Nest Protect Rauchmelder (Bild: © Nest Labs)
Nest Protect Rauchmelder
(Bild: © Nest Labs)

Wie in „Viel Rauch für nichts“ schon angekündigt will ich heute mal den Nest Protect Rauchmelder etwas genauer unter die Lupe nehmen. Mittlerweile ist das Projekt so weit gediehen, dass die ehemaligen Apple-Leute von Nest umfassende Informationen sowie Produktbilder zur Verfügung gestellt haben und man Vorbestellungen tätigen kann.

Ein Mac an der Decke

Nest Protect in weiß (Bild: © Nest Labs)
Nest Protect in weiß
(Bild: © Nest Labs)

Schauen wir uns den Protect erst einmal von außen an. Von der Seite betrachtet dürfte die erste Reaktion sein: Der sieht aus wie ein Mac Mini. Von oben, oder besser gesagt von unten, denn er hängt ja an der Decke, sieht der Protect doch etwas anders aus. Die Oberfläche ist mit einem Lochmuster versehen, dass ein bisschen die Anmutung einer Sonnenblume hat. Mittig sitzt ein großer, runder Knopf mit dem Nest-Logo. Um den Knopf ist ein versenkter Leuchtring angebracht. Dieser kann in unterschiedlichen Farben leuchten und dient u.a. zur Kommunikation mit den Bewohnern. Im Großen und Ganzen als ein ganz chices Gerät. Es gibt den Protect in schwarz und in weiß. Mit einer Kantenlänge von 13,4 cm gehört das Gerät aber nicht zu den Zwergen unter den Rauchmeldern.

iPad-App für Nest Protect (Bild: © Nest Labs)
iPad-App für Nest Protect
(Bild: © Nest Labs)

Husten, wir haben ein Problem

Optik hin, Ausehen her, die eigentliche Aufgabe eines Rauchmelders ist das Melden von Gefahr. Wenn man sich die Featureliste des Protect so anschaut hat man sich bei Nest mehr als ein paar Gedanken gemacht, wie man das umsetzen kann. Der Protect hat eine Menge Sensoren an Bord. Zuerst wäre da der eigentlich in allen Rauchmeldern vorhandene optische Sensor. Gut, das ist Standard und viele Melder können genau das und nur das. Alarm schlagen, wenn der Sensor feststellt, dass sich Rauchpartikel in der Luft befinden. Das ist beim Protect aber erst der Anfang. Des weiteren hat er nämlich noch einen CO-Detektor an Bord. Kohlenmonoxid kommt z.B. häufig in Verbindung mit Problemen bei Gasheizungen ins Spiel und ist tückisch, da das Gas weder sichtbar noch am Geruch zu erkennen ist. Will man beides in einem Melder haben ist die Auswahl schon geringer. Wo Feuer ist, steigt auch meist die Temperatur. Also liegt es nahe, auch einen Temperatursensor zu verbauen. Steigt die Temperatur setzt der Melder automatisch die Empfindlichkeit der anderen Sensoren hoch. Um das Maß voll zu machen verbaut Nest auch noch drei Bewegungssensoren, einen Umgebungslichtsensor und einen Luftfeuchtigkeitssensor. Gewürzt wird diese Sensorphalanx dann noch mit Wlan, einem Lautsprecher und den Alarm.

