EIn Tasten-Meer - die Photoshop-Tastatur (Bild: kickstarter/© Sorin Neica)
EIn Tasten-Meer – die Photoshop-Tastatur (Bild: kickstarter/© Sorin Neica)

Wir erinnern uns: Die Arbeit mit Photoshop ist mein täglich Brot und ich bin stets bemüht, meine Arbeitsprozesse soweit wie möglich zu optimieren. Da bin ich mir dann auch nicht zu schade, den alten Witz mit dem beidhändigen Klavierspiel bezüglich der Tastenkürzel von Photoshop immer wieder zu bemühen. Der Short Cuts sind bei Photoshop nämlich nicht wenige und es kommt nicht selten vor, dass man drei oder vier Tasten gleichzeitig drücken muss.

Meinen Lösungsansatz hierfür hatte ich ja im Review über die Logitech G600 ausführlich beleuchtet. 20 Tasten an der Maus bieten eine Menge Spielraum einem die Fingerarbeit auf dem Keyboard zu erleichtern. So ganz ohne kommt man mit der G600 aber leider auch nicht aus.

Wer mehr Tasten will kann jetzt mal einen Blick auf das Kickstarterprojekt von Sorin Neica werfen. Er hat eine reine Photoshop-Tastatur entworfen. So ziemlich jede Funktion bekommt hier ihre eigene Taste und das sind nicht gerade wenig. 319 Tasten sind es genauer gesagt. Selbst die unterschiedlichen Varianten beim Aufziehen eines Auswahlrahmen (Strg, Alt, Strg+Alt) bekommen jeweils ihre eigene Taste. Das sieht wahrlich überwältigend aus.

Der Aufbau der Tastatur sieht schon mal ganz interessant aus. 299 Tasten sind bereit vorgelabelt und fest belegt. 20 Tasten kann der Nutzer selber frei belegen. Die Tasten selber scheinen unter einer Folie zu sitzen, aber der Icons für die jeweiligen Funktionen gedruckt sind. Wer jetzt eine gurkige Folientastatur erwartet hat aber Anlass zur Hoffnung. Neica verspricht einen vorhandenen Druckpunkt. Die Icons symbolisieren die unterschiedlichen Funktionen soweit das in der Auflösung zu erkennen ist durchaus brauchbar. Sicherlich wird es aber so einige Funktionen geben, die sich durch die Icons einem nicht sofort erschließen.

Die Tastatur wird mit USB an Windows oder Mac verbunden. Eine Softwareinstallation ist nicht notwendig. Mit den Abmessungen von L 403 mm x W 306 mm x H 8 mm nimmt die Tastatur eine ganze Menge Platz auf dem Schreibtisch ein.

Das Tastaturlayout des Photoshop-Keyboards. (Bild: kickstarter/© Sorin Neica)
Das Tastaturlayout des Photoshop-Keyboards. (Bild: kickstarter/© Sorin Neica)

Jetzt fragt man sich natürlich, ob man die 89$ plus Nebenkosten dafür investieren sollte. Schwierig. So ganz bin ich nicht überzeugt. Das hat folgende Gründe. Zum einen ist die Menge der Tasten so exorbitant hoch, das man vermutlich meist erst mal den Blick vom Monitor nehmen und die richtige Taste suchen muss. Da die Tasten an sich durch die Folie mit den Fingern nicht so eindeutig zu unterscheiden sein dürften wird vermutlich sehr viel Training notwendig sein, bis man diese blind bedienen kann. Das ist aber nur eine Vermutung. Würde auf einen Test ankommen, den ich sehr spannend finden würde.

Zweites Problem ist, dass man die Photoshop-Tastatur parallel zu einer normalen Tastatur betreiben muss. Normalen Buchstaben sind dort nämlich nicht zu finden. Jetzt kann der Hardcore-Bildbearbeiter natürlich in Feld führen, dass er ja bei der Bild-Retusche keine Texte eingeben muss. Da würde ich dann aber doch wiedersprechen. Wer sauber mit Photoshop arbeitet wird seine Gruppen und Ebenen sprechend benennen. Bei meinen Dokumenten kommen davon regelmäßig locker 300 bis 400 Zusammen. Jedes mal die Tastatur wechseln und unbequem tippen, weil die normale Tastatur zu weit weg steht, ist nicht sehr ergonomisch. Da hätte man auch noch zusätzlich einen normalen Buchstabensatz unterbringen können.  Die 60 Tasten  mehr würden auch nicht stören.

Ob ich mit der Tastatur schneller als mit meiner 20-Tastenmaus wäre wage ich momentan zu bezweifeln. Anderer Seit ist das sicherlich auch eine Frage des Trainings. Wer genügend Motivation und Zeit in die Einarbeitung steckt wird mit der Photoshop-Tastatur sicherlich eine Menge Zeit und Mausmeter sparen können.

Ich will aber auch nicht den primären Haben-Wollen-Faktor verschweigen. Das Ding sieht einfach geil aus. Ich stelle mir gerade die Gesichter der Kollegen vor, wenn man so ein Teil auf dem Schreibtisch liegen hat. Deren Ehrfurcht und Hochachtung dürfte einem sicher sein. Manchmal muss man ja auch etwas für sein Ego tun. Als Designer hat man es ja nicht leicht. Meistens kämpft man je eher damit, dass jeder, der schon mal ein Strichmännchen auf einen Bierdeckel gekrakelt hat der Meinung ist, es besser zu wissen und zu können. Die alte Sache mit dem Propheten im eigenen und so… Ihr kennt das sicherlich.

Ein bisschen zuckt es als in den Fingern. Wenn man sich die Kicktraq-Zahlen so anschaut ist leider zu vermuten, dass das Projekt nicht erfolgreich gefundet wird.  Aber wer weiß, vielleicht kommt da ja noch etwas Bewegung ins Spielt.

Die Einschätzung, in wie weit bei erfolgreichem Funding auch wirklich ein gutes Produkt den Backer erreichen wird ist mal wieder nicht leicht. Der Umstand, dass schon eine Kleinserie von 50 Stück hergestellt wurde lässt aber vermuten, dass man sich des Aufwandes und der Probleme bei der Herstellung durchaus bewusst ist.

Ein Risiko sollte man allerdings nicht verschweigen. Die Tastatur wurde in Transilvanien entworfen. Man sollte sich also nicht wundern, wenn sie per Fledermaus geliefert wird.

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