Sony NWZ-W273Musik ist Trumpf. Und wo hört der junge Familienvater am besten Musik? Richtig, beim Laufen :-). Nirgendwo sonst kann er seinem musikalischen Geschmack so freien Lauf lassen. Keine Nachbarn, die man stört, kein süßes kleines Kind, das mit Knöpfen spielen will und mit der richtigen Musik ist man auch gleich noch ein Tick schneller. Außerdem muss man sich selber nicht schnaufen und den Schlüssel in der Tasche nicht klimpern hören.

Um mit Musik zu laufen gibt es diverse Möglichkeiten. Manch einer läuft gerne mit Smartphone. Die schwarzen Binden um den Arm sehen mir aber zu sehr nach Trauerflor aus. Die ganzen Bedienmöglichkeiten brauche ich auch während des Sports nicht und da ich eh mit GPS-Uhr laufe bin ich auch nicht auf die Auswertung via App angewiesen. Am Oberarm sind die Dinger eh nicht abzulesen.

MP3-Player gibt’s natürlich wie Sand am Meer, haben aber immer zwei Nachteile. Erstens muss man Sportklamotten mit Tasche haben, wenn man den nicht in der Hand halten will und zweitens hat man immer das Kopfhörerkabel rumbaumeln. Mich stört es. Aus diesem Grund habe ich vor drei Jahren meinen Ipod Shuffle eingemottet und einen Sony NWZ-W252 gekauft. Natürlich mit Tarnfarbe… war halt 20 Euro billiger, weil den wohl keiner haben wollt. Was ist daran so besonders? Die NWZ-W-Serien von Sony sind MP3-Player, die direkt in den Kopfhörern eingebaut sein. Man hat also nur eine Kabelverbindung von Ohr zu Ohr. Alle Bedienelemente befinden sich an den Kopfhörerteilen. Klein, leicht, praktisch. Durch die Kabelführung sitzen sie Hörer sehr sicher, zumal kein nach unten führendes Kabel Zug ausübt. Optisch sieht das Ganze ein bisschen so aus, als würde man auf jeder Seite ein Headset tragen. Sicherlich nicht jeder Manns Sache, aber dezenter als mit geschlossenen Mickey Mäusen rumzulaufen alle mal.

Drei Jahre ausgiebigen Musikgenusses sind eine Lange Zeit und nachdem die Rechte Seite des alten W252 das zeitliche gesegnet hat musste nun Ersatz her. Mit dem Konzept sehr zufrieden lag es natürlich nahe, sich den Nach-Nachfolger, den Sony NWZ-W273 anzuschaffen.

Was kann der NWZ-W273?

Der MP3-Player eingeklick in der Dockingstation. Das schwarze Gummi unten am Kopfhörerkabel dient dazu, das Kabel so auf Spannung zu bringen, dass es 100%ig fest sitzt.
Der MP3-Player eingeklick in der Dockingstation. Das schwarze Gummi unten am Kopfhörerkabel dient dazu, das Kabel so auf Spannung zu bringen, dass es 100%ig fest sitzt.

In erster Linie kann der W273, genau wie sein Vorgänger Musik spielen. Nicht viel mehr, aber auch nicht weniger. Und das macht er für meinen Geschmack sehr gut. Genau die richtige Menge Bass, ohne dabei das Gesamtklangbild zu sehr zu vermatschen. Lautstärke in richtigen Maßen. Für den Schlussspurt kann man gut aufdrehen, ohne dass einem dabei allerdings das Gehirn rausgeblasen wird. Und davon abgesehen? Weitere Keyfeatures laut Sony sind:

  • Mit 29 g geringes Gewicht
  • 4 GB Speicherplatz. Mehr als genug. Bei einem displaylosen Player machen 100000 Musikstücke eh keinen Sinn.
  • Dockingstation zum Anschluss an den Rechner und zum aufladen
  • 8 Std. Musikwiedergabe (Komplettladung dauert ca. 1,5 Stunden)
  • 60 Minuten Wiedergabe nach 3 Minuten Ladezeit. Falls man mal vergessen hat, das Teil aufzuladen… die drei Minuten kann man dann auch noch warten
  • Wasserdicht nach IPX8-Standard, d.h. Sony wirbt mit 100%iger Wasserdichtigkeit bis zu einer Tiefe von 2 Metern. Sollte ausreichen, um damit schwimmen zu gehen. Vom Tauchen würde ich aber eher abraten ;-).

