Sicherheit durch ein offenes System - OXY Smartwatch (Bild: © OXY)
Sicherheit durch ein offenes System – OXY Smartwatch (Bild: © OXY)

Das Jahr 2015 hat uns bis jetzt ja schon so einiges an Smartwatches gebracht. Von enttäuschend (TAG Heuer) über endlich mal was alltagstaugliches (Pebble Time) bis hin zu innovativ (Blocks) haben wir schon viel gesehen. Auch wenn Smartwatches hier im Blog ein recht großes Thema sind ist es dem einen oder anderen vielleicht schon aufgefallen, dass ich nicht jedes Modell erwähne. Gerade bei den Andoird Wear-Zwiebeln gibt es meist nicht genug Spannendes zu berichten, so dass die dann unerwähnt bleiben.

Einen spannenden Kandidaten für dies Jahr habe ich dann aber doch noch für euch: die OXY Smartwatch. Die OXY wird es in einer runden und einer eckigen Version geben. Beide sind mit einem OLED-Display ausgestattet, dass wie bei Android Wear mehr oder weniger allways-on sein soll. Rund löst mit 400×400 und eckig mit 320×320 Pixeln auf. Die sonstige Ausstattung kommt einen Tick üppiger daher als bei den anderen Kandidaten auf dem Markt. So wird einen 1GB/8GB Speicherausstattung erwähnt. Außerdem ist die Uhr mit WiFi ausgestattet. Haben bei weitem nicht alle Smartwatches. Die Sensorausstattung ist mit den üblichen Bewegungssensoren, Gyroskop und Herzfrequenzmesser auf der Höhe der Zeit. Statt dem weit verbreiteten Snapdragon 400 wird jedoch auf einen Prozessor von MIPS gesetzt. Hierdurch soll mit einem 350 mAh- Akku dann eine Laufzeit von drei Tagen erreicht werden. Wäre nicht schlecht, wenn die das erreichen würden. Aber selbst zwei volle Tage könnten sich sehen lassen.

Zu den guten inneren Werten kommt noch ein sehr gefälliges Äußeres hinzu. Zumindest die runde Version trifft genau meinen Geschmack. Kleiner Hinweis. Die Lünette des Prototypens in der Kampagne sieht noch ein tick dicker aus als beim angepeilten finalen Produkt. So wurde es mir zumindest vom Initiator mitgeteilt. Die Renderings sind das eindeutige Ziel wo es hingehen soll und es gibt auch schon Prototypen mit schmalerer Lünette.

Bis jetzt liest sich das alles ganz nett, hebt sich aber nicht so extrem von der Konkurrenz ab. Könnte man also fragen:“ Mensch Ollii, warum schreibst du drüber? Wo ist das Alleinstellungsmerkmal?“

Natürlich gibt es dafür eine Antwort. Das Besondere der Oxy dürfte die Software sein. Es wird nämlich nicht ein Android Wear verbaut. Man setzt auf Android 5.1.1 mit einem ELF OS genannten Aufsatz und ist also nicht an das eng gezogene Konzept von Wear gebunden. Vielmehr hat man ein frei konfigurierbares System, dass die Swype-Orgien von Wear vermeiden soll. Das erklärte Ziel ist, alle Funktionen der Uhr in maximal drei Swypes erreichen zu können.

Weiterer Vorteil ist, dass normale Android-Apps auch auf der Uhr laufen sollten (solange die auf dem runden Display bedienbar sind). Wie das aussieht kann man schön am Doodle Jump-Beispiel sehen.

Noch viel spannender finde ich den Ansatz, die Software der Uhr komplett offen zu halten. Man wird problemlos in den Bootloader kommen und gerootet ist das Teil auch schon. Im Gegensatz zu den meisten Herstellen, die sich alle Mühe geben, ihre Devices so dicht wie möglich zu machen geht man hier genau den anderen Weg. Das hat den Vorteil, dass man bezüglich Updates und Erweiterung nicht auf die Gnade des Herstellers angewiesen ist. Wir wissen ja alle, dass die Bemühungen vieler Hersteller ihrer Geräte mit Updates zu versorgen oft kurzfristiger ist als die Aufmerksamkeit eines Hundewelpens im Bällebad. Eine ansatzweise motivierte Community dürfte erheblich schlagkräftiger sein, zumal der komplette Quellcode von ELF OS von der Developer-Site von OXY runterladbar ist.

Ein offenes System ist meines Erachtens vielleicht sogar wichtiger als innovative Features. Würde ich vor der Wahl zum Beispiel zwischen Blocks und OXY stehen würde der Ausschlag möglicherweise sogar Richtung OXY gehen. Was bringt das coolste Feature wenn der Hersteller mit dem Bugfixing nicht hinterher kommt. Da sind die Ressourcen bei einer offenen Community, die das aus Spaß an der Freude macht, besser verteilt. Sollte natürlich anders sein, aber gerade Start-Ups sind personell ja eher knapp ausgestattet.

Schon chic. Macht mich momentan mehr an als die TAG Heuer (Bild: © OXY)
Schon chic. Macht mich momentan mehr an als die TAG Heuer (Bild: © OXY)

Wie wichtig so eine Community ist konnte man sehr gut bei der Omate Truesmart sehen. Diese hatte ja Sicherheitslücken so groß wie Scheunentore. Ohne Lokifish Marz, der am Anfang sehr aktiv bezüglich der Truesmart war, hätte sich daran auch nichts geändert. Leider wurde er dann von fehlender Unterstützung Seitens des Herstellers und anderen Forenmitgliedern, die sich wohl ungefragt seiner Arbeit bedient hatten, vergrault.

Genau dieser Lokifish ist jetzt übrigens mit in das OXY-Projekt involviert. Wer sein Schaffen bei Google+ etwas verfolgt wird wissen, dass er einen sehr hohen Anspruch bezüglich Smartwatches hat. Das lässt mich hoffen, dass seine Expertise dem Projekt zum Vorteil gereichen wird.

Unter dem Strich würde ich der OXY also auch wegen dieser Personalie viel Potential zutrauen. Die üblichen Risiken bei Crowdfunding-Kampagnen bleiben natürlich bestehen. Eine Ausgabe von aktuell 239$ plus Nebenkosten will selbstredend reiflich überlegt sein. Gut, dass ich mit meiner Pebble Time so zufrieden bin, dass ich mir da keine Gedanken drüber machen muss.

You might also enjoy: