Die perfekte E-Gitarre – Strandberg Boden, Parker Fly, Zeta Mirror 6

Mein Traum einer perfekten E-Gitarre. Eine Mischung aus Parker Fly, Strandberg Boden und Zeta Mirror 6 (Bild: O. Thiele)

Wollen wir doch mal schauen, wie ich mir die perfekte E-Gitarre vorstelle. Auf die Schnelle: Eine Mischung aus Strandberg Boden, Parker Fly Deluxe und Zeta Mirror 6. Wie ich da darauf komme und wie ich mir das genau vorstelle schauen wir uns jetzt mal etwas genauer an.

Eins vorweg: wie nicht anders zu erwarten begebe ich mich heute tief in die Region des persönlichen Geschmackes. Für den einen Gitarrist ist eine Les Paul das Höchste der Gefühle, andere bevorzugen lieber Äxte von B.C. Rich. Ich gehe in eine ganz andere Richtung.

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(Bild: miy.de/O.Thiele)

Seit ich mir 1993 eine Ibanez RG550 DXLB zugelegt hatte war für mich eigentlich klar, dass ich es eher mit den breiten und vor allen flachen Hälsen habe. Das gepaart mit meiner Vorliebe für Exoten und Gitarren-Synthesizer sorgten zur Hoch-Zeit meines musikalischen Wirkens für eine illustre Sammlung an Instrumenten.

Was mir jedoch nie so ganz gelungen ist, war das Instrument der Instrumente zu finden und das, obwohl ich einen aussichtsreichen Kandidaten bereits 1994 in den Händen hatte; eine Parker Fly Deluxe. Dieses Geschoß aus Holz und Carbon vereint neben einen extrem flachen Hals mit nahezu albern niedriger Saitenlage auch eine perfekte Ausbalancierung bei gleichzeitig sensationellem Gewicht. Ich habe keine Gitarre bis jetzt in den Händen halten können, bei der die oberen Lagen so einfach zu erreichen sind wie bei der Parker Fly. Parker Fly Deluxe = absoluter Traum.

Masse statt Klasse

Und warum habe ich mir keine gekauft? Tja, genauso, wie das bei so manch anderen Sammler auch gerne mal vorkommt. Fehlender Fokus. Lieber ein paar Hunderter für Skurrilitäten a la Bond Electra Glide, Ibanez IMG 2010 und Zeta Mirror 6 ausgeben als einmal das Geld zusammenhalten und sich das Non-Plus-Ultra zu kaufen. Wobei, die Zeta Mirror 6 wird etwas später noch mal Erwähnung finden.

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Das eigentliche Problem bei der Parker Fly war der doch recht happige Preis, der sich über die Jahre leider nicht so sehr geändert hat. Heutzutage ist es sogar noch etwas komplexer geworden, da Parker aktuell keine Gitarren mehr baut. Zwar ist auf deren Website ein Relaunch für 2018 angekündigt, nur ob der stattfinden wird und was der uns bringt steht in den Sternen.

Bleibt also momentan nur der gebrauchte Erwerb einer Parker Fly. Leider ist das Angebot aktuell sehr überschaubar. Entweder muss man weit über 2000 Euronen auf den Tisch legen oder sich mit verbastelten Flys abfinden, die sich i.d.R. auch noch mit diversen Lackschäden rumschlagen müssen. Eine stabile Lackierung war wohl nicht die Stärke von Parker. Es kommt sogar noch schlimmer, weil es wohl diverse Parker Flys geben soll, bei denen sich das dünne Carbon-Griffbrett vom Hals lösen soll. Das bedeutet dann Totalschaden. Macht den Gebrauchtkauf nicht unbedingt zu einer sicheren Sache.

Kopfsache, Zeta Mirror 6

Zeta Mirror 6 Midi-Gitarre (Bild: miy.de/© O. Thiele)

Wenn wir mal die Bespielbarkeit beiseite lassen müssen wir uns natürlich auch über die Optik unterhalten. Auch hier trifft die Parker Fly bei mir voll ins Schwarze. Lediglich ein Punkt würde ich ändern, die Kopfplatte. An sich ist diese schon sehr cool, nur leider falsch herum.

Ich war schon immer ein Fan von Reversed Head-Stocks. Kein Wunder, dass die einzige Gitarre, die ich nach der Auflösung meiner Sammlung behalten habe, eine Vester The Argus mit ebensolchen Reversed Headstock ist.

Das beste Beispiel für eine coole Kopfplatte hat hier aus meiner Sicht die Zeta Mirror 6. Diese, ebenfalls mit einem Hals aus Carbon (und Aluminium) ausgestattete Midi-Gitarre aus der 80er zählte auch zu meiner Sammlung und ein wenig ärgere ich mich, dass ich diese auch verkauft habe.

Radio Zeta

Der Hauptgrund für die Veräußerung war, dass das gute Stück leider erhebliche Einstreuungsprobleme hatte. Sobald etwas Verzerrung im Spiel war gab es prima Radioempfang. Ich vermute mal, dass das an den komplett verkabelten Bünden des Halses lag.

Die Zeta Mirror 6 war nämlich eine Midigitarre, die die Tönen über einen speziellen Tonabnehmer in Kombination mit komplett verdrahteten Bünden ermittelt hat. Da damals die Rechnerperformance noch nicht so berauschend war hielt man das bei Zeta wohl für eine gute Idee. Nur blöde, wenn dann irgendwann die Bünde runter sind und erneuert werden müssen. Und die Bünde waren nicht wirklich stabil.

