Digitsole Smartshoe – Smart-Schuh mit Motorhaube

Was der wohl unter der Haube hat? Der Digitsole Smartshoe (Bild: kickstarter/ © Digitsole Smartshoe)

Ach, beim Digitsole Smartshoe muss ich nun wohl doch noch mal den guten alten Streifen „Zurück in die Zukunft II“ hervorkramen. Die selbstschnürenden Nike Mag Marty Mcfly Schuhe hatten es ja doch sehr vielen Leuten angetan. Ach wie schön wäre es, wenn man sich zum Schuhe anziehen nicht mehr bücken müsste.

Jetzt mal ganz davon abgesehen, dass es mittlerweile auch eine Unzahl durchaus ansehnlicher Slipper gibt, kann man nun mal wieder bei Kickstarter ein skurriles Projekt unterstützen.

Bei den Digitsole Smartshoes handelt es sich wie zu erwarten nämlich auch um einen Schuh, der sich selber schließen kann. Ob das was taugt? Werfen wir mal einen Blick drauf.

Unter der Haube des Digitsole Smartshoe

Der Schließmechanismus des Digitsole Smartshoe fällt sofort ins Auge. Ist beim Nike noch alles einigermaßen gelungen in der Sohle versteckt, trägt der Digitsole Smartshoe dick auf. An zwei nicht zu übersehenden Kolben wird eine doch recht große Frontplatte entweder abgespreizt oder an den Schuh herangezogen.

Das dürfte nicht jedermanns Geschmack sein. Würde jetzt mal optisch als Zielgruppe eine Mischung aus Nerds und HipHopRapper vermuten. Mode ist allerdings eindeutig nicht mein Fachgebiet. Man möge mir verzeihen, wenn ich hier daneben liege.

Um den Schuh zu öffnen kann man entweder einen recht prominent platzierten Knopf an der Ferse drücken oder das Smartphone in die Hand nehmen. Jo, um die Schuhe auszuziehen werde ich garantiert vor der Haustür das Phone aus der Tasche ziehen, es entsperren, die App öffnen, die gewünschte Funktion aktivieren und 3 Sekunden warten, bis die Mechanik die Lasche ganz geöffnet hat. Klingt mir nicht sehr alltagstauglich.

Als Strechtgoal ist auch die Sprachsteuerung angekündigt. Wie das umgesetzt werden soll habe ich so auf die Schnelle nicht herausgefunden. Solange hier jedoch wieder das Smartphone genutzt werden muss und es nicht die ganze Zeit auf Sprach-Aufnahme stehen soll wird der Komfortgewinn mager ausfallen. Denn ob ich das Smartphone entsperren, eine App öffne und dann den Öffnen-Button drücke oder „Schuh, öffne dich“ sage… keine Zeitersparnis. Eher das Gegenteil.

Nichts für Ungeduldige…
(Bild: kickstarter/ © Digitsole Smartshoe)

Akku leer

Besonders schön wird es, wenn der Akku leer ist. Dann wird der Verschluss sich nämlich nicht mehr rühren. „Schatz, wir müssen noch eine halbe Stunde warten. Ich muss meine Schuhe noch aufladen…“ Super. Könnte beim Ausziehen noch nerviger werden.

Da der Schuh zusätzlich noch mit diversen Smartgedöns vollgestopft ist kann ein leerer Akku durchaus möglich sein. So wartet der Digitsole Smartshoe mit diversen Tracking und Analyse-Funktionen auf. Ein Hoch auf die Selbstvermessung.

Das interessanteste Feature dürfte die eingebaute beheizte Fußsohle sein. Im Winter sicherlich begehrenswert. Nur ist das Feature auch der größte Akku-Killer. Nach 5 bis 8 Stunden mit eingeschalteter Heizung ist Schluss.

Interessant sind hierzu übrigens auch die FAQs der Kampagne. Die Lebensdauer der Akkus wird mit 2 bis 3 Jahren (etwa 500 Ladezyklen) angegeben. An einer anderen Stelle steht, dass die Akkus nicht austauschbar sind, man jedoch davon ausgehe, dass die Akkus in der Regel den Schuh überleben sollten. So geht der Hersteller also von einer Haltbarkeit von weniger als 2 bis 3 Jahren für die Schuhe aus.

Hm, sieht man einen Schuh als Modeobjekt an kann das ja vielleicht hin kommen. Ich denke aber, dass zumindest die Nerds unter den Backern sich dessen bewusst sein sollten, dass Sie hier 230$ plus Nebenkosten für einen Zeitlich recht begrenzten Spaß ausgeben.

Schuh an der Dose. 1,5 Stunde per Quickcharge oder 3 Stunden ohne braucht man für eine volle Ladung. (Bild: kickstarter/ © Digitsole Smartshoe)

Hürdenlauf

Kommen wir zur letzten Disziplin: dem Plausibilitäts-Hürden-Lauf. Wie groß ist die Chance, dass der Backer einen brauchbaren Gegenwert für sein Geld bekommt? Hier ist durchaus eine größere Portion Skepsis angebracht. Bei den versprochenen Features halte ich den Dezember 2017 für die Auslieferung für sehr optimistisch.

Die Kampagne dauert noch bis Anfang Juli. Bis Kickstarter auszahlt vergehen meist gute drei Wochen. Wie wollen die Initiatoren dann bis Ende Juli alle Spritzguss-Formen fertig bekommen? Das wäre nur machbar, wenn die schon fleißig am Vorbereiten wären und demnach eine Menge Geld vorschießen könnten.

Auf dem Weg zur finalen Spritzguss-Form kann so viel passieren, dass der Prozess sich gut und gerne drei bis vier Monate hinziehen kann. Und das wäre jetzt noch nicht mal ein Worst-Case-Szenario.

Und selbst wenn am Ende irgendwann ein Schuh beim Unterstützer ankommt und dieser, wieso auch immer, das Ding optisch brauchbar genug findet und ihn anzieht: Wie steht es mit der Haltbarkeit von Verschluss-Mechanik, Sensorik und der Qualität der App? Die Kräfte, die auf einen Schuh wirken sind nicht gering. Da etwas so komplexes zu bauen, dass dann auch noch dem Alltag stand hält dürfte nicht leicht sein.

Und die Frage der Passform und des Tragekomforts haben wir noch nicht mal angeschnitten.

Nike hat für seinen Mag viele Jahre Entwicklungsarbeit benötigt und ist immer noch nicht in der Lage, den in größeren Stückzahlen zu einem kostendeckenden und Verbraucher-freundlichen Preis herzustellen.

So gesehen würde ich mir das mit dem Digitsole Smartshoe eher zweimal überlegen. Geht lieber auf Nummer sicher und wartet, ob er überhaupt den Kunden erreicht. Dann könnt Ihr vermutlich in etwa zwei bis drei Jahren euch die ersten Reviews durchlesen und dann entscheiden, ob ihr das Geld investieren wollt.

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