Samsung Gear S - Smartwatch mit GSM und Wifi (Bild: © Samsung)
Samsung Gear S – Smartwatch mit GSM und Wifi (Bild: © Samsung)

Na, da hat Samsung ja was rausgehauen. Die Angst, dass Apple allen die Show mit einer iWatch stielt macht’s möglich.

Mit der neue Gear S bringt Samsung also seine erste Smartwatch auf dem Markt, mit der man auch ohne gekoppeltes Smartphone nicht auf die aktuellen Mails, Messages und Telefonanrufe verzichten muss. Ein eingebautes 3G-Modul macht es möglich. Sicherlich gibt es schnellere Methoden, ins Internet zu gelangen; für eine Uhr sollte es aber allemal ausreichen.

Samsung springt also auf den Zug Smartwatch 2.0 auf, der ja vor etwa einem Jahr vollmundig von Omate mit der Truesmart verkündet wurde. Keine Abhängigkeit vom Smartphone ist ja theoretisch etwas Feines. Ob man es wirklich braucht ist eher eine Frage der Umsetzung. Bei der Omate habe ich mittlerweile für mich entschieden: Ich brauche es nicht. Das hat ein paar Gründe. Zum einen war die Software jetzt nicht so, dass es wirklich Spaß macht, sich im Netz zu bewegen. Zu fummelig sind bei einem normalen Android auf so einem kleinen Display die Eingaben von Texten, insbesondere Zugangsdaten.

Mit Hochkant-Display und chicem Design (Bild: © Samsung)
Mit Hochkant-Display und chicem Design (Bild: © Samsung)

Man merkt halt doch an allen Ecken und Kanten, dass ein normales Android für so kleine Displays nur bedingt geeignet ist. Die Anpassungen von Omate waren da auch eher der Tropfen auf dem heißen Stein.

Was macht Samsung anders? So einiges. So ist es schon mal kein Android, dass hier zum Einsatz kommt. Samsung setzt ja seit geraumer Zeit bei seinen Smartwatches das Betriebssystem Tizen ein. Da hier schon so ein paar Erfahrungen gesammelt wurden und Samsung vermutlich ein paar Entwickler mehr als Omate haben dürfte (so Omate überhaupt Entwickler beschäftigt, wo ich mir nicht wirklich sicher bin) kann man wohl von einem ansatzweise brauchbaren User Interface ausgehen.

Die Vielfalt an Apps wie bei Android wird man zwar vergeblich suchen, aber wenn die zur Verfügung stehenden auf das Format angepasst sind, kann das durchaus klappen.

Die Hardwaredaten der Gear S lesen sich anfangs vergleichbar zur Omate. Dual Core mit 1 GHz, 512/4 Ram, vergleichbare Sensorausstattung… moment… da geht Samsung dann doch einen Schritt weiter.

Die Gear S ist nämlich mit einem optischen Puls-Sensor ausgestattet. Außerdem wird ein UV-Sensor verbaut. Die Positionierung dürfte also auch versuchen, den Bereich Fitness abzudecken.

Ein weiteres Plus für die Gear S ist das Display. Ein 2.0” Super AMOLED Display mit einer Auflösung von 360 x 480 ist dem 240×240 Display der Omate eindeutig überlegen. Die größere Diagonale dürfte dem Bedienkomfort zuträglich sein. Die Displaytechnologie sollte gerade bei starkem Sonnenlicht auch besser lesbar sein.

Sportlich, aber vermutlich kein Dauerläufer (Bild: © Samsung)
Sportlich, aber vermutlich kein Dauerläufer (Bild: © Samsung)

Sowieso, die Gestaltung, die Samsung mit der Gear S an den Tag legt, finde ich durchaus ansprechend. Metall wäre mir zwar lieber, aber die Formen gefallen mir. Endlich gewinnen wohl so langsam die Designer bei der Produktentwicklung von Smartwatches die Oberhand.

Bis hier hin klingt es für mich, als ob man sich die nun ganz dringend kaufen müsste (zumindest wenn man jetzt mal von den runden Android Wear-Kandidaten absieht). Ich persönlich bin aber (leider) mal wieder skeptisch. Das hat folgende Gründe:

1.)  Der Akku wird nicht lange durchhalten. Samsung verspricht zwar zwei Tage bei “typischer” Nutzung (vermutzich Bluetoothkopplung), aber der eigentliche Spaß ist ja GSM und WiFi. Damit wird die Uhr glaube ich kaum länger als eine Omate durchhalten. Ich schätze mal, dass da nach 8 bis 12 Stunden Schluss ist. Mit angeschaltetem Display vermutlich noch schneller. Kann natürlich sein, dass Tizen jetzt Wunder vollbringt oder Samsung mal auf die Idee kommt, der Uhr einen Modus zu spendieren, bei der die GSM-Verbindung nur alle X Minuten mal nach dem Rechten schaut, aber das muss sich erst zeigen.

2.)  Das Display lässt vermuten, dass es sich nicht um eine Allway-On-Uhr handelt. Man muss also die Uhr erst aktivieren, damit man die Zeit sehen kann. Mich nervt es. Vielleicht bekommt Samsung das mit den Anschaltgesten besser hin, aber mit dem Strom-Gedanken im Hinterkopf bringt es einfach keinen Spaß der Uhr dabei aus dem Augenwinkel zusehen zu müssen, wie sie mal wieder angesprungen ist, nur weil ich jemanden die Handgeschüttelt oder nen Schlüssel aus der Tasche geholt habe.

Na, ob der SimCard-Slot wasserdicht genug für Sport ist? (Bild: © Samsung)
Na, ob der SimCard-Slot wasserdicht genug für Sport ist? (Bild: © Samsung)

3.)  Schaut man sich die Lade-Pins an ist klar, dass man die Uhr in eine Ladestation oder so stecken muss. Wirklich komfortabel wäre eigentlich nur eine kabellose Lösung. Man muss das Teil vermutlich jede Nach an die Dose hängen. Da kann das reinpuzzeln in ein Cradle schon nerven. Von korrodieren Pins wie bei LG will ich gar nicht erst anfangen.

4.)  Wo wir gerade bei Korrosion sind kommen wir doch auch mal zum Thema Wasserdichtigkeit. Der Simcardslot wirkt jetzt nicht sehr Wasserdicht auf mich. Wenn die Uhr aber im Bereich Fitness positioniert wird (Plussensor und so) ist es absolut wichtig, dass dort kein Schweiß ins Gerät eindringen kann. Bin da mal auf die ersten Test und Nutzererfahrungen gespannt.

So gesehen ist die Gear S eigentlich das, was die Omate sein wollte. Nur ohne Android und mit Garantie und Kundenservice. Ich bin gespannt, was Apple dem entgegensetzen wird. Für Smartwatches ist es gerade eine spannende Zeit.

You might also enjoy: