Der Traum vom Kleingarten. Links das Gartenhaus, rechts der Geräteschuppen. Die rote Linie markiert die Strecke, die es zu graben gilt. (Bild: B. Thiele)
Der Traum vom Kleingarten. Links das Gartenhaus, rechts der Geräteschuppen. Die rote Linie markiert die Strecke, die es zu graben gilt. (Bild: B. Thiele)

Der Frühling ist gefühlt schon da und schwupps, ist der richtige Zeitpunkt da, die ersten Aktionen im Garten zu starten. Der Garten ist mit 50 Metern relativ lang. Das Häuschen wird vorne am Weg aufgestellt. Ein kleiner Geräteschuppen ist genau am anderen Ende des Gartens geplant. Auf halber Höhe soll noch eine Wasserstelle platziert werden, damit man im Sommer zum gießen nicht ganze 50 Meter Schlauch bewegen muss.

So eine Wasserleitung sollte ja leider ansatzweise frostsicher unter die Erde gebracht werden. 60 Zentimeter tief buddeln ist angesagt. Und da man schon dabei ist wird der Kanal nicht nur zur Hälfte des Geländes sondern einmal ganz durch gegraben, denn Strom im Geräteschuppen ist eine feine Sache, besonders, weil der Kompost dort in der Nähe ist und der Gartenhecksler dort prima Dienste leisten kann.

Immer locker

Schnell ausgehoben. Ohne Steine sind 60 cm flott gemacht.
Schnell ausgehoben. Ohne Steine sind 60 cm flott gemacht. (Bild: O.Thiele)

Gesagt… getan. Der Spaten wird geschultert und ran an die Buletten. Die ersten 35 Meter gehen flott von der Hand. So ein paar Steine sind schnell umgraben, Wurzelwerk hält sich in Grenzen und nur ein ominöses Rohr quert knapp unter der Grasnarbe die Trasse. Sehr schön. Nach zwei Stunden sind die ersten 20 Meter geschafft. Der Halt des ersten Tages im Feld kommt an einer alten Gebüschwurzel, etwa in der Größe eines Medizinballs. Da zahlt es sich aus, wenn man nicht alleine buddeln muss und die weibliche Hälfte aus lauter Lust an der Gartenarbeit das Ding so gut wie alleine ausgräbt.

Das Loch ist zwar etwas breiter als der Rest des Kanals aber schöner Weise genau auf der Mitte der Strecke. Ein perfekter Platz für die Wasserstelle. Am nächsten Tag geht es weiter…

Spieglein, Spieglein unter Gras

Soweit der Spaten es schafft. Alte Dachziegl direkt unter der Grasnarbe machen es nicht leicht. (Bild: O.Thiele)
Soweit der Spaten es schafft. Alte Dachziegl direkt unter der Grasnarbe machen es nicht leicht. (Bild: O.Thiele)

Neuer Tag, neues Glück. Die nächsten 15 Meter gehen dank guter Spaten wieder recht leicht von der Hand. Dann wird es jedoch interessant. Nach einem Spatenstich tiefe geht es nicht mehr weiter. Sind wir auf Granit gestoßen? Leider nicht. Vielmehr  fördern wir die ersten alten Dachziegel an die Oberfläche. Super. Naja, erst mal den geplanten Graben oberflächlich bis zum Ende durchziehen. In die Tiefe kann man dann am nächsten Wochenende vorstoßen. Nächster Spatenstich… Glasscherben. Ich glaube es hackt. Das jemand (wohl der Bewohner des Behelfsheimes, dass vorher auf dem Grundstück stand) alte Dachziegel vergräbt ist ja schon mal nicht sehr nachhaltig gedacht. Aber wie kommt man bitte schön auf die Idee, Glasscheiben und einen Spiegel nicht mal einen Spaten tiefer unter die Grasnarbe zu legen? Mir ein Rätsel. Grummel, grummel.

Weiter geht’s. Nach zwei Stunden freudigen Steineklopfens in der Woche bleiben für das kommende Wochenende noch etwa 4 Meter, die es in sich haben. Sind am Anfang und Ende des Trümmer-Feldes primär die schon bekannten Dachziegel zu finden kann man in der Mitte schon fast archäologische Studien treiben. Von Metallstangen über Parkschilder bis hin zu einem etwas 20 cm durchmessenden Metallrohr mit angeschweißtem kleinen Quer-Rohr das einmal über den Graben läuft ist so einiges dabei. Was auch immer das für ein Rohr ist. Ob der Vorbesitzer dort einen Anhänger vergraben hat? Graben wir besser mal nicht weiter. Immerhin hat der Vereinsvorstand versichert, dass keine bombigen Überraschungen aus dem letzten Krieg zu erwarten sind. Das beruhigt dann doch ein bisschen.

Man fragt sich direkt, ob man nicht irgendwo auf die Frau des Vorbesitzers in der Erde stößt. Man mag sich hier an die Komödie Arsen und Spitzenhäubchen erinnern, in der auch fleißig am Panamakanal gearbeitet wurde. Hätte zumindest den Vorteil, dass dann die Polizei das Grundstück umgraben würde. Der Fund von 17 Millionen Dollar in Goldmünzen in den Staaten motiviert da leider auch nur bedingt weiter.

Viel Schotter

Der Fund nach einer Stunde graben. (Bild: O.Thiele)
Der Fund nach einer Stunde graben. (Bild: O.Thiele)

Aber Jammern hilft nichts. Nach etwa 7 bis 8 Schubkarren voller Schutt und Schrott sowie der freundlichen Leihgabe einer Spitzhacke durch den hilfreichen Nachbarn ist der Durchbruch am Sonntag des zweiten Wochenendes geschafft. Ein Erfolgserlebnis. Sehr schön. Hoffen wir nur, dass beim geplanten Umpflügen des Geländes uns der Untergrund nicht noch die eine oder andere böse Überraschung bringt.

Auf jeden Fall war es gut, den Graben hinten auf dem Gelände angefangen zu haben. Wäre wir gleich am Anfang der Buddelei auf den Schutt gestoßen hätten wir vermutlich nach zwei Metern das Handtuch geschmissen.

Fest gemauert in der Erden

Ein Wochenende später ist zubuddeln angesagt. Wetter ist ok bis gut. Die aktuelle Herausforderung heißt „Wasser“. Wie jeder Kanal, der etwas auf sich hält, führt mittlerweile auch unserer eine beachtliche Literzahl Wasser. Gut, dass die Menschheit mit so einen Sachen wie Gummistiefeln gesegnet sind. Da 5-adriges Erdkabel sowie PE-Wasserrohr sich nämlich etwas störrisch verhalten kann man diese nämlich nicht so ohne weiteres in den Graben werfen und zubuddeln. Vielmehr muss man sie runter drücken und soweit Erde oben drauf werfen, dass sie sich nicht wieder von selber nach oben biegen können.

Ah, der Kanal ist fertig. (Bild: O.Thiele)
Ah, der Kanal ist fertig. (Bild: O.Thiele)

Der Wasserstand am Anfang ist noch recht überschaubar, die ersten 20 Meter schnell zugeworfen. Da wir wieder von hinten angefangen haben ist am Samstag auch nur Erdkabel unter die Erde gebracht worden. Der Sonntag stand dann im Zeichen des Wassermannes. Mit jedem zugeworfenen Meter steigt ja auch der Wasserstand.

Als erste Aufgabe stand am Sonntag an, das Wasserrohr so in den Kanal zu bekommen, dass es bei der geplanten Zapfstelle auch einigermaßen senkrecht aus dem Boden kommt. Abrollen und entwinden ist da eine gute Maßnahme. So ein PE-Rohr ist nämlich noch störrischer als das Erdkabel. Rohr in den Kanal, mit fester Hand nach unten drücken und kräftig Erde drauf. Natürlich muss man dabei im Kanal stehen und mit dem Fuß das Rohr auch runter drücken. Klar, dass das Zuschütten ne spritzige Sache wird. Die richtige Arbeitskleidung zahlt sich da aus. Nur gut, dass ich mir ein paar Tage zuvor besagte Gummistiefel und eine vernünftige Arbeitshose geholt habe. Ist echt Gold wert und viel angenehmer als sich mit ner normalen Jeans oder der weit verbreiteten ausgenudelten Trainingshose in den Graben zu begeben. Kann ich nur jedem empfehlen.

Ein Graben ohne Wasser ist wie ein Kugelschreiber ohne Kugel. (Bild: O.Thiele)
Ein Graben ohne Wasser ist wie ein Kugelschreiber ohne Kugel. (Bild: O.Thiele)

Der Rest des Grabens wird auf recht unspektakuläre Art und Weise geschlossen. Lediglich die Menge zur Verfügung stehenden Füllmaterials lässt zu wünschen übrig. 7 bis 8 Schubkarren Dachziegel fehlen dann doch ein bisschen. Muss halt warten, biss das Gelände mit Mutterboden aufgefüllt wird.

Um noch mal auf das Wasser zurück zu kommen. Die letzten zwei Meter Kanal mussten leider offen bleiben. Wenn das Wasser schon fast über den Rand schwappt und man keine Anglerstiefel parat hat ist es angeraten noch ein paar Tage zu warten und zu hoffen, dass der Wasserstand noch etwas weiter nach unten geht. Hoffen wir also weiterhin auf gutes Wetter und wenig Regen.

Schöne Aussichten

Folgendes steht als nächstes auf dem Plan:

  • Rasen mähen

  • Garten umpflügen

  • Abwasserkanal restaurieren

  • Mutterboden kommen lassen

  • Wasser und Strom-Anschluss an das Netz

Eine genauere Betrachtung der Spaten, die wir einsetzen ist auch noch geplant. Diese haben sich bis jetzt sehr gut bewährt und sind somit eine kleine Kaufempfehlung wert.

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