Custom made – eine E-Gitarre bauen lassen | Die perfekte E-Gitarre Pt. 2

Mein Traum einer perfekten E-Gitarre. Eine Mischung aus Parker Fly, Strandberg Boden und Zeta Mirror 6. Mal schauen, wie wir den Traum war werden lassen. (Bild: O. Thiele)

Nachdem ich in „Die perfekte E-Gitarre“ schon mal darüber nachsinniert habe, wie ich mir die perfekte E-Gitarre vorstelle, wollen wir heute mal schauen, wie sich so ein Wunderbrett realisieren lässt. Eine E-Gitarre bauen lassen dürfte hier wohl die einfachste Methode sein.

Nicht jeder hat sowohl Zeit, Platz und Fähigkeit, sich eine E-Gitarre selber bauen zu können. Wie so oft im Leben kommt man sicherer ins Ziel, wenn man das Fahren den Profis überlässt. Das gilt natürlich auch für den Gitarrenbau.

Die größten Fragen, die sich einem auf Anhieb stellen, wenn man sich eine E-Gitarre bauen lassen will, dürften wohl sein, wer das macht und was uns der Spaß kostet. Eins vorweg: Es wird nicht billig.

Wer suchet, der findet

Wenn man nicht zufälliger Weise schon einen Gitarrenbauer seines Vertrauens im örtlichen Musikshop sitzen hat dürfte Google wie so oft die erste Anlaufstelle für die Recherche sein. Einen Gitarrenbauer vor Ort finden ist generell eine gute Wahl. Man muss ihm ja nicht zwangsweise gleich mit einem Auftrag beglücken. Aber ein gutes Gespräch über die eigenen Wünsche und die Möglichkeiten helfen einen doch enorm, den richtigen Fokus für das zu finden, was man haben.

Womit wir gleich bei einem Hauptproblem beim E-Gitarre bauen lassen sind. Was will man wirklich haben? Bevor man sich da nicht ganz im Klaren ist wird es schwer, ein Preisschild dran zu hängen. Ja, es ist noch nicht einmal sicher, ob es überhaupt ein kompletter „Custom made“- Bau sein muss.

Wer nicht direkt auf vom Mainstream abweichende Korpusformen aus ist tut oft gut daran, einfach eine Gitarre von Stange zu nehmen und vom Gitarrenbauer seines Vertrauens dann nach den eigenen Wünschen modifizieren zu lassen.

Ich habe ja nie so ganz verstanden, warum man sich eine Telecaster oder Les Paul nachbauen lassen muss. Wenn man aber so wie ich feststellt, dass es das, was man will so einfach nicht ansatzweise am Markt gibt…  Auf geht’s.

Arbeitsproben

Der Gitarrenbauer vor Ort hat neben dem persönlichen Gespräch noch einen deutlichen Mehrwert. Man kann sich vor Ort anschauen, wie und was er so gebaut hat und wozu er in der Lage ist. Mit etwas Glück kann man ein Stück des Meisters in die Hand nehmen und eine Runde die Finger über die Bünde fliegen lassen. Gefallen einem die Arbeitsproben vor Ort nicht würde ich weiter ziehen.

Kleiner Tipp: Solltet ihr ein gutes Gespräch geführt und die gewünschten Informationen bekommen haben wird der Gitarrenbauer sich sicherlich darüber freuen, wenn Ihr im vielleicht noch das eine oder andere Zubehör abkauft (so Ihr nicht gleich die ganze Gitarre in Auftrag gebt). Die Gesprächszeit soll sich ja für ihn rentieren und die wenigsten Gitarrenbauer sind Millionäre.

Und noch ein paar Tipps: Fragt vorher, ob der Gitarrenbauer Zeit für euch habt. Bereitet Euch vor indem ihr schon mal Ideen skizziert. Nehmt Zettel und Stift mit und notier die Ergebnisse des Gesprächs. Wer mehrere Gitarrenbauer in Reichweite hat sollte nicht nur einen abklappern.

Fragt auch, wie frei Ihr in der Gestaltung seid. Wenn es um 1:1-Nachbauten geht werden Euch viele Gitarrenbauer sagen, dass sie das aus Copyright-Gründen nicht machen werden. Ein weiteres, leidiges Thema ist die Kopfplatte. So mancher Gitarrenbauer sieht die gerne als Markenzeichen und lässt da nicht mit sich reden. Wenn die Euch dann nicht zu 100% gefällt… Finger weg. Wir reden hier über Investitionen im Bereich 3000 bis 4000 Euro. Gerne auch mehr. Da muss alles perfekt sein.

Um sich darüber klar zu werden, was man eigentlich haben will, nehme ich gerne fertige Designs als Ausgangsbasis und verändere dann mit Photoshop die Stellen, die mir nicht so ganz gefallen. Hier habe ich einer Montag Custom Guitars Oria mal Hörner aufgesetzt. (Bild: © Montag Custom Guitars)

Via Internet E-Gitarre bauen lassen

Nun hat nicht jeder das Glück, einen guten Gitarrenbauer vor Ort zu haben. So landen viele dann auch schnell im Internet. Auch hier tummeln sich mittlerweile recht viele kleine Hersteller, die eine große Bandbreite an Möglichkeiten anbieten.

Die richtige Auswahl treffen ist leider nicht sehr leicht, da hier oft die Websites eher altbacken daher kommen. Die wenigsten Gitarrenbauer sind halt auch Webdesigner. Wie es anders geht kann man perfekt am Beispiel von Montag Custom Guitars sehen.  Diese bis vor kurzem noch als „Montag & Walter Custom Guitars“ bekannt Gitarren-Schmiede zeigt mit ihrem Online-Konfigurator auf perfekte Art und Weise, wie man heutzutage im Netz sich dem Thema E-Gitarre bauen lassen nähern kann.

