. Erst mit den LCD-Displays hatte man den Stromhunger wieder im Griff. LCD stand den Zeigern bezüglich Tageslicht in nichts nach. Für nachts gab es dann eine Beleuchtung. Kleiner Rückschritt, aber verkraftbar. Und jetzt? Die meisten Smartwatchdisplays auf LCD-Basis versagen, wenn man in voller Sonne im Freien steht. OLED ist etwas besser, zu High Noon landet man damit aber auch keinen Treffer. Vom Stromverbrauch (siehe. Showstopper  Nr. 1) mal ganz zu schweigen. Wie sich reflexible Displays wie bei der Leikr schlagen, muss sich erst zeigen. Eine richtige Alternative zu Zeiger und LCD dürfte eigentlich nur eInk sein. Hier kämpft man dann aber wieder mit den Refresh-Einstellungen des Displays. Man kennt es vom umblättern beim E-Bookreader. Entweder wird das Display bei jeder Seite kurz komplett schwarz geschaltet oder es passiert nur bei jeder x-ten Seite. Je seltener refreshed wird umso matschiger wird mit der Zeit die Anzeige. An einer Uhr, die ja nun sehr regelmäßig Änderungen auf dem Display hat kann so ein Refresh durchaus nerven. Da fehlt mir allerdings die praktische Erfahrung um das genau beurteilen zu können. Wer will kann mir gerne eine eInk-Uhr zum Testen schenken :-).

© Leikr Leikr Sportuhr mit reflexiblem Display
© Leikr
Leikr Sportuhr mit reflexiblem Display

Showstopper Nr. 5 – Innovative neue Funktionen

Und was fehlt noch zum Schluss? Die Killer-Applikation, die die Smartwatch wirklich vom Smartphone abhebt. Mails, SMS, Anrufe anzeigen reicht da nicht aus. Und Musik steuern und auswählen dürfte auf Grund der Displaygröße auch nicht wirklich viel Spaß machen. Play/Stopp/nächster Song lässt sich ja auch meist schon über das Headset steuern und wer keins benutzt hat eh sein Phone nicht in der Tasche, gemäße dem Motto – Phone am Po, Sound fürs Klo.

Die Integration biometrischer Funktionen könnte vielleicht ein USP für Smartwatches werden. Es gab ja sogar schon Gerüchte, dass Apple an einem Sensor arbeiten soll, der den Blutzuckerspiegel analysiert. Das wär doch mal was. Andererseits frage ich mich, ob ich nach jeder Currywurst Pommes daran erinnert werden will, wie die in meine Körperwerte einschlägt. Im Sportbereich gibt es ja auch schon Ansätze, die einen dazu bringen sollen, sich mal etwas zu bewegen, Nikes Fuelband zum Beispiel. Anreitze durch Archievements über die Uhr. Das könnte klappen. Noch 1000 Schritte und du hast dir das Bierchen auf dem Sofa vor der Sportschau verdient. Keine Tamagotchi  am Handgelenkt sondern eins, das eine Smartwatch trägt.

Fazit

Unter dem Strich kann man glaube ich sagen, dass es noch ein etwas längerer Weg sein dürfte. Einzelne Ansätze zeigen, dass es für jedes Problem schon gute Lösungsansätze gibt. Jetzt muss sich nur noch ein Hersteller daran setzen, alles in einem zu verbinden. Gefühlt könnten die Sportuhrhersteller einen kleinen Vorsprung haben. Vermutlich werden wir aber die ersten wirklich guten Ansätze eher wieder zuerst bei Kickstarter sehen. Aber vielleicht überraschen Samsung und Apple uns ja doch noch mal mit einer Innovation.

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