Kann fast alles... wenns denn beim Kunden ankommt - die InfraV No-Blood Glucose-Überwachungs-Smartwatch (Bild: indiegogo/© infra-V Technologies Inc. )
Kann fast alles… wenns denn beim Kunden ankommt – die InfraV No-Blood Glucose-Überwachungs-Smartwatch (Bild: indiegogo/© infra-V Technologies Inc. )

Oh je, schon wieder so ein Projekt, bei dem man a) genauer die Projektbeschreibung lesen und b) ein paar Zweifel anmelden sollte, ob das so umsetzbar ist.

Die InfraV No-Blood-Smartwatch, die man jetzt bei indiegogo unterstützen kann, ist vollgestopft mit Features, die es so in dieser Form noch nicht am Handgelenk gibt. Schon mal ein kräftiges Warnsignal.

Bei der Uhr handelt es sich um ein Gerät, mit dem man den Zuckergehalt im Blut, den Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstofflevel, Körpertemperatur, ECG und sogar die Nierenfunktion überwachen kann (muss man dafür auf die Uhr draufpinkeln?). Klar, dass die Uhr dann auch gleich noch ein kompletter Fitness-Tracker ist und als Smartwatch funktioniert.

Verpackt ist das Ganze dann in einem durchaus ansehnlichen und recht flachen Gehäuse, in das ein Display mit sehr schmalen Rand eingelassen ist. Selbst wenn man jetzt mal die ganzen Gesundheitsfunktionen weglassen würde… wenn die alleine schon das Design in dieser Art und Weise umgesetzt bekommen würden, wären sie den meisten anderen Smartwatch-Herstellern mehr als eine Nase voraus. Aber wer die Kampagnen-Beschreibung sorgfältig liest wird auch feststellen, dass den Backern nur ein Gerät unterstützen, dass dem vorgestellten ähnlich ist („With your help, a device similar to what we are offering here today“). Die gute, alte Katze im Sack.

Wie nicht anders zu erwarten werden wir in der Kampagne dann auch nur mit ganz netten Renderings des Uhrenkonzeptes beglückt. Von etwas, das ansatzweise nach funktionierenden Prototypen aussieht fehlt jegliche Spur.

Ja, leider, leider, dürften auch hier wieder die üblichen Crowdfunding-Weisheiten zutreffen. Verspricht der Hersteller Funktionen, die in dieser Art und Weise noch nie in einem Gerät zu finden waren, sollte man ernsthafte Zweifel anmelden. Ist das in einem Design verpackt, das so auch noch nicht auf dem Markt zu finden ist, sollten die Zweifel noch erheblich größer sein. Fehlen Bilder eines realen Prototypen? Das wird nix und produziert nur unzufriedene Backer.

Es gibt unzählige Firmen, die an solchen Geschichten forschen. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein kleines StartUp da den heiligen Gral gefunden hat? Und selbst wenn die etwas in der Richtung gebaut bekommen wage ich zu bezweifeln, dass die Genauigkeit ausreichen wird, damit sich zum Beispiel ein Diabetiker auf das Gerät verlassen sollte. Ja sogar selbst wenn die Sensoren funktionieren sollten ist dann immer noch die Frage, ob die Software der Uhr zuverlässig genug läuft, um ihr bei durchaus lebenswichtigen Fragen blind vertrauen zu dürfen. Ich habe jetzt schon zwei Uhren aus Crowdfunding-Kampagnen erworben und bei beiden lagen die Hauptprobleme immer in der Software begründet. Das dürfte hier auch nicht anders sein.

Da möchte man ja fast schon den Vorwurf in den Raum stellen, dass hier möglicher Weise fahrlässig mit der Gesundheit der Unterstützer gespielt wird… wenn die denn jemals so eine Uhr erhalten.

Interessant ist auch, dass das Team aus einer Designerin, einem Software-Entwickler, einem Elektroniker, einem Marketing-Spezialisten, einer Sekretärin, einem Herstellungsberater und einem ohne genannter Funktion besteht. Wo kommt denn da das KnowHow über die ganzen Gesundheitsgeschichten her?

Der Zeitplan (Q1, 2015) ist da auch nichtgeneigt, das Vertrauen zu stärken. Zu aller Letzt sollte einen die Information, dass die Firma das eingesetzte Geld neben der Komplettierung des produktionsfertigen Prototypens auch für die Erstellung des Marketingmaterials verwenden will, von einer Unterstützung abhalten. Hier wurde wohl vergessen, dass die Produktion so einer Uhr durchaus auch den einen oder anderen Dollar kosten wird. So eine Spritzgussform kostet so einiges, von den ganzen benötigten Bauteilen mal ganz abgesehen. Bevor man das Geld der Backer für Marketing raus wirft sollte doch erst mal sichergestellt werden, dass genügend Geld für die Produktion der Uhren bereit steht.

 

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