castAR AR- und VR-System (Bild: © Technical Illusions)
castAR AR- und VR-System
(Bild: © Technical Illusions)

Virtual Reality-Brillen finde ich ja sehr spannend. Objekte ansehen können, die es gar nicht gibt übt schon eine Faszination aus. Umso schöner, dass es jetzt ein weiteres Kickstarterprojekt gibt, dass sich dem Thema annimmt. Nun sind 3D-Brillen ja keine Seltenheit bei Crowdfunding-Portalen. Warum mache ich mir also die Mühe? Das castAR Augmentet Reality- und Virtual Reality-System hat mal einen ganz interessanten neuen Ansatz. Bei den meisten VR-Brillen sitzt direkt vor dem Auge des Betrachters ein Display. Entweder transparent wie bei den Spaceglasses  oder abgeschlossen wie bei der Oculus Rift oder Konzepten wie Dive und vrAse.

Strahlemann und Söhne

Direkt vor dem Auge sitzende Systeme haben jedoch durchaus auch Nachteile. Geschlossene Systeme führen oft recht schnell zur Ermüdung der Augen, da diese immer auf kurze Distanz auf einen leuchtenden Bildschirm gerichtet sind. Wer erinnert sich nicht an die Warnung der Eltern, nicht zu dicht an der Fernseher zu gegen. Von wegen viereckige Augen und so.

Ein weiteres Problem ist die Fokussierung des Auges. In Natura ist der Mensch gewohnt, die Dinge, die ihn interessieren selber scharf zu stellen. Schaut man auf Dinge in der Entfernung wird der Vordergrund unscharf, schaut man sich Sachen aus der Nähe an wird alles, was weiter weg ist unscharf. Das kann eine 3D-Brille aber nicht leisten, da sie dann erst mal genau analysieren muss, worauf der Benutzer gerade fokussiert.  Das nimmt der Szenerie ein Stück Natürlichkeit und führt auch zu Ermüdungserscheinung.

Lichtwerfer

Hier setzt das castAR-Konzept an. Anstatt zwei Displays in die Brille zu setzen verbaut man einfach zwei 120 Hz Mikro-Projektoren. Kombiniert mit LCD-Shuttern im Brillenglas und einer Tracking-Kamera in der Mitte projiziert  die castAR das darzustellende 3D-Bild auf eine vor dem Benutzer liegende Fläche. Das geht leider nicht auf jede Oberfläche. Für die Projektion wird eine spezielle Leinwand benötigt. Da die Beamer in der Brille nicht sehr Lichtstark sind ist die Leinwand, auf die das Bild geworfen wird stark reflektierend. Außerdem sind auf der Leinwand noch Marker angebracht, über die mittels der Trackingkamera die Kopfposition des Trägers ermittelt und somit das 3D-Bild angepasst wird.

Will man auf die Leinwand verzichten muss man ein Aufsatz auf die Brille stecken, die das Licht der Beamer über Spiegel die Brillengläser umlenkt. Hier gibt es dann aber wieder die üblichen, wie oben beschriebenen Nachteile.

Ein Hauch Harry Potter

Ein Hauptanwendungsbereich der castAR sind Spiele. Das wird im Vorstellungsvideo schön vorgeführt. Hierbei liegt das Augenmerk stark in Richtung Brettspiele und Tabletops. Liegt vielleicht daran, dass eine Inspirationsquelle für die Entwicklung der castARdas Holo-Schach im ersten (vierten, für die jüngeren Leser) Star Wars-Film war. Damit man seine Spielfiguren auch einfach steuern kann wird es zur Brille noch einen Zauberstab-ähnlichen Controller geben.  Neben den üblichen Buttons ist noch ein 3-Achsen-Sensor enthalten. Etwa so würde ein Wii-Controller in Hogwarts aussehen.

Alle Komponenten des Systems castAR AU- un VR-System (Bild: © Technical Illusions)
Alle Komponenten des castAR Systems
(Bild: © Technical Illusions)

Will man nicht nur virtuelle Figuren über den Tisch schieben kann das System übrigens auch noch mit RFID-Tags umgehen. Sollen zum Beispiel bei der gemütlichen Rollenspiel-Session die schön bemalten Figuren durch das in 3D auf den Tisch geworfene Dungeon geschoben werden kann man unter die Basen RFID-Tags kleben. Ein Sensornetz in der Leinwand hilft, die Position der Tags festzustellen und an den Rechner weiter zu melden. Sehr schön finde ich das Beispiel des Wand-Stempels zum Aufbau der Map aus dem Kickstartervideo.

Ein sehr schönes Konzept und anscheinend auch sehr Erfolgreich. So ist die Finanzierung via Kickstarter schon nach 3 Tage durch. Die einzige Frage, die ich mir jetzt noch stelle ist, wie das System mit mehreren Leuten funktioniert. Wird dann nur eine Brille auf Beamer geschaltet? Müssen die Teilnehmer dann alle den Umlenkungsaufsatz für den Brillenbeamer tragen? Oder ist der Rest einfach Magie?

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