Back to the 90ies. Wings von Cinemaware (Bild: kickstarter/ © cinemaware)
Back to the 90ies. Wings von Cinemaware
(Bild: kickstarter/ © cinemaware)

Wir schreiben das Jahr 1990. Deutschland ist Weltmeister, im Radio müssen wir eine Überdosis Matthias Reim ertragen und in den Kinderzimmern steht der Amiga gerade im Zenit seiner Laufbahn. Einer der großen Fische im Amiga-Teich ist die Firma Cinemaware, die sich auf die Fahne geschrieben hat, mit ihren Spielen möglichst Kino-artige Geschichten zu erzählen. Nach Themen wie Ritterfilmen (Defender of the crown) und 50er Jahre Monster und Science Fiction-Filmen (It came from the desert, Rocket Ranger) wendet sich Cinemaware 1990 dem ersten Weltkrieg zu. Mit dem Spiel Wings erzählt man die Geschichte eines englischen Piloten, der sich in seinem Doppeldecker gegen die Deutschen ins Gefecht wirft. Die Geschichte wird neben den Action-lastigen Spielsequenzen in schön erzählten Tagebucheinträgen voran getragen. Ein Spiel, das sich damals über zwei Disketten erstreckte. Die Zeit des Discjockeys am Diskettenlaufwerk brach gerade an, wobei zwei Disketten noch harmlos waren. Erinnert sich noch jemand an die 13 Disketten von Monkey Island 2, wo man auf dem Friedhof zwei mal die Plastikscheiben tauschen und gefühlte 5 Minuten Ladezeit warten musste, nur damit eine Fledermaus (oder war es ein Rabe?) vom Friedhofstor wegfliegen konnte?

Das eigentliche Spiel bestand aus drei unterschiedlichen Actioneinlagen. Gefühlt am häufigsten kammen Abfang- und Patrouillenmissionen im 3D-Stil. Mit garantiert weniger als 30 fps ruckelte man  sich damals durch eine relativ vegetationslose, grüne Ebene und kämpfte manchmal alleine, manchmal mit anderen Computermitstreitern gegen gegen kleine, rote Pixel-Fokker. Für damalige Verhältnisse waren das aber spannende Luftgefechte, die einen durchaus ins Schwitzen bringen konnten – und auch zum ärgern, nämlich genau dann, wenn man den Gegner mit einer letzten Salve vom Himmel holen wollte und dann der Computer-”Partner” sich den Abschuss unter den Nagel gerissen hat, weil er eine Sekunde früher den letzten Schuss ins Ziel bringen konnte.

In der zweiten Missionsart musste man im klassischen Top-Down-Scrolling Ziele auf der Erde bombardieren. Feindlichen Fliegern musste man ausweichen, die Bomben mussten mit dem richtigen Timing ausgeklinkt werden.

Die dritte Missionsart wechselte in eine isometrische 3D-Perspektive in der man seine Sopwith Camel im Tiefflug über feindliche Truppenteile ziehen musste. So mich meine Erinnerung nicht trügt war das der spaßigste Part. Die moralischen Aspekt lassen wir jetzt mal generös beiseite. Man war ja noch jung.

High-End-Grafik anno 1990 - das originale Wings (Bild: kickstarter/ © cinemaware)
High-End-Grafik anno 1990 – das originale Wings
(Bild: kickstarter/ © cinemaware)

Heutzutage ist es ja ganz lustig von Zeit zu Zeit mal ein altes Game wieder auszugraben. Emulatoren gibt es ja für alle Systeme genug. Hätte ich den Platz übrig könnte ich auch mein altes Amiga CDTV aus dem Keller holen, aber ich habe festgestellt, dass man bezüglich Ladezeiten in den letzten zwanzig Jahren doch etwas verwöhnt geworden ist. Das fällt einem spätestens dann auf, wenn man den Emulator die Daten im 1:1 Tempo laden lässt. Auch die geringen Frame-Raten erzeugen zwar heutzutage nostalgische Gefühle, langfristiger Spielspaß stellt sich jedoch nur bedingt ein. Um so schöner, dass dank Kickstarter immer mehr Klassiker der Spielewelt die Chance bekommen, ein komplette Make-Over zu bekommen.

Wie nicht anders zu erwarten ist jetzt Wings an der Reihe; zum zweiten mal. Der erste Versuch via Kickstarter ist vor ein paar Monaten leider in die Hose gegangen. Zu hoch war der angepeilte Finanzbedarf, zu ambitioniert die Überarbeitungspläne. Der zweite Versuch zeigt sich da etwas bescheidener. Zu allererst geht es darum, die alten Inhalte anzuhübschen und auf einem aktuellen PC zum laufen zu bekommen. Eine Alpha-Version mit fünf Flugmissionen gibt es bei Cinemaware übrigens schon als Teaser gratis zum download. Zusätzliche Inhalte und Versionen für andere Systeme kommen erst durch Erreichen von Stretch Goals hinzu. Das erste Ziel von 85.000 $ ist aktuell zur Hälfte geschafft. Die Prognose von Kicktraq sagt ein Funding von ca. 120.000 $ vorraus. Damit wären dann Übersetzungen in Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch sowie Versionen für Mac, Android und IOS drin. Neue Inhalte sind erst ab 150.000 angepeilt. Die wird es wohl nicht geben.

Der Amiga 500 (Bild: © Bill Bertram 2006)
Der Amiga 500
(Bild: © Bill Bertram 2006)

Mir persönlich sind neue Inhalte auch gar nicht so wichtig. Viel spannender finde ich da eher die in den Pledges mit inbegriffene 90er Originalversion per Emulator für IOS, Android und PC. Das würde mir vielleicht insgesamt sogar schon ausreichen. Aber wenn man das Gleich mit besserer Grafik bekommen kann, werde ich mich nicht wehren.

Aktuell frage ich mich einbisschen, in wie weit Cinemaware die Missionstype 2 und 3 umsetzen wird. Die Screenshots dazu sind leider nicht sehr aussagekräftig und in der Demo kann nur der 3D-Dogfight gespielt werden. Ein K.o. wäre das Weglassen der beiden Missionstypen, da mir die mehr Spaß als der Kampf in der Luft gemacht haben.

Wer ein bisschen Spaß an Retrogaming und damals auch Wings geaddelt hat sollte sich die Kickstartekampage mal genauer anschauen. 15$ für sind nicht die Welt. Das kann man mal riskieren.

You might also enjoy: