Der Armiga-Emulator mit eingebauten Diskettenlaufwerk (Bild: indiegogo / © armiga)
Der Armiga-Emulator mit eingebauten Diskettenlaufwerk (Bild: indiegogo / © armiga)

Schon etwas länger habe ich nicht mehr Retro, Retro gerufen. Das kann ja nicht sein. Wie gut, dass jetzt bei indiegogo das Armiga Projekt an den Start gegangen ist und mir eine prima Gelegenheit gibt, mal wieder in Erinnerungen an die gute alte 16bit Zeit zu schwelgen.

Damals hatten die Computer noch Herz und man brachte Geduld und flinke Hände, um Spiele von bis zu 13 Disketten in den Speicher des Rechners zu laden. Wer noch einen Amiga 1000 auf dem Dachboden hat sollte mal einen Blick auf die Innenseite des Gehäuses werfen. Da haben sich alle Entwickler per Unterschrift verewigt. Findet das mal bei nem Ipad oder so. Die Spiele damals waren ja sowieso viel toller, digitale Joystick viel besser und man selber viel leichter zu beeindrucken.

Das gleiche haben sich wohl auch die Entwickler vom Armiga Projekt Team gedacht. Software-Emulatoren gibt es zwar mittlerweile für so ziemlich jedes aktuelle Betriebs-System, aber einen großen Nachteil haben diese. Man kann seine alten Disketten nicht nutzen. Wäre doch schön, wenn man die gut 1000 Public-Domain Fish-Disks, die im Keller in einem großen Karton vor sich hin schlummern aus ihren Dornröschenschlaf wecken könnte. Und so ist dann der Armiga entstanden. Man beachte das „r“, denn der finale Armiga soll mit einem Dual Core ARM Prozessor befeuert werden. Das bringt genug Power, um nicht nur einen Amiga sondern auch einen Atari ST, Neo Geo und was weiß ich nicht noch zu emulieren. Die weiteren Emulatoren sind allerdings nur Bestandteile der Strechtgoals.

Das Hauptproblem bei den Amiga-Software-Emulatoren ist meist das Betriebssystem. Kickstart-Roms sind noch Copyright-geschützt und somit bei den meisten Emulatoren nicht mit enthalten. Da ist dann googeln gefragt, wobei das natürlich wieder nicht der legale weg ist. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, lizensierte Emulatoren zu erwerben. Als Beispiel sei hier Amiga Forever angeführt, dass sogar mal einer ct mit bei lag.

Mit dem Armiga sollte das kein Problem sein. Ihm soll eine legale Version des Kickstart 1.3 Roms beiliegen.

Um sich von den Softwareemulatoren abzuhaben ist im Armiga ein Diskettenlaufwerk verbaut. Die Kellerfunde können also wieder hoch geholt werden. Achtung: Hier kommt jetzt das große ABER. Momentan können nur Disketten geladen werden, die ungeschützt sind. Wenn man sich mal in Erinnerung ruft, welchen Aufwand die Softwarefirmen damals mit Kopierschutz betrieben haben kann m an also davon ausgehen, dass so ziemlich alle Originale, die man noch sein eigen nennt weiter im Keller vor sich hin stauben dürfen. Wer eh nur kopiertes Zeug hat ist da schon besser dran. Etwa 90 % der getesteten ungeschützten Disketten sollen aktuell laufen.

Das Team arbeitet dran, eine Garantie, dass das besser wird gibt es aber natürlich nicht. Für den ehrlichen Amiga-Besitzer von damals also ein Anreizpunkt weniger, sich für den Armiga zu interessieren.

Der Traum eines jeden Jugendlichen aus den 80ern- der Amiga 1000 (Bild: wikipedia / Kaiiv)
Der Traum eines jeden Jugendlichen aus den 80ern- der Amiga 1000 (Bild: wikipedia / Kaiiv)

Neben dem Disklaufwerk ist der Armiga auch mit einem SD-Card-Slot und Ethernet ausgestattet. Hier können dann die bekannten ADF-Files drauf gepackt werden. Wer schon fleißig Amiga-Software-Emulatoren nutzt sollte die kennen. Letztendlich sind das die Abbilder der alten Disketten als Datencontainer für aktuelle Rechner.

Der Ethernetport ist dazu gedacht, vom heimischen PC via FTP direkt die ADF-Files auf den Armiga zu spielen. Nette Idee, da man so nicht mit SD-Cards jonglieren muss. Wobei auf eine 32 GB-SD-Card vermutlich mehr ADF-Files drauf passen würden, als man im Leben spielen kann.

Die Softwareversorgung ist also gesichert. Was mir persönlich aber noch fehlt wäre ein Support für die alten digitalen Sticks. Der Armiga hat zwar zwei USB-Ports um Gamepad, Maus oder Tastatur anzuschließen, aber Amigaspiele mit nem Gamepad spielen ist irgendwie nicht richtig.

Ich bin mir nicht sicher, ob man das Teil braucht. Wer noch Disketten im Keller hat ist vermutlich besser damit bedient, sich bei ebay einen alten gebrauchten Amiga zu ersteigern. Ich würde eher mein altes CDTV wieder ausmotten, das gut verpackt darauf wartet, irgendwann mal wieder in den Fokus zu wandern.

Das interessanteste Feature ist die Funktion, ADF-Files auf Disketten zu kopieren. Die ist jedoch nur als Strechtgoal angekündigt. Um die alte Freundin wieder mit Futter zu versorgen wäre der Armiga durch die Funktion sehr interessant. Disketten halten ja auch nicht ewig.

Übrigens ist neben dem Emulator auf dem Teil ein komplettes Android 4.2.2 enthalten. Somit eignet sich das Teil auch für mehr als nur zum Spielen. Ein kleiner Mehrwert, der den Nutzenfaktor dann doch wieder etwas hebt.

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