Viel drin, in dem Teil. Aber einfach nur ein paar Sensoren mehr verbauen macht noch keine Innovation aus. Spannend wird der Gerät durch das Zusammenspiel der Komponenten. Durch das Wlan können alle Melder im Haus untereinander kommunizieren. Stellt ein Melder ein Problem fest reicht er die Informationen an die anderen weiter. Ist jetzt auch schon mal da gewesen. Der Schritt weiter, der hier gemacht wird, besteht darin, dass die Melder nicht einfach sofort losbrüllen sondern bei ersten Anzeichen mit einer Stimme warnen, dass in einem bestimmten Zimmer etwas los ist. “Achtung, Rauch im Schlafzimmer!” Erst wenn die Gefahr zu groß wird brüllt die Anlage los. Da ist es natürlich naheliegend, dass die Nest Protects via App mit iPhone und Android gekoppelt werden können. Ist man nicht zu Hause wird man auf dem Handy informiert, dass man auf dem Heimweg vielleicht noch ein Zelt kaufen sollte, da das Haus abgebrannt ist. Wer in der Flammenhölle noch den Mut hat, das Telefon zu greifen kann sich auch via App Schritt für Schritt durch die Kriese leiten lassen. Kind einstecken, Haus verlassen, Feuerwehr rufen. Nicht schlecht, wenn man das im Notfall noch mal schwarz auf weiß nachlesen kann, ohne erst Wikipedia aufrufen zu müssen.

Lichterfest

Der Leuchtring macht übrigens auch auf die Gefahr aufmerksam. Bei mögliche Gefahr leuchtet er gelb, wenn es richtig ernst wird leuchtet er rot. Gut, im Notfall ist die Farbe nicht so von Belang. Interessant ist die Anwendung des Leuchtrings im Normalfall. Er dient als Statusanzeige, ob die Batterien noch genug Saft haben. Schaltet man Abends das Licht aus leuchtet er kurz grün (genug Strom vorhanden) oder orange (Batterie tauschen)  auf. Informationen, die man sich natürlich auch via App auf Pad oder Phone holen kann. Und wenn man schon ein Licht eingebaut hat kann man es auch als Nachtlicht verwenden. Da der Protect Bewegungssensoren eingebaut hat brauchen die auch nicht die ganze Nacht leuchten sondern werden nur bei Bedarf eingeschaltet. Das spart Strom. der Bewegungssensor ist übrigens auch dafür da, einen Alarm abzublasen. Brennt in der Altbau-Küche mal das Toast an muss man nicht erst die 3 Meter-Leiter aus dem Keller holen, um den Alarm abzustellen. Kräftig mit den Armen winken reicht aus.

Nest Protect als Nachtlicht (Bild: © Nest Labs)
Nest Protect als Nachtlicht
(Bild: © Nest Labs)

…und der ganze Rest

Kommen wir zum Strom. Hier gibt es zwei Varianten des Protect. Zum einen gibt es eine rein Batterie betriebene Version. Der Klassiker, bei dem man regelmäßig den Zustand der Batterien testen muss. Das machen die Rauchmelder einem allerdings wie oben beschrieben sehr leicht. Für den amerikanischen Markt gibt aber auch noch eine Version, die direkt an das  110V Stromnetz angeschlossen werden können. Das ist allerdings eher etwas für einen Neubau oder wenn man die Decke abhängen möchte, da die wenigsten Stromkabel aus der Decke hängen haben dürften. Lampenstromkabel sind auf Grund der Möglichkeit, diese auszuschalten nicht sehr geeignet. Um einem Stromausfall vorzubeugen hat der Stromversion auch noch Backupbatterien an Bord. In wie weit es eine europäische Variante geben wird ist der Website von Nest noch nicht zu entnehmen. Hat man den Thermostat von Nest im Haus können die Protects mit denen kommunizieren und im Notfall zum Beispiel die Heizung runter fahren.

Ich denke, Nest hat mit dem Protect ein gutes Stück zusätzlicher Sicherheit für das eigene Heim angekündigt, dass sogar einigermaßen ansehlich ist. Mit etwa $ 130 pro Stück ist es allerdings kein billiger Spaß. Man darf ja nicht vergessen, dass ein Melder nur in einer Einraumwohnung ausreicht. Großes Haus, viele Melder.

Aber wenn man schon alles zum Thema Brandschutz unternommen hat, einen Feuerlöscher und eine Branddecke besitzt und das letzte Quäntchen Sicherheit möchte wird sich den Protect mal anschauen müssen.

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