Jetzt gibt es natürlich noch diverse Buzzword-Features wie z.B. Zappin, mit dem man sich die dynamischten Teile eines jeweiligen Songs anhören kann um „schnell einen Beat suchen, der es mit Ihrer Geschwindigkeit aufnehmen kann“. Ist aber bei meinem Gebrauch eher überflüssig. Weiß eh, was für Musik ich rauf habe und wenn man nicht zufälliger Weise nur Stücke ala „Money for Nothing“ mit ewig langen Intros hat weiß man eh nach zwei Sekunden, welcher Song kommt.

Tragekomfort

Bei den NWZ-W handelt es sich um Kopfhörer im In-Ear-Style. Sie im Gegensatz zu Earbudhörer, die ins Ohr eingehängt werden  sozusagen in den Gehörgang gestopft. Dadurch sitzen die Hörer sehr sicher und fest, schließen aber auch mehr ab als Earbuds. Wer also gerne viel von seiner Umgebung mitbekommen will sollte nicht sehr laut hören oder auf ein anderes Konzept setzen. Es ist auch nicht jedermanns Sache, In-Ear zu tragen. Der Sitz im Gehörgang ist am Anfang zumindest ungewohnt. Ich mag es ganz gerne. Da ich lange Musik mit In-Ear-Monitoring gemacht habe bin ich es aber auch gewohnt. Verschiedene  mitgelieferte Aufsätze ermöglichen die Anpassung an das individuelle Ohr. Hier ist auch eins der generellen Probleme von In-Ear zu finden. Jedes Ohr ist individuell. Weicht das eigene Ohr zu sehr vom Standard ab kann es schnell unbequem werden oder nicht richtig sitzen. Gerade wenn man den Player auch zum Schwimmen nutzen will kann das zu Problemen führen (s.u.).  Wer trotzdem nicht auf In-Ear verzichten will wird dann wohl um eine individuell angepasste Orthoplastik  nicht herum kommen. Sind glücklicher Weise nicht mehr ganz so teuer wir vor 20 Jahren aber dreistellige Summen kann man da schon noch los werden. Was für ein Glück, dass ich eher in den Bereich Ideal-Standard-Ohr gehöre. Ach, ist es nicht schön, Durchschnitt zu sein :-).

Die Bedienelemente des 273. Auf der linken Seite die Wippe für laut/leise und der Knopf für Shuffle. Auf der rechten Seite play/stop und die Wippe für vor/zurück.
Die Bedienelemente des 273. Auf der linken Seite die Wippe für laut/leise und der Knopf für Shuffle. Auf der rechten Seite play/stop und die Wippe für vor/zurück.

Bedienung

Viel zu bedienen gibt es nicht. Anschalten. Auf der rechten Seite befinden sich an/aus, Play/Stop, und vor/zurück. Lauter/leiser und Wiedergabe in Reihenfolge oder Shuffle findet man auf der linken Seite. Dann gibt es noch ein paar Geschichten wie Zappin, die mit längerem Druck ausgelöst werden. Alles in Allem sehr Übersichtlich. Die Wippschalter könnten einen etwas besser definierten/fühlbaren Druckpunkt haben. Ich vermute aber, dass das der Wasserdichtigkeit geschuldet sein dürfte. Eine kleine Status-LED gibt zuweilen Hinweise darüber, was der Player gerade macht. Zusätzlich sagt einem der Player, wenn man ihn an und aus schaltet oder den Modus von „Alles wiedergeben“ auf Shuffle ändert per Sprachausgabe an.  Der An/Aus-Schalter lässt sich gegen ungewolltes einschalten sichern.

Zum Aufladen und für den Musiktransfer liegt dem MP3-Player eine kleine Dockingstation mit USB-Anschluss bei. Die beiden Hörerhälften werden hierfür in die Halterung eingeklippt. Das geht beim ersten mal noch recht schwerfällig, geht aber schnell einfacher von Hand. Jeweils zwei mit Federn gelagerte Nasen sorgen dafür, dass die Hörerhälften nicht aus der Station wieder raus rutschen. Der Player selber hat (vermutlich auch wieder der Wasserdichtigkeit geschuldet) keinen USB-Anschluss. Er ist also nur über die Dockingstation zu befüllen. Diese sollte man also nicht verlieren. Am Rechner selber verhält sich der Player wie ein normaler USB-Stick. Einstöpseln, warten, bis er im Explorer oder Finder erscheint, Musik drauf ziehen, auswerfen, fertig. Sony liefert zwar wohl noch irgendeine Software mit, aber wer braucht die schon ;-).

