Low-cost VR-Hometrainer – Durovis Dive, Samsung Galaxy Note2 und Daum 8008 im Mix

vr-ergometer

Im Artikel “Willkommen in der Matrix” hatte ich mich ja mit der Möglichkeit beschäftigt, sich mit “Bordmitteln” sein Ergometer zu einer Virtual-Reality-Trainingsmaschine aufzubauen. Ein paar Tage sind ja nun schon ins Land gegangen, meine Durovis Dive ist mittlerweile eingetrudelt und so ist es doch ein schöner Zeitpunkt für ein Update.

Um den VF-Trainer zu realisiere habe ich mir folgende Dinge zusammen gesammelt:

  • Daum Ergometer 8008

  • Trainersoftware Ergoplanet plus RLV-Videos

  • Samsung Galaxy Note 2

  • Durovis Dive VR-Brillengestell

  • Konvertierungssoftware für Side-by-Side-Videos

  • Teamviewer-Software für Windows und Android

Wie spielt das Ganze zusammen?

Die Grundlage bildet mein Daum 8008 Ergometer, welches per serieller Schnittstelle an einen Windows-PC angeschlossen ist. Auf dem PC läuft die unter Daum-Besitzern allseits beliebte Software Ergoplanet.

Desweiten benötigt man ein Smartphone sowie ein VR-Brillengestell, in das Smartphone einsetzen kann.

Dickes Ding

Die Hauptbestandteile neben dem Ergometer: Durovis Dive, Samsung Galaxy Note 2, Klettband und Schaumstoffstück

Die Hauptbestandteile neben dem Ergometer: Durovis Dive, Samsung Galaxy Note 2, Klettband und Schaumstoffstück

Als Brillengestell ist meine Wahl auf die Durovis Dive gefallen. Da ich leider keinen Zugriff auf einen 3D-Drucker habe musste ich mir eine kaufen. Bei knapp 50 Euro halten sich die Kosten allerdings in Grenzen.  Da die Dive momentan die einzige Vertreterin dieser Gattung Brillen auf dem Markt ist, die auch schon erworben werden kann fiel die Wahl nicht schwer. Wer gerne basteln möchte kann sein Glück auch mit Konstruktionen aus Lego, Pappe oder Holz probieren. Interessante Anregungen dafür gibt es im Forum von Durovis.

Die Dive ansich macht einen ganz brauchbaren Eindruck. Verarbeitung ist gut und Tragekomfort vorhanden. Die Linsen lassen sich sehr einfach und komfortabel einstellen. Kommt man jedoch an die außen liegenden Hebel sind die Linsen auch genau so schnell wieder verstellt.

Ein paar weitere kleine negative Punkte gibt es auch noch. Durch die Stellhebel für die Linsen dringt relativ viel Licht seitlich in das Gehäuse. Das schmälert die Immersion. Der Schaumstoff am Gehäuserand ist zwar schön weich und großzügig dimensioniert, wird aber vermutlich zu den Rändern hin nicht lange halten, da hier die Auflagefläche für selbigen zu klein ist. Die Linsen könnten größer sein. An diesem Punkt sitzt Durovis aber wohl schon dran. Ein Upgrade auf größere Linsen ist angedacht.

Ein weiterer Nachteil ist die Smartphoneaufnahme. Die Klappe rastet nur sehr schwergängig ein. Das verhindert zwar das ungewollte rausfallen beim tragen, kann aber dafür sorgen, dass einem das Phone beim Öffnen durch die Gegend fliegt, da die Klappe nur mit viel Kraft zu bewegen ist. Weiterer Nachteil der Klappe ist die mit der Konstruktion einhergehende Beschränkung auf maximal 5 Zoll große Smartphones. Galaxy Notes passen nicht hinein. Leider ist die Kompatibilitätsliste erst nach meiner Bestellung online gegangen. Die Konstruktion der Open Dive, die man selber ausdrucken kann, ist da cleverer.

