Das Canyon Urban Concept Bike © canyon
Das Canyon Urban Concept Bike
© canyon

Heute mal kein Gadget und auch nichts triathletisches. Mit Style durch die Stadt ist angesagt. Die Bike-Firma Canyon ist ja schon seit längerem eine feste Größe im Fahrradgeschäft. Top Technik, immer oben in den Test. Halt Jungs und Mädels, die sich Gedanken machen. Vielleicht vom Design her nicht immer unbedingt spektakulär. Aber jetzt schicken sich die Koblenzer an, das zu revidieren. Mit dem Urban Contept Bike habe sie ein Rad geschaffen, dass man einfach nur als außergewöhnlich bezeichnen kann. Nein, es handelt sich nicht um die x-te Captain Future Timetrial-Carbonschüssel und auch nicht um ein Freerider mit zwei Meter Federweg. Ein „einfaches“ Stadtrad soll es sein. Ein Rad, mit dem man jeden Tag von a nach b fährt und weil es so viel Spaß macht auch noch den Umweg über c,d,e und f in Kauf nimmt.

Primäres Designelement dürfte das Oberrohr sein, das direkt in den Vorbau übergeht. Hierdurch soll genügend Platz für Füße und Knie geschaffen werden, ohne, dass man allzu gestreckt sitzen muss. Die dadurch entstehende bullige Optik ist ein schöner Nebeneffekt. Ein kurzer Radstand sorgt für Wendigkeit, niedriges Tretlager und flacher Sitzwinkel sollen dafür sorgen, dass man mit den Füßen im Stand besser auf den Boden kommt. Kein kippeln auf den Zehenspitzen an der Ampel mehr. Keine Gefahr mehr für die männliche Mitte. Sehr gut.

Entgegen dem Fixi-Trend sind Bremsen, Gangschaltung, Licht und Schutzbleche verbaut. Bis auf ein paar fehlende Reflektoren also vermutlich auch offiziell verkehrssicher.  Das ist endlich mal altagstauglich, ohne noch das halbe Rad nachrüsten und damit das Design ruinieren zu müssen. Mutig finde ich, keine Federgabel zu verbauen. Aber sehr richtig. Im Stadtverkehr kann man drauf verzichten und spart dabei gehörig Gewicht. Meine volle Unterstützung.

Es werde Licht

Beleuchtung im Vorbau und Fahrradkorb zum abnehmen. © canyon
Beleuchtung im Vorbau und Fahrradkorb zum abnehmen. © canyon

Die Front-Beleuchtung des Urban ist im Vorbau integriert, die Rückbeleuchtung in der Sattelklemme. Versorgt wird die Anlage mittels Nabendynamo, Diese leitet den Strom über die Ausfallenden der Gabel, so das kein Kabelsalat die Optik stört.  Vom Konzept her erinnert mich das ein bisschen an die Helios Bars, bloß ohne die eingebaute Elektronik. Bluetooth und GPS würden auch dem Urban gut zu Gesichte stehen.

Angetrieben wird das Ganze mit einem wartungsarmen Riemenantrieb mit 2-Gang Automatikschaltung. Ab etwa 18 Km/h wird durch Fliegkraft in den zweiten Gang geschaltet. Riemenantrieb finde ich sehr gut. Schont die Hosen und man muss nicht alle zwei Tage mit der Ölkanne die Umwelt schänden. Ob 2 Gänge ausreichen wage ich zu bezweifeln. Im norddeutschen Flachland vielleicht, aber in Kassel, Stuttgart oder auf der Zugspitze ist man da glaube ich schnell an der Grenze. Dann doch lieber selber Schalten. Alternativ könnte Canyon den unsichtbaren E-Antrieb von Vivax einbauen. Ist zwar geschummelt, aber man sieht es ja nicht :-).

Auffällig ist, dass das Urban keinen Gepäckträger verpasst bekommen hat. Als Alternative dient ein abnehmbarer Korb, der am Lenker befestigt wird. Käme mir sehr gelegen. Zum einen habe ich immer Angst, dass hinten vom Gepäckträger etwas runter fällt, ohne das man es bemerkt und zum anderen ist die Nutzung des Gepäckträgers obsolet, sobald man einen Kindersitz montiert hat. Das Argument zieht natürlich nur, wenn die Geometrie des Urban die Montage eines solchen zulässt. Ein Fehler wäre das bestimmt nicht. Ich kann mir vorstellen, dass in der Zielgruppe sich so einige jung Väter tummeln, die in der Zeit, in der die Kleinen doch etwas mehr Aufmerksamkeit fordern, ihr Rennrad durch ein sportliches Citybike tauschen.

Sicher sicher, oder?

Rücklicht und Schliesssystem. © canyon
Rücklicht und Schliesssystem.
© canyon

Ein weiterer, etwas umfassenderer Punkt des Urban ist ein Sicherheitskonzept das vorsieht, im öffentlichen Raum Schließsysteme zu verteilen. Die Kette zum anschließen wäre dann z.B. fest an einem Laternenpfahl angebracht und man bräuchte diese dann nur noch in das Schloss am Rahmen stecken. Ähnlich wie z.B. die Schlösse, die schon bei vielen Leihradsystem-Stationen genutzt werden. Schön gedacht, nur sehe ich hier die Praxistauglichkeit nicht gegeben. Entweder pflastert man die ganze Stadt mit den Kette zu (wer will das bezahlen) oder man wird letztendlich doch ein eigenständiges Schloss mitnehmen. Wer will schon abends in Kneipenviertel radeln nur um dann festzustellen, dass alle Ketten belegt oder gar nicht vorhanden sind. Das Rad ist zwar sehr schön, aber ob das reicht, es mit in die Kneipe nehmen zu dürfen wage ich zu bezweifeln. Dann eher ein komplette integrierte Kette, z.B. in der Sattelstütze wie beim Interlock. Nur in sicher halt 🙂 .

Der zweite Punkt im Sicherheitsplan ist die Identifizierung über einen QR-Code. Auch da wage ich den Nutzen zu bezweifeln. Wird das Rad geklaut sollte es für den Dieb ein leichtes sein, den QR-Code zu entfernen. Andererseits, wenn ich eine gut aussehende Person sehe, die mit dem Urban unterwegs ist brauche ich nur zu warten, bis sie das Bike irgendwo abstellt und schwubs, habe ich ihren Namen. Manchmal muss man es auch positiv sehen. Intelligenter wäre eher ein im Rad sitzender Chip, der zur Identifizierung dient. In kombination mit einem intelligenten Vorbau mit GPS (s.o.) wäre dann sogar ein Tracking des gestolenen Rades denkbar, solange es nicht in irgend einen Keller verschwindet.

Das Urban ist ein tolles Rad. Bildschön, sehr durchdacht und mit hohem Habenwollen-Faktor. Ein, zwei kleine Deatil könnten glaube ich nochmal überdacht werden. Hoffen wir mal, dass das Design uns irgendwann mal in Natura über den Weg radelt – und das der Preis uns dann nicht die Schuhe ausziehen wird. Wobei die Pedale sich vermutlich gut zum Barfuß fahren eignen dürften. Schenkt mir doch einfach eins.

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