Naja, die Kosten für eine Rundumerneuerung haben mich dann zum Verkauf getrieben. Wie das Leben halt so spielt.

 

Standberg, E-Gitarre neu gedacht

Kommen wir zum dritten im Bunde, die Strandberg Boden von Ola Strandberg. Dem geneigten Prog-Rock- Fan dürften die kopflosen Gitarren aus Schweden sicherlich schon aufgefallen sein. Egal ob 6, 7, 8 oder 9 Saiten, jegliche Geschmäcker werden bedient.

Die Strandberg Boden haben im Vergleich zur Parker Fly zwei sehr spannende Unterschiede. Zum einen ist das die Korpusform. Die Einbuchtung am hinteren, unteren Ende spielt einem alten Sitzgitarristen wie mir direkt in den Schoß. Nicht falsch verstehen. Auf der Bühne wurde zu meiner aktiven Zeit natürlich abgerockt. Aber ohne Band im stillen Kämmerlein (Stichwort Dachschräge) siegt dann doch die Bequemlichkeit.

Als weiteres, feines Feature dürfte der Endurneck herhalten. Dieser ist nicht wie normale Gitarrenhälse symmetrisch sondern so geformt, dass der Daumen auf dem Weg den Hals hinauf so geleitet wird, dass die Hand sich automatisch richtig dem Bund entsprechend positioniert.

Abgerundet wird der Spaß dann noch durch Fanned Frets, d.h. die Bünde sind schräg gestellt, so dass die Mensur der einzelnen Saiten unterschiedlich ist und somit die Spannung der einzelnen Saiten der entsprechenden Dicke besser angepasst werden kann.

Leichtgewichte

Beim Gewicht geben sich sowohl Parker Fly Delux als auch Strandberg Boden nicht viel. Beide Gitarren bewegen sich zwischen 2 und 2,5 Kg Gewicht. Balsam für den geplagten Rücken. Wird im Alter ja auch nicht besser. Wobei, wirklich beklagen kann ich mir diesbezüglich glücklicher Weise noch nicht.

Das geringe Gewicht erreichen beide Gitarren durch unterschiedliche Maßnahmen. Setzt die Parker Fly Deluxe auf einen sehr flachen Aufbau, der durch eine Lage Carbon gestützt wird, profitiert die Strandberg Boden durch den Headless-Aufbau.

So stelle ich mir aktuell also die Frage, welche von den beide ich wohl lieber haben würde. Sehr schwierig. Preislich dürften bei in vergleichbaren Regionen liegen. Wobei die Parker Fly Deluxe dann eine gebrauchte Gitarre und die Strandberg Boden wohl nur als Taiwan-Modell erschwinglich wäre. Wobei die Meinungen im Netz das nicht unbedingt als Nachteil sehen.

Best of both worlds

So kommen wir denn nun zum Meshup. Wenn ich mir eine Gitarre selber bauen lassen könnte, würde ich folgende Features von Parker Fly, Strandberg Boden und Zeta Mirror 6 vereinen.

Der Korpus sollte einer Parker Fly ähneln, jedoch unten eine an die Strandberg angelehnte Ausbuchtung haben

Der Übergang zwischen Hals und Korpus sollte so elegant wie bei der Fly sein. Die normalen Strandbergs haben leider einen geschraubten Hals. Das ist für den Klang zwar egal, sorgt aber für einen ziemlich dicken Übergang und erschwert somit den Zugang zu den hohen Bünden. Eine Neck-trough Bauweise gibt es bei Strandberg leider nur in der Made-to-measure-Baureihe, die jedoch unbezahlbar ist und viel Geduld verlangt. Die Warteschlange ist sehr lang.

Das Ganze hätte ich gerne mit dem Endurneck bei einer Saitenlage wie bei der Parker Fly.

Als Kopfplatte würde ich die der Zeta Mirror 6 nehmen. Moment: Die Strandbergs sind doch Headless, oder? Ja, da habe ich mir was Besonderes ausgedacht. Ich würde den Kopf zum anstecken konstruieren und nicht für die Saitenaufnahme nutzen. Vielmehr würde ich hier einen Smartphone-Halter umsetzen, damit man dort gut zugänglich per Phone sich Backingtracks, Noten, Metronom oder was auch immer anzeigen lassen kann.

Midi-Man

Das Ganze müsste dann noch mit einem internen Roland GK-3 Midi-Pickup garniert werden. Auf den möchte ich nicht verzichten. Ich bin mir jetzt allerdings nicht so ganz sicher, in wie weit man den bei einer Gitarre mit Fanned Frets montieren kann. Müsste sich aber sicherlich herausfinden lassen.

Besondere Wünsche bezüglich der verwendeten Hölzer habe ich aktuell nicht festgesetzt. Aus klanglicher Sicht ist das meiner Meinung nach ziemlich egal. Wer anderer Meinung ist kann sich mal mit der „Physik der E-Gitarre“ auseinander setzen. Weiter ins Detail will ich zu dem Thema aber nicht gehen. Ist ja eher eine Glaubensrage.

Ich würde die Hölzer also eher nach optischen Gesichtspunkten aussuchen. Und da würde ich aktuelle eher zu helleren Hölzern mit starker Maserung tendieren.

So wie es aussieht muss ich mich mal mit dem Thema „Gitarren bauen lassen“ beschäftigen. Ich halte euch auf dem Laufenden.

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