Die Dive von der Seite. Es ist deutlich zu sehen, wo der Schließmechanismus gegen das Smartphone stößt.

Die Dive von der Seite. Es ist deutlich zu sehen, wo der Schließmechanismus gegen das Smartphone stößt.

Klettband und Schnürsenkel

Der Betrieb eines Samsung Galaxy Note  mit der Dive lässt sich jedoch relativ einfach trotzdem realisieren, zumal die Hardwareausstattung problemlos mit den entsprechenden Apps klar kommt. Man nehme sich einen Schnürsenkel und zwei Klettbänder. Diese befestigt man am Schnürsenkel. Danach legt man das Galaxy Note ein, richtet es so aus, dass der Steg in der Mitte des Displays liegt und schließt die Klappe soweit wie möglich. Es ist zu empfehlen, zwischen Verriegelung und Smartphone noch etwas Gummi zu legen, damit es keine Kratzer gibt. Jetzt braucht man die Klappe nur noch mit dem Schnürsenkel zu fixieren. Dieser sollte genau Mittig angebracht werden, damit er nicht durch das Sichtfeld läuft. Durch das Klettband ist das schnell angebracht. Pacours würde ich damit nicht machen, aber da wie letztendlich ja nur auf dem Hometrainer hocken wollen reicht das alle mal. Durch den Schaumstoff am Deckelrücken und der Beschichtung zur Brillenseite rutscht und wackelt da nichts.

Jetzt funkt’s

Mittels Remote Viewer Splashtop holen wir das Bild vom Windows-Rechner auf das Smartphone.

Mittels Remote Viewer Splashtop holen wir das Bild vom Windows-Rechner auf das Smartphone.

Trainer steht, PC steht, Brille mit Smartphone ist einsatzbereit. Wie bekommen wir jetzt das Bild vom PC auf das Smartphone? Ganz einfach, das Zauberwort heißt Teamviewer oder auch Remote Desktop. Mittels Teamviewersoftware kann man die Bildschirmausgabe eines PC zu einem anderen PC oder auch Smartphone übertragen. Für Privatanwender gibt es da recht viele Lösungen, die nichts kosten. Die besten Erfahrungen habe ich mit Splashtop gemacht. Hier muss man ein Benutzerkonto anlegen, installiert sich dann die App auf das Handy und den Streaming-Client auf den PC. Alles sehr einfach. Man muss nur darauf achten, dass PC und Handy im gleichen Netzwerk laufen. Das Smartphone sollte also auf W-Lan und nicht Mobilfunk stehen. Anderen Falls verlangt Splashtop nämlich ein Update auf das kostenplichtige Anywhere Access Pack, mit dem das Ganze auch über das Internet gehen würde.

Das Verbindung ist schnell aufgebaut und der Lag, d.h. die zeitliche Verzögerung sehr gering. Sogar die Videos, die am PC abgespielt werden kommen ansatzweise ruckelfrei auf dem Handy an. Da bei der Wattzahl, die ich momentan treten kann eh die meisten RLV-Videos nicht absolut flüssig laufen kann ich damit prima leben. Wirklich perfekt ist das aber leider noch nicht. Mal schauen, ob ich da noch irgendwo Tipps zur Optimierung auftun kann.

Doppeltes Lottchen

Dive und Note fertig montiert und auf den Einsatz wartend.

Dive und Note fertig montiert und auf den Einsatz wartend.

So, jetzt sitzen wir auf dem Trainer, sehen mit der Brille auf der Nase etwas blöde aus, sehen aber zumindest schon mal etwas. Leider ist das Ganze so noch nicht einsetzbar. Das liegt daran, dass beide Augen ein eigenes Bild brauchen. Das ist bei der Konstruktion der Dive nicht anders machbar. Leider ist die Xcope-Brille bei Kickstarter nicht erfolgreich gewesen. Bei dieser sollte nämlich eine Linse beiliegen, mit der man auch 2D Inhalt ohne Side-by-Side-Darstellung anschauen kann.

