Kleiner Knopf, ganz groß - Pressy (Bild: © O.Thiele)
Kleiner Knopf, ganz groß – Pressy (Bild: © O.Thiele)

Lange hat‘s gedauert. Der für März angekündigte kleine Knopf zum nachrüsten ist endlich eingetrudelt. Wir erinnern uns: Im letzten Oktober erregte Nimrod Back mit Pressy, einem kleinen programmierbaren Knopf, den man in die Kopfhörer-Buchse des Smartphones steckt, bei Kickstarter großes Aufsehen. Die Finanzierung ging ab durch die Decke, das Funding endete über 1700% über dem Mindestziel. Danach wurde es erst mal ruhig.

Wirklich viele Updates gab es in der Zeit danach nicht, der Auslieferungstermin verstrich. Man sollte allerdings auch erwähnen, dass das für Kickstarterprojekt nicht ungewöhnlich ist. In diesem Fall lag es an Qualitätsproblemen bei der Herstellung. So ein Knopf, so einfach er auch aussieht, verlangt dann doch eine gehörige Portion an Fertigungsgenauigkeit. Will ja keiner, dass er nach 100 Klicks auseinander fällt.

Gut 3 ½ Monate später als angekündigt hat mich das gute Stück nun erreicht. Werfen wir doch mal einen Blick drauf.

So, kommt er an, der Knopf (Bild: © O.Thiele)
So, kommt er an, der Knopf (Bild: © O.Thiele)

Die Schachtel an sich hat gerade mal Postkartengröße. Naja, der Pressy ist auch kein Riese. Bei den Abmessungen der Schachtel kann ich mir aber schon vorstellen, dass da der eine oder andere Knopf auf dem Postweg verloren geht. Das schöne an Pressy ist allerdings, dass das Ding so billig war, dass man noch unter die üblichen Zollgrenzen fällt und der Zoll bei der Paketgröße das wohl auch nicht in Frage stellt. Sehr schön.

Die Schachtel ist schon mal ganz pfiffig gestaltet. Reißt man die Papplasche auf wird man erst mal mit dem Satz „Almost There… Keep Going… Good Job!“ auf dem darunter liegenden Schachtelrücken begrüßt. Sinn für Humor und liebe zum Detail. Mag ich.

In der Schachtel befindet sich gut gesichert der Knopf sowie eine Kurzanleitung für die Inbetriebnahme. Achtung: Bevor man jetzt gierig den Knopf ins Gerät stopft muss man erst die Pressy-App installieren und Starten. Diese leitet einen dann recht einfach durch den Installationsprozess.

Als erstes muss man die App mit seinem Google-Account verknüpfen. Da es ja mittlerweile schon so ein paar Nachahmer auf dem Markt gibt will Pressy sich so davor schützen, dass die Leute sich nen billigen Knopf holen und dann deren App benutzen. Der größte Aufwand bei dem Projekt dürfte zweifelsohne die Software gewesen sein. Da kann man den Schritt nachvollziehen.

Die Verknüpfung passiert über das Scannen eines QR-Codes in der Schachtel. Werft also die Schachtel nicht unachtsam weg, bevor ihr den Kram nicht installiert habt. Danach könnt ihr den Knopf in das Smartphone stecken.

Sinn für's Detail (Bild: © O.Thiele)
Sinn für’s Detail (Bild: © O.Thiele)

Beim Einstecken des Pressys sollte man darauf achten, nicht den Knopf selber zu drücken. Das kann zu seltsamen Reaktionen oder dazu führen, dass die App den Knopf nicht richtig erkennt. Außerdem muss der Knopf richtig eingesteckt sein. Das ist er erst, wenn die App einen fragt, ob man ein Pressy oder einen Kopfhörer eingesteckt hat.

Jetzt muss Pressy als Standardanwendung ausgewählt werden und danach muss man S Voice deaktivieren, soweit es auf dem Smartphone laufen sollte. Die App führt aber auch hier sehr schön durch diese Schritte. Nach einem kleinen Tutorial geht es dann los.

Die App, mit der man die Aktionen festlegen kann, auf die der Knopf reagiert, erinnert mich ein bisschen an ein abgespecktes Tasker. Man wählt eine Funktion aus, gibt ihr einen Namen und wählt den gewünschten Trigger aus. Fertig.

Für jeden Trigger kann man angeben, ob der auch bei ausgeschaltetem Display aktiv sein soll. Legt man zum Beispiel den Start der Kamera auf den Pressy und hat sein Telefon mit einer Sicherheitsabfrage (z.B. PIN) geschützt muss man zuerst diese freischalten bevor man seine Bilder machen kann. Will man also die Kamera-App starten muss man sich erst durch die Abfrage wühlen.

Was geht ist das direkte Aufnehmen eines Bildes. Allerdings sieht man dann das Bild nur kurz als Thumbnail über dem Log-In-Bildschirm. Bevor es jetzt aber lange Gesichter gibt sollte man aber auch bedenken, dass das der Sicherheit dient. Stellen wir uns vor, die Pressy-App würde den Sperrbildschirm einfach ignorieren und in die Kamera-App springen. Von dort aus wäre man dann in 0,nix im normalen System. Quasi eine Sicherheitslücke zum einstecken. Kann ich also mit leben.

Interessant wäre es auszuprobieren, wie sich Pressy mit der Sperrbildschirm-Kamera vom aktuellen Android verhält. Hab ja nur ein Note 2 mit aktuell noch Android 4.3. Die kann man ja vom Sperrbildschirm aus öffnen, ohne dass man von dort weiter ins System kommt. Wer das ausprobiert hat kann mir mal Bescheid sagen.

Der Knopf selber macht auf mich einen sehr hochwertigen Eindruck. Nichts wackelt und der Klickpunkt ist gut definiert. Die Klicks werden zwar nicht immer aber doch meistens korrekt ausgewertet. Ich würde mich allerdings eher auf einfache Klicks beschränken. Ein Doppelklick ist noch gut machbar, bei drei Klicks nimmt die Fehlerquote dann aber doch zu. Außerdem hat man bei drei Klicks die gewünschte Funktion vermutlich schneller auf üblichen Wegen erreicht.

So siehts dann am Phone aus. (Bild: © O.Thiele)
So siehts dann am Phone aus. (Bild: © O.Thiele)

Ob man so einen Knopf wirklich braucht ist eine gute Frage. Das steht und fällt mal wieder mit den denkbaren Scenarios. So ganz perfekt ist die Sache noch nicht, da die App bezüglich der auswählbaren Funktionen noch etwas eingeschränkt ist. So würde ich gerne den Pressy als Auslöser für die Kamera nutzen. Das ist aber nicht möglich. Momentan kann man die Kamera nur starten oder ein Bild sofort auslösen. Das geht dann aber nicht, wenn die Kamera-App schon am laufen ist. Außerdem werden die per Sofortauslösung aufgenommenen Bilder nicht im normalen Bilder-Ordner sondern in einem Pressy-Ordner abgelegt. Das mag mir auch nicht gefallen. Hoffen wir also, dass die App da in Zukunft noch etwas mehr Features bekommt.

Alternativ kann man natürlich auch mal schauen, was man mit Tasker so auf die Reihe bekommt. Dann könnte man allerdings auf die mittlerweile recht teure Geschichte verzichten und sich einen billigen China-Nachbau besorgen. Als Kickstarter-Early Bird für gut nen 10er hat man glaube ich einen reellen Gegenwert. Wer jetzt bestellt muss mit Shipping über 23 Euro auf den Tisch legen. Das ist dann doch etwas viel.

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