Ok, könnte auch daran liegen, dass der gute Frank Montag aus seiner Leidenschaft eine Berufung gemacht hat und eigentlich einen Bachelor of Arts im Bereich Multimedia|Virtual Reality-Design hat.

1000 Varianten

Der Online-Konfigurator lässt Euch Euer Trauminstrument bis ins kleinste Detail zusammenklicken. Der Clou hierbei ist, dass sämtliche Eingaben dann auch gleich zu sehen sind. Korpus-Form, Body-Holz, Griffbrett, Pickups… jede Änderung wird gleich sichtbar. Aber Vorsicht: Das bringt so viel Spaß, dass man da gerne eine Stunde rumprobieren kann.

Das einzige, was mir fehlt ist die Anzeige der Rückseite. Da man Body-Holz und Deckholz unterschiedlich wählen kann fehlt einem hier ein wenig das Gefühl dafür, wie die Gitarren dann von hinten und vielleicht von der Seite ausschaut. Auch für das Zusammenspiel des Hals-Holzes mit dem Body-Holz wird so nicht so ganz klar.

Da auch immer gleich der Preis mit aktualisiert wird weiß man auch jeder Zeit, wie lange man sein Sparschwein noch füllen muss, bevor man sich den Spaß leisten kann. Gutes Handwerk hat halt seinen (gerechtfertigten) Preis.

Aktuell kann man bei Montag Custom Guitars zwischen 6 Korpusformen wählen. Wobei es durchaus möglich ist, komplett eigene Ideen verwirklichen zu lassen. Existiert schon eine genau Vorstellung mit finaler Zeichnung halten sich hier die Mehrkosten sogar in zweistellige Grenzen. Wird die Korpus-Form mit Frank zusammen erst erarbeitet wird es natürlich teurer.

Aber auch hier gilt: 1:1 Kopien bekommt man auch bei Montag Custom Guitars nicht. Verständlich, dass man sich z.B. nicht mit der Rechtsabteilung von Fender anlegen möchte, weil man deren Kopfplatte kopiert hat. Aber wie oben schon erwähnt halte ich 1:1 Kopien eh für nicht sinnvoll.

Wer suchet, der findet

Will man sich über die Qualität eines via Internet vertreibenden Gitarrenbauers informieren ist mal wieder Google gefragt. Bevor Ihr auf den Bestellen-Button klickt würde ich immer nach Reviews über Instrumente aus der Schmiede suchen. Da sind dann neben Google auch Youtube, Facebook und Instagram gute Anlaufstellen.

Wer für nicht gerade geringe Summen sich ein Instrument bauen lässt tut dies oft der Welt gerne Kund. So sind über viele auch kleinere Hersteller Reviews zu finden.

Eine Kontaktaufnahme via Facebook kann auch nicht schaden. Wenn hier schnell und freundlich geantwortet wird ist das schon mal ein Hinweis, dass dies auch während des Baus so sein wird. Die gleiche Wellenlänge wird auch dem Endergebnis zuträglich sein. Klappt die Kommunikation schon beim ersten Anlauf nicht dürften die Chancen, dass man bei dem Projekt an wichtigen Stellen aneinander vorbei redet leider durchaus gegeben sein.

Oft kann man über Facebook auch schon gebaute Instrumente bewundern oder Bilder aus der Werkstatt betrachten. Das sollte einem ein Gefühl dafür ermöglichen, wie gut das Geld angelegt ist.

Ohne Moos nix los

Zum Schluss des zweiten Teils meiner „Die perfekte E-Gitarre“-Serie wollen wir noch mal einen Blick auf die finanziellen Aspekte werfen. Eine nach den eigenen Wünschen gebaute E-Gitarre ist leider kein Schnäppchen. Hier gilt dann auch wieder der alte Satz „You get what you pay for“.

Die meisten Preise, die mir unter die Nase gekommen sind, beliefen sich zwischen 2000 und 4000 Euro. Nach oben gibt es natürlich keine Grenzen. Nach unten schon. Und selbst bei den 2000 Euro ist man doch sehr eingeschränkt, was die Umsetzung der eigenen Wünsche angeht. Da kann man eigentlich auch schon fast wieder von der Stange kaufen.

Gezahlt wir meist in Raten. Ein beliebtes Zahlmodell ist ein Drittel Anzahlung, ein Drittel während des Baus und ein Drittel bei Fertigstellung. Hälfte/Hälfte ist auch zu finden. Was man in der Regel nicht bekommt ist Zahlung bei Lieferung. Da ist das Risiko, auf dem Instrument sitzen zu blieben, für den Gitarrenbauer einfach zu groß. Ganz davon abgesehen muss ja schon alleine für das Material ganz schön in die Tasche gegriffen werden. Das vorzustrecken ist für einen kleinen Betrieb schlichtweg unmöglich.

So gesehen solltet Ihr Euch auf jeden Fall vorab darüber mit dem Hersteller eurer Wahl darüber unterhalten, was passiert, wenn ihr hinterher etwas zu bemängeln habt.

Wem das alles zu Riskant ist muss sich auf Teil 3 meiner Serie gedulden. Dann schauen wir uns mal etwas genauer an, in wie weit man vielleicht selber zu Säge und Fräse greifen kann um sich die perfekte E-Gitarre bauen zu können.

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