Die ursprüngliche Suche nach einer Möglichkeit, den Windows-Desktop gesplittet als Side-by-Side-Stream auf das Smartphone zu bekommen habe ich mittlerweile aufgegeben. Viel einfacher ist es, die Videos direkt umzuwandeln. Zwar gibt es für die Oculus Rift mit dem Deskope einen Treiber, der die Bildschirmdarstellung von Windows entsprechend umwandelt. Leider funktioniert selber nur im Zusammenspiel mit der Rift. Wer eine Rift besitzt ist da natürlich fein raus, alle anderen Schauen in die Röhre.

Wir bearbeiten also direkt die RLV-Videos von Ergoplanet. Da diese frei zugänglich auf der Platte liegen ist das kein Problem. Die Konvertierung nimmt man entweder mit dem Videobearbeitungsprogramm seiner Wahl vor (so es das unterstützt) oder man schafft sich einen entsprechenden Converter an. Funktionierende und durchschaubar zu bedienende Freeware oder Open Source-Projekt habe ich dafür leider keine gefunden. Meine Wahl ist letztendlich auf den 4Video 3D Converter gefallen. Einfach zu bedienen, relativ günstig und läuft auf dem Mac. Das war für mich insofern interessant, weil meine Windows-Schüssel wirklich nur zum Radeln gedacht ist und so steht, dass man da nicht wirklich gut dran arbeiten kann.

Ist das Video konvertiert muss man es nur noch mit dem originalen Video austauschen und kann loslegen.

Für die virtuelle Ausfahrt gibt es aber noch ein paar Empfehlungen:

  • Blendet das Cockpit aus oder packt es zumindest an die Seite. Läuft es unten über den ganzen Bildschirm bekommt man einen Knick in der Linse

  • Schaltet die Auflösung des Rechners auf die Auflösung des Telefons. Nutzt Ihr Splashtop könnt Ihr es auch darüber steuern

  • Nehmt euch den größten Ventilator, den Ihr finden könnt und schaltet ihn auf höchste Stufe. Der Hitzestau unter der Brille ist zwar nicht agnz so extrem, wie man es sich auf den ersten Blick vorstellt, aber leider nicht so ganz wegzudiskutieren..

  • Wählt eine einfache Strecke. Mit Brille auf sollte man nicht an den Rand seiner Leistungfsfähigkeit gehen. Lieber höher Umdrehungen mit niedrigeren Wattzahlen. Weniger Schweiß auf dem Handy erhöht die Lebensdauer.

Dvie mit Galaxy Note 2, gekoppelt via Splashtop. Das RLV-Video wurde auf Side-by-Side umgewandelt. Los kanns gehen.

Dvie mit Galaxy Note 2, gekoppelt via Splashtop. Das RLV-Video wurde auf Side-by-Side umgewandelt. Auf die Plätze, fertig, los…

Nur die Harten…

Lohnt sich denn nun der ganze Aufwand? Ich denke schon. Zwar ist die Geschicht noch nicht sehr ausgereift und alles andere als bequem, die Immersion, d.h. das Eintauchen in das Video ist jedoch enorm. Man kann prima das Drum-Herum ausblenden. Nach ein paar Minuten und etwas Einbildungskraft kommt man sich zuweilen wirklich vor, als ob am auf der Straße unterwegs wäre. Gut, das kann auch am Hitzestau liegen, aber ich finde die Wirkung enorm. Allerdings muss man auch klar sagen, dass das noch nicht soweit gediegen ist um es für das alltägliche Training zu nutzen. Wenn einem der dunkle Winter und das schlechte Wetter aber mal wieder besonders auf die Seele drückt ist dies ein prima Weg, die Stimmung aufzuheitern.

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