Cross Guitar, die Reisegitarre zum klappen

Ja, es sind ganze Gitarren. Die Cross Guitar soll der ideale Überungs-Begleiter für unterwegs sein. (Bild: kickstarter/ ©Madrid Musical Group USA)

Bei der Cross Guitar bin ich mir nicht so ganz sicher, was ich davon halten soll. Die Idee einer Reisegitarre oder besser gesagt „Immer-Dabei-Übungs-Klampfe“ ist ja nicht wirklich neu. Die Umsetzung in Form der Cross Guitar ist jedoch ein wenig anders.

Der Hauptaugenmerk einer Reisegitarre liegt ja primär in möglichst transportfreundlichen Abmessungen. Da bekommt die Cross Guitar schon mal gute Noten. Bei einer Länge von etwa 90 cm, einem Gewicht unter 2 Kg und den Umstand, dass hier komplett auf einen eigentlichen Korpus verzichtet wird, sollte sie wirklich sehr mobil einsetzbar bar. Würde man auf Headless-Mechaniken setzen und die Kopfplatte wegoptimieren, könnte man allerdings noch weitere Zentimeter einsparen.

Die Frage ist nur, ob der Rest denn auch soweit passt, dass sich die Anschaffung lohnen könnte. Werfen wir mal einen genaueren Blick drauf.

Maß genommen

Mit einem 25.5“ Hals dürfte die Bespielbarkeit zumindest für die linke Hand sehr gute sein. Wobei das natürlich auch stark davon abhängen wird, ob einem das Halsprofil liegt. Die Nylon-Version hat eine Sattelbreite von 2“. Die Stahlseiten-Version ist naheliegender Weise mit 1.69“ etwas schmaler. Während die klassischen Gitarristen unter euch mit 18 Bünden bedacht werden, muss die Stahlsaiten-Fraktion mit 19 Bünden auskommen.

Links muss sich der Gitarrist also vermutlich nicht so sehr umgewöhnen.

Problematischer könnte die rechte Hand sein. Wer schon mal so eine rudimentäre Reisegitarre in der Hand hatte oder alternativ vielleicht mal eine Steinberg-Zahnbürste anspielen konnte wird je nach Spieltechnik sich möglicher Weise schon gefragt haben, wo er die rechte Hand abstützen soll. Außerdem muss man ohne Korpus die Gitarre viel mehr mit der linken Hand in Position halten als bei einer Gitarre, wo der Korpus den Abstand zum Spieler regelt. Das kann einem schon den Spaß vermiesen.

Ob das wirklich bequem ist? (Bild: kickstarter/ ©Madrid Musical Group USA)

Ein Kreuz mit der Cross Guitar

Um dem entgegen zu wirken und um dem Namen Cross Guitar zu rechtfertigen haben sich die Hersteller der Gitarre was ganz Besonderes ausgedacht. Auf der Rückseite der eigentlich nur aus dem Hals bestehenden Cross Guitar sind zwei ausdrehbare Bretter, die je nach dem, wie sie gestellt werden unterschiedliche Haltepositionen der Gitarre unterstützen sollen.

Das sieht auf den ersten Blick etwas seltsam aus.

Das mittlere Brett dient dazu, die Cross Guitar zum einen gut auf das Bein aufsetzen zu können und zum anderen einen brauchbaren Andruckpunkt für die Brust zu liefern, damit die linke Hand die Arbeit nicht alleine erledigen muss.

Das kleine Brett am Steg soll eine Ablage für den rechten Unterarm sein, damit der nicht in der Luft schweben muss. Hier ist aber letztendlich doch wieder die Frage, ob die dadurch mögliche Positionierung der rechten Hand dem eigenen Spielstil gefällig ist.

Flüsterlaut

Für das große Publikum ist die Cross Guitar freilich nicht gedacht. Da weder Klangkorpus noch eigendeine Art Pickup verbaut werden muss man schon etwas genauer hinhören. Das muss aber kein Nachteil sein. So kann man zumindest spielen, ohne seine Mitmenschen allzu sehr zu nerven. Ok, im Bus und in der Bahn würde ich es mir trotzdem verkneifen.

Ein wenig Schade ist die Abwesenheit von Tonabnehmern trotzdem. Sonst hätte man doch noch die Möglichkeit, etwas mehr Lautstärke aus dem Ding heraus zu kitzeln.

Aber das würde den doch sehr günstigen Preis von 119$ für den noch verfügbaren Nylon-Super Early-Bird bzw. 139$für den Steel-String Early Bird wieder nach oben treiben. Eine schöne Option wäre es trotzdem. Naja, kann man vielleicht ja noch nachrüsten.

Was man am Ende für den Preis wirklich in die Hände bekommt ist leider schwer zu sagen. Auch wenn die Initiatoren sich Madrid Musical Group USA nennen legen die Namen bei den Machern nahe, dass es sich hier um China-Ware handeln wird. Spätestensdie chinesischen Schriftzeichen beim Cross Guitar Log ganz unten auf der Seite sollten deutlich machen, wo der Ursprung des Teil zu vermuten ist.

Das muss zwar nicht zwangsweise schlecht sein. Ein wenig skeptisch, ob Intonation, Abrichtung, Bundreinheit und Saitenlage den eigenen Ansprüchen gerecht werden, könnte man aber schon sein.

Bei dem Preis allerdings hält sich das Risiko finanziell aber noch gerade so in Grenzen. Wobei mir jetzt allerdings wieder der Satz „You get what you pay for“ in den Sinn kommt.

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