Baden gehen

Sony wirbt damit, dass der NWZ-W273 zum Schwimmen geeignet ist. Im Schwimmbad seine Bahnen ziehen und dabei Musik hören ist schon was Feines. Auf jeden Fall spannender als Kacheln oder Bahnen zählen :-). Wie das Leben so spielt hängt der Hörgenuss im Wasser allerdings wieder sehr stark von der Passform der Hörer im Ohr ab. Sitzen sie nicht absolut genau dringt Wasser in den Gehörgang ein. Das hat zur Folge, dass der Klang im günstigsten Fall sehr dumpf und leise wird. Da hilft dann nur anhalten und Player ausklopfen. Danach kann es dann weiter gehen. Ein kurzer Blick in die Amazon-Kommentare zeigt, dass die Bandbreite von wenigen Schwimmzügen über alle 5 Minuten bis hin zu gar keine Probleme gehen kann. Neben der Passform kann man auch damit arbeiten, dass man die Hörer möglichst tief reindrückt und eventuell noch das Gummi der Schwimmbrille oder eine Badekappe drüber zieht. Ob man den Druck, der dann auf dem Ohr lastet ertragen kann ist dann wieder individuelle Geschmackssache. Da hilft dann nur ausprobieren.  Und noch mal: Ach, ist es nicht schön, Durchschnitt zu sein :-).

Unterschied NWZ-W252 und NWZ-W273Unterschiede NWZ-W273 und NWZ-W252

Auch wenn das Grundprinzip das Gleiche geblieben ist unterscheiden die beiden Player sich doch erheblich. Erster Unterschied, der ins Auge fällt ist die Größe. War der 252 noch ein ganz schöne Brocken mit ca. 5,5 cm Länge nimmt sicher der 273 mit seinen nicht ganz 4 cm schon ansatzweise zierlich aus. Wenn man damit durch die Gegend läuft sieht es nicht mehr ganz so aus, als wolle man jede Sekunde ein umfangreiches Aktienpaket verkaufen.  Kleinere Abmessungen bedingen auch meist geringeres Gewicht. Mit 29 g laut Sony ist der 273 dann auch 14 g leichter als der 252. Das ist dem Tragekomfort auf jeden Fall zuträglich. Auf Grund der kürzeren Bauweise und der Wasserdichtigkeit hat Sony die Anordnung und die Bauweise der Bedienelemente geändert. Konnte man beim 252 die Songauswahl und die Lautstärke noch auf einer Seite vornehmen ist die Lautstärke nun auf die andere Seite gewandet. Man muss also überlegen, welche Hand man nach oben führt. Außerdem sind die Knöpfe des 273 etwas schwerer zu bedienen. Beim 252 gab es für vor/zurück/play/stop noch eine 3-Wege-Wippe, die sich um eine klar definierte Achse in der Mitte drehte und auch bei schnellem Lauf durch eine Stick-artige Erhebung einfach zu finden und zu bedienen war ist diese nun durch einen flachen Wippschalter mit mäßigem Druckpunkt gewichen. Vor und zurück zu schalten ist zwar auch in Bewegung kein großes Problem aber eben nicht mehr ganz so komfortabel wie zuvor.

Weiterer Unterschied ist der USB-Port, der am 252 noch enthalten war. Diesen konnte man mit etwas feingefühlt mit einem Normalen Mini-USB-Kabel an den Rechner anschließen. Das geht mit dem 273 nicht mehr. Auch hier dürfte die Wasserdichte wieder der Grund sein. Vorteil der neuen Methode: Der Player lässt sich leicht in die Dockingstation einlegen und ist dort gut aufgehoben. Beim 252 musste man noch eine recht fest sitzende Schutzklappe rausfriemeln um ihn auf den Ständer mit integriertem USB-Stecker setzen zu können. Nachteil: Verliert man die Dockingstation oder geht sie kaputt ist der 273 letztendlich nutzlos.

Klanglich ist der 273 gegenüber dem 252 auf jeden Fall ein Fortschritt. Von mehr Power mal abgesehen wirkt das Klangbild für mich differenzierter und für einen Sportplayer sehr ausgewogen. Mit guten Hörern bekommt man zwar sicherlich für entsprechendes Geld einen besseren Sound hin, aber das dürften dann nicht mehr wirklich zum Sport treiben geeignet sein. Da Sound letztendlich jedoch Geschmackssache ist sollte da jeder selber testhören.

Fazit

Nicht alles ist beim Nachfolger besser geworden. Unter dem Stricht wiegen für mich die Vorteile des NWZ-W273 jedoch die Nachteile eindeutig auf. Für den Sport ist er für meinen Geschmack momentan die beste Möglichkeit Musik zu hören. Er ist zwar nicht der billigste Player, aber Verarbeitung, Haptik und Klang scheinen mir den Preis zu rechtfertigen. Wenn ich die Wahl zwischen einem neuen 252 und den 273 hätte würde die Wahl auf jeden Fall auf den 273 fallen. Letztendlich geht es ja ums Musik hören und nicht ums Knöpfchen drücken.

Packungsinhalt

You